Batman oder Joker? Vom antagonistischen Verhältnis zwischen Moral und Wirtschaft

by Gastbeitrag on 25. Juni 2013

imageSchaut man auf die skrupellosen Machenschaften bekannter Mafiabanden, scheint der Fall klar: Ihr Handeln ist böse. Schwieriger sieht es da schon mit den dubiosen Geschäften einiger Banker und Manager aus. Sie als „böse“ zu betiteln, wagt sich kaum jemand. Unternehmen geben verantwortliches Handeln vor, die innere Logik der Wirtschaft zwingt sie jedoch zur ausnahmslosen Ausrichtung am Gewinn. Auch politische Vorgaben oder persönliche Prinzipien können daran nichts ändern.

Gastbeitrag von Wolfram Bernhardt und Tanja Will, Mitarbeiter des philosophischen Wirtschaftsmagazins agora42*.

 

Die Wirtschaft arbeitet mit Geld. Ihr Vokabular beschreibt Finanzen, Märkte und Börsengeschäfte; ihr Handlungsgebiet ist weltumspannend und die Transaktionen sind an der Börse nachvollziehbar. Können wir also das Wort böse in Hinblick auf die Wirtschaft aus unserem Wortschatz streichen, oder lohnt es sich, die Notwendigkeit seiner Verwendung neu zu überdenken?

Bis Ende November 2012 vermeldete das Statistikportal statista.de 49.088 drogenbezogene Morde in Mexiko seit Januar 2006. Damit markieren diese Straftaten jedoch nur die Spitze eines Eisbergs von Gewalt, der im Zuge des Drogenhandels in Mexiko immer dramatischere Ausmaße annimmt. Die einzelnen Banden, die einst nur Drogen geschmuggelt haben, sind inzwischen zu multinational operierenden Unternehmen herangewachsen. Und, wie andere Unternehmen auch, sind die Drogenkartelle wie Los Zetas oder das Sinaloa-Kartell immer darauf bedacht, ihre Umsätze zu steigern und neue Märkte zu erschließen. So beschränkt sich ihr Geschäftszweck heutzutage längst nicht mehr auf den Schmuggel von Drogen, sondern umfasst zugleich das Kidnapping zur Lösegeldforderung, Waffen- und Menschenhandel, (Kinder-)Prostitution et cetera. Da dies alles Machenschaften sind, die – sofern sie mit der nötigen Gewalt und Erbarmungslosigkeit betrieben werden – mit einem großen Gewinn einhergehen, man die erwirtschafteten Dollars jedoch nicht einfach in Schuhkartons unter dem Bett lagern kann, muss man sich überlegen, wohin mit dem vielen Geld.

Wenn man neben der Geldanlage noch beabsichtigt, sich unabhängiger vom kriminellen Sektor zu machen, könnte man das Geld auf ein Konto einzahlen, um es letztlich in ganz legale Güter investieren, beispielsweise indem man über die US-amerikanischen Börsen Aktien kauft. Man könnte sich aber auch direkt vor Ort an Unternehmen beteiligen, die nicht primär den Gesetzesbruch zum Ziel haben, zum Beispiel Bauunternehmen oder Unternehmen aus der Müllwirtschaft. Diesen Prozess, illegal verdientes Geld in den ganz normalen Wirtschaftskreislauf einfließen zu lassen, nennt man Geldwäsche. Und aus genau diesem Grund – Beihilfe zur Geldwäsche – wurde Anfang Juli 2012 die britische Bank HSBC von der US-amerikanischen Finanzaufsicht angeklagt.

Too big to jail?

Die Bank soll allein in den Jahren 2007 und 2008 circa sieben Milliarden Dollar in bar per Lastwagen und Flugzeug aus Mexiko in die USA geschleust haben. Dazu kommen weitere 2,1 Milliarden Dollar, die auf rund 50.000 Konten der HSBC auf den Cayman Islands lagern und die ebenso aus dem mexikanischen Drogenhandel stammen sollen. Neben diesen Vergehen wurde die Bank zudem angeklagt, Transaktionen mit iranischen Banken in Höhe von rund 19,4 Milliarden US-Dollar verschleiert und eine weitere Milliarde an ein saudi-arabisches Bankhaus transferiert zu haben, deren Gründer einst das Terrornetzwerk Al-Qaida finanziert haben sollen.

Jeder einzelne dieser Vorwürfe wiegt bereits schwer, aber in der Summe hätte man vermuten können, dass dies im schlimmsten Falle das Aus der Bank und langjährige Haftstrafen für die verantwortlichen Mitarbeiter nach sich hätte ziehen können. Stattdessen verkündete die Bank am 11. Dezember 2012, dass sie sich mit der US-amerikanischen Finanzaufsicht außergerichtlich auf die Zahlung von 1,92 Milliarden US-Dollar geeinigt habe und das Verfahren somit gegen sie eingestellt wurde. So hoch einem diese Zahl auch erscheinen mag, muss man sich vor Augen führen, dass dies laut einer Prognose des Vorstands im dritten Quartal 2012 lediglich etwa einem Zehntel des Jahresgewinns vor Steuern der HSBC entspricht.

Dass dieser Vergleich dem Vergehen nicht gerecht wird, schreibt auch die New York Times, der zufolge dies „einen schwarzen Tag für die Rechtsstaatlichkeit“ bedeute. Die Zeitung kritisiert weiter, dass dieser Vergleich der Bank eine Auseinandersetzung vor Gericht erspart habe. Leider, denn die Verhinderung des strafrechtlichen Prozesses bedeutet, dass es inzwischen ein paar Banken gibt, die nicht mehr nur als too big to fail gehandelt werden, sondern als too big to jail gelten – wie das?

Zum einen hätte die Strafe bei einem strafrechtlichen Prozess vor Gericht noch wesentlich höher ausfallen können. Ein Umstand, welcher der Bank genauso ernsthafte Probleme bereiten würde, wie die Tatsache, dass sich in diesem Fall die Federal Deposit Insurance Corporation – der Einlagensicherungsfonds der USA – gezwungen gesehen hätte, der Bank die Einlagensicherung zu entziehen. Dies wiederum hätte dazu führen können, dass Gelder von der Bank abgezogen worden und sie in enorme Schwierigkeiten geraten wäre – und mit ihr der gesamte Finanzsektor. Denn da die HSBC neben JP Morgan Chase, der Citigroup und der Deutschen Bank zu den vier Bankhäusern gehört, die vom Volumen her die größten Verstrickungen mit anderen Banken aufweisen und somit als die vier systemrelevantesten Kreditinstitute gelten, würde eine Schieflage der HSBC womöglich andere Banken ins Wanken bringen. Insofern kann man nur darüber spekulieren, ob dies nicht der wahre Grund dafür war, dass es zu keinem strafrechtlichen Prozess gekommen ist – too big to jail.

Im Falle des eingangs erwähnten Beispiels können anhand der Drogenkartelle noch vermeintlich leicht Menschen ausgemacht werden, die unter Verfolgung ihrer wirtschaftlichen Ziele offensichtlich ‚böse‘ handeln. Dies ist nicht selbstverständlich, sprechen wir doch immer häufiger von strukturellen Problemen, abstrakten Finanzinstitutionen und ‚bösen Banken‘. Und doch, nüchtern betrachtet, kann die Wirtschaft ohne die vielen Menschen, die ihr letztlich ein Gesicht geben, nicht existieren. Schließlich wird jede Entscheidung von einer ganz bestimmten Person getroffen oder zumindest mitgetragen. Da sich nun aber die moralische Verwerflichkeit des skrupellosen Wirtschaftens nicht von der Hand weisen lässt, bleibt die Frage, warum es immer wieder Menschen gibt, die sich an Nachteilen anderer bereichern und sich dabei noch im Recht fühlen.

So macht man das eben.

Das erste Argument, das etwa ein Drogendealer anbringen könnte, lautet wie folgt: Wenn ich es nicht tue, macht es eben jemand anderes. Das zweite Argument ist strukturell ähnlich und ein Mafioso könnte es genauso anbringen wie ein Manager: Der Umsatz muss um jeden Preis gesteigert werden. Man denke etwa an den Schraubenkönig Würth, der die Vertriebsmitarbeiter immer wieder aufgrund zu geringer Umsatzsteigerungen darauf hinwies, dass Würth kein Sozialunternehmen oder zweites Arbeitsamt sei. Ähnlich oft gehört sind Argumente wie: Da muss man jetzt eben mal realistisch sein, es funktioniert eben leider so; oder: Ich mach den Job jetzt eben, um danach etwas Sinnvolles tun zu können. Der Verweis auf externe Zwänge sucht die Ursache der eigenen Handlung in ihren Kontexten, nicht in der persönlichen Verantwortung. Man macht es eben so. Solange dies funktioniert, brauchen eigene Handlungen nicht hinterfragt werden. Wohin dieses Verhalten führen kann, haben wir in Deutschland leider in endgültiger Zuspitzung bereits einmal gesehen. So wurden die Gaskammern im Dritten Reich nach Sicht einiger Zeitgenossen nicht durch sadistische Monster gebaut, sondern von Menschen, die sich profilieren wollten, die darin Aufstiegschancen sahen oder die lediglich Befehle befolgten. Es waren eben die besonders pflichtbewussten und rechtmäßigen Personen, die nach Hitlers Tod als Täter des Dritten Reichs für ihre Vergehen angeklagt wurden.

Die Vergleiche mit dem Dritten Reich sind immer eine besonders harte Schelte, die so manchen abwinken lässt und übertrieben polemisch wirken könnte. Interessant an diesem Vergleich ist allerdings, dass es Menschen nicht immer leicht fällt, eigene oder fremde Handlungen moralisch zu beurteilen, sofern das Umfeld sie toleriert oder gar exzessiv betreibt. Sich aus innerer Überzeugung gegen allgemeine Konventionen zu stellen braucht ein gutes Fundament und führt uns zu der grundsätzlichen Frage, ob wir derzeit überhaupt noch in der Lage sind, Böses in den wirtschaftlichen Handlungen einzelner zu erkennen?

Auffällig ist, dass heutzutage die moralische Verurteilung einzelner Personen zwar vorgenommen wird – man erinnere sich nur an die öffentlich inszenierte Festnahme des früheren Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post AG, Klaus Zumwinkel, wegen Steuerhinterziehung –, gemeinhin jedoch gilt, dass ein profitorientiertes Wirtschaften vollkommen verständlich und tolerierbar ist, solange kein Gesetz verletzt wird. Ein guter Geschäftsmann sollte, ebenso wie ein erfolgreicher Mafioso, finanzielle Vorteile zügig erkennen und diese ohne Rücksicht auf Nachteile anderer sichern und erweitern. Ein gewisses Maß an Skrupellosigkeit und die großzügige Auslegung einschränkender Gesetze sind dabei äußerst dienlich. Wirtschaftlicher Erfolg wird durch hartes Geld geschrieben, nicht durch hehre Leitbilder. Es scheint geradezu, dass sämtliche moralische Überlegungen in der Wirtschaft einfach fehl am Platz sind – vor allem wenn man bedenkt, dass selbst die Vertreter des Gesetzes es nicht schaffen, einen Akteur der Wirtschaft vor Gericht zu bringen, weil die Stabilität des Finanzsystems heute mehr bedeutet als Rechtskonformität. Stattdessen liegt der Verdacht nahe, dass es in der Wirtschaft um ganz andere Dinge geht: Umsatzsteigerung, Gewinn und Macht. Alles andere ist sekundär oder hat nur dann eine Berechtigung, wenn es hilft, die primären Ziele zu erfüllen.

Zu keinem anderen Ergebnis kann man kommen, wenn man betrachtet, mit welch öffentlichkeitswirksamen Bemühungen sich Unternehmen mit Themen wie Nachhaltigkeit, Compliance, Corporate Social Responsibility (CSR) et cetera auseinandersetzen. Gemäß dem Motto „Tue Gutes und sprich darüber“ werden ein paar Bäume gepflanzt oder Kindergärten neu angestrichen und natürlich ist die CSR-Abteilung meist bei den Marketingabteilungen der Unternehmen angesiedelt. Ein besonders anschauliches Beispiel für den Stellenwert der CSR in Unternehmen findet sich bei der Vodafone Gruppe. Sie verzeichnete für 2012 einen Gewinn vor Steuern in Höhe von 9,549 Millionen Pfund. Gleichzeitig rühmt sich das Unternehmen, im selben Zeitraum sämtlichen dem Unternehmen nahestehenden Stiftungen 52,1 Millionen Pfund gespendet zu haben. Das entspricht etwa 0,005 Prozent des Gewinns. Sieht so die Überzeugung aus, dass vom unternehmerischen Handeln nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Gesellschaft profitiert oder wird hier der moralische Anspruch lediglich als weitere Kostenstelle dem Ziel Gewinnmaximierung unterstellt? Angenommen dem ist so, kann man dann dem Vorstandsvorsitzenden der Vodafone Gruppe, Vittorio Colao, einen Vorwurf machen, da er doch nur dafür verantwortlich ist, das Geld der Aktionäre zu mehren, oder sind es nicht vielmehr die Aktionäre, die die Verantwortung dafür tragen, was deren Statthalter tun? Könnten die Aktionäre nicht gemeinsam beschließen, dass der Vorstand nicht mehr den Gewinn maximieren, sondern vielmehr den ökologischen und sozialen Mehrwert als Ziel des unternehmerischen Handelns in den Vordergrund rücken soll? Oder ist es letztlich nicht doch die Politik, die den moralischen Rahmen vorgeben soll, innerhalb dessen sich die Wirtschaft entfalten kann? Ist es somit möglich, dass die Unterscheidung zwischen Gut und Böse in der Wirtschaft einfach nicht vorgesehen ist, da ihre innere Logik mit solchen moralischen Begrifflichkeiten nichts anfangen kann?

Die Frage, ob Umsatzwachstum ein erstrebenswertes Ziel ist, kann die Wirtschaft nicht klären. Die Antwort darauf muss von außerhalb kommen. Genauso die Frage nach einem gerechten Lohn oder die Frage danach, ob es irgendeine Arbeit gibt, die moralisch zweifelhaft ist. Die wirtschaftliche Logik unterscheidet nicht, ob der erzielte Gewinn aus dem Bau eines Hauses oder dem Handel mit Menschen stammt. Aber entbindet diese Erkenntnis folglich jeden in der Wirtschaft tätigen – was auch immer damit gemeint ist – von seiner Verantwortung, Entscheidungen auch unter moralischen Gesichtspunkten zu treffen?

Der Mensch zwischen Opportunismus und Prinzipientreue

 

Eine Tatsache ist, dass wir keine Instanz in dieser Gesellschaft finden können, die die Handlungen des Mafioso nach allgemeinen Gesichtspunkten als böse einstufen kann. Seine einzelnen Taten können entlang diverser Maßstäbe bewertet werden: Nach finanziellem Erfolg, welcher hoch ausfallen dürfte, nach Rechtskonformität, welche bei Mafiageschäften mal vorhanden und mal nicht vorhanden ist, oder nach Praktikabilität verstanden als Abwägung der Konsequenzen für den Einzelnen, die sich aus seiner Handlung ergeben können. Die Ausprägungen dieser kriminellen Taten sind direkt messbar und für jeden verständlich darstellbar. Die Einstufung der Handlungen des Mafioso als gut oder böse wurzelt hingegen in unserem persönlichen Empfinden. Gerät dieses in den Hintergrund avanciert das ökonomische anything goes zum Imperativ: Nicht nur, dass eine moralische Bewertung eigener Handlungen keinerlei Auswirkung auf deren Durchführbarkeit haben muss; auch würden die wenigsten Menschen die Chance auf das große Geld ablehnen, wenn man ihnen vorhielte, ihr Handeln sei böse.

Moralische Empörungen werden belächelt, gelten als naiv und unprofessionell. Es ist also kein Wunder, dass sie öffentlich kaum noch geäußert werden, außer von Weltverbesserern, Aktivisten oder Menschenrechtlern. Persönliche Empfindungen bleiben – im Alltag des Mafioso genau wie in der Wirtschaft – persönlich und privat. Sie werden aus der Öffentlichkeit verdrängt und bei manchen Personen gar vollständig aus ihrem Leben verbannt. Das Böse zu erkennen fordert nun aber genau dies: eine strikte Rückbesinnung auf den eigenen Standpunkt. Es ist eine Frage der persönlichen Grenzziehung. Denn nur wo Grenzen existieren, können diese überschritten werden. Und das Verteidigen dieser Grenze ruft Emotionen hervor, die die Kraft besitzen, Handlungen zu formen, ohne auf Notwendigkeiten, Umstände oder Praktikabilität Rücksicht zu nehmen. Eine persönliche Grenzziehung ermöglicht uns erst, sich wieder über böse Dinge empören zu können und sie anhand unserer widerstrebenden Emotion zu erkennen. Gibt es also noch Handlungen, die man in jeder Situation so innig verabscheut, dass man keine Argumente braucht, um auszurufen: „Hier stehe ich und kann nicht anders!“?

Das Wort doxa hatte bei den Griechen eine interessante Doppelbedeutung: Zum einen bezeichnete es die individuelle Meinung und Ansicht einer Person, zum anderen brachte es Ehre und Ruhm der Person zum Ausdruck. Damit ging die gesellschaftliche Anerkennung immer mit den persönlichen Maximen einher. Gräbt man ein wenig in seiner eigenen Erfahrung, erkennt man schnell, dass heutzutage Opportunismus ein größerer Karrieremotor ist, als das Festhalten an Prinzipien. Individualität und Charakter werden zwar augenscheinlich geschätzt, zu wirtschaftlichem Erfolg und Anerkennung führen sie allerdings selten. Ein Unternehmen sucht eine Gefolgschaft, keine Individualisten mit selbst gesteckten Maximen. Dabei sind bunte Selbstinszenierungen durchaus erwünscht. Ein Angestellter soll nicht langweilen, sondern amüsieren, motivieren und inspirieren, aber nur im Rahmen der Regeln und der Freiräume, die man ihm zugesteht. Die Grenzen seiner Handlungsmöglichkeiten sind allgemeine Vorschriften, keine selbst definierten Prinzipien. Das Besondere an den Vorschriften aber ist, dass sie auslegbar, interpretierbar und in verschiedene Richtungen dehn- und stauchbar sind. Vorschriften stellen kein Hindernis für böses Handeln dar. Im Falle der Banken, die ohnehin vor strafrechtlichen Verfolgungen gefeit zu sein scheinen, legalisieren sie ein solches Handeln sogar, indem sie Raum für Handlungen bieten, die am Gesetz vorbei gehen, ohne es an sich in Frage zu stellen. Anything goes. Die Praktikabilität geht der Moral voraus.

Kein Platz für Batman

Gotham City hatte Batman, der gegen den moralischen Zerfall kämpfte. Ein Held, der das Gute klar vor Augen hatte und sich in seinem Feldzug der Selbstjustiz über das Gesetz stellte. In der Realität wäre ein solcher Akteur schwer vorstellbar. Zumindest würde es nicht lange dauern, bis ihn sämtliche Instanzen der Justiz und der Exekutive zur Strecke bringen würden. Viel einfacher ist es doch, sich in unserer Welt einen erfolgreichen Joker vorzustellen, der mit Regeln und Gesetzen spielt wie mit Seifenblasen, der Taten begeht, nur weil sie begangen werden können, und dem Gut und Böse so fern sind, wie Verantwortung und Rechenschaft. Hören wir nicht schon die Manager auf die moralische Verurteilung ihrer bösen Handlungen antworten: „Warum denn so ernst?“.


* Wolfram Bernhardt studierte internationale BWL mit Schwerpunkt auf Finanz- und Kapitalmärkten. 2009 gründete er mit zwei Kollegen das philosophische Wirtschaftsmagazin agora42 (www.agora42.de). Tanja Will studierte Soziologie, Ethnologie und Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. Seit 2010 arbeitet sie in der empirischen Sozialforschung. Sie forschte bisher zu Stellvertretungsverhältnissen und Mediation.

Die Wiedergabe des Beitrags erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Agora42, dem philosophischen Wirtschaftsmagazin. Der Beitrag ist in der Printausgabe 6/2012 erschienen. Sie hatte den Schwerpunkt Ökonomie und Gerechtigkeit.

Die neue Ausgabe von Agora 42 erscheint am kommenden Freitag unter dem Titel “Wohlstand”. Darin geht es z.B. um folgende Fragen:

  • Kann Wachstum unseren Wohlstand retten?
  • Wozu reich sein?
  • Ist Wohlstand messbar?
  • Macht Wohlstand süchtig?
  • Muss James Bond erwachsen werden?

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