Banken in Credit-Management einbeziehen: Hilfsmittel zur Beurteilung der Bonität der eigenen Bank

by Dirk Elsner on 11. Juli 2013

Gestern habe ich skizziert, warum es für Unternehmen nicht nur ein theoretisches Konstrukt ist, sich mit der Kreditwürdigkeit ihrer Hausbanken zu befassen. Für die Kapitalmärkte selbst ist es ein ganz normaler Vorgang, auch die Bonität von Banken und ihre Risiken zu bewerten. Ebenso normal ist es, dass Unternehmen die Zahlungsausfallrisiken ihrer Kunden einzuschätzen und danach ihre Zahlungsmethoden auswählen. Noch nicht so verbreitet, und von Banken sicher nicht gern gesehen, ist es, wenn ganz normale Unternehmenskunden ihr Liquiditätsmanagement an der Bonität ihrer Banken orientieren. Aber der Fall Zypern und die europäischen Vorschläge zur Haftung für marode Banken zeigen dass Gläubiger um ihre Einlagen bangen müssen (siehe auch Wirtschaftsdienst “Das europäische Finanzsystem nach dem Zypernprogramm”).

Wenn Unternehmen ihr Forderungsmanagement professionell aufziehen, wird es heute Credit Management genannt. Im dritten Teil einer Reihe dazu für die CFOWorld Management hatte ich dazu geraten, die eigenen Kunden in verschiedene Bonitätsklassen zu klassifizieren, dies regelmäßig zu überprüfen und daran das Credit Management auszurichten. Viele Großkonzerne mit hoher Liquiditätshaltung machen dies auch gegenüber Banken und fordern im Zweifel sogar Sicherheiten für hinterlegte Einlagen.

Für das Liquiditätsmanagement von Unternehmen ergeben sich daraus drei logische Schritte:

1. Feststellen, wie Forderungen gegen eine Bank im Fall einer Insolvenz gesichert sind

Heutzutage gibt es einen unübersichtlichen Zoo für Geldanlagen und deren Absicherung. Es ist aber für Unternehmen (und Gläubiger großer Guthaben) wichtig, dazu in regelmäßigen Zeitabständen eine Bestandsaufnahme zu machen, wodurch eigentlich welche Einlagen bis zu welcher Betragshöhe abgesichert sind.

So ist zunächst etwa zu unterscheiden, ob etwa ein Forderung direkt durch ein Pfand, eine Bürgschaft oder gar nicht gesichert ist. Bei Geld- und Termineinlagen ist die Stellung von Sicherheiten unüblich, bei Pfandbriefen Standard. Wenn die Forderungen ungesichert sind, dann kommt es weiter darauf an, ob und in welchem Umfang die Einlagen durch privaten und staatlichen Einlegerschutz gesichert sind. Da neben den staatlichen Sicherungsmechanismen auch unterschiedliche von der jeweiligen Bankengruppe abhängige Sicherungen existieren, erfragt man die Informationen am besten bei seiner Bank.

2. Heuristische Einschätzung der Bonität seiner Bank

Im Hinterkopf sollte man behalten, dass es absolut kein 100 % zuverlässiges Verfahren gibt, aus dem sich rechtzeitig und mit hoher Genauigkeit ableiten lässt, wann ein Schuldner oder eine Bank ausfällt. Selbst die angeblich so ausgeklügelten Stresstests der europäischen Bankenaufsicht gaben bisher nur sehr unzureichende Hinweise darauf, ob Guthaben bei einer Bank sicher sind.

Als erste Anlaufstelle bieten sich trotz aller Bedenken die Ratingnoten und Kreditrisikoprämien an. Beide Kennziffern sind vergleichsweise einfach zu ermitteln. Die Ratingnoten für eine Bank bzw. für bestimmte Forderungsklassen sind in der Regel bei einer Bank selbst erhältlich.

Die Höhe der Kreditrisikoprämie (Fachjargon CDS Spreads) halte ich für den genaueren Indikator für die Bonität der Forderungen gegen eine Bank als externe Ratings. Die Prämie gibt an, wie viel man bezahlen muss, um einen Forderungsausfall zu versichern (zum Hintergrund siehe diesen Beitrag). Für größere Banken erhält man über spezielle Informationsanbieter diese Preise (einen Free CDS Pricing Report gibt es bei markit). 

Mittlerweile gibt es auch Dienste, wie Rating-Index, die eigene mathematische Verfahren entwickelt haben, um die Kreditwürdigkeit von Staaten, Unternehmen und Organisationen zu  ermitteln. Hier gibt es eine Ratingübersicht für Banken.

Daneben kann man natürliche alle möglichen Bilanz- und Marktkennzahlen analysieren. Den dafür betriebenen Aufwand sollte man freilich abhängig machen, von der Höhe des ausfallgefährdeten Betrags. Bei der Bilanzanalyse von Banken gibt es viele Besonderheiten zu beachten (siehe dazu z.B. diese Präsentation eines Seminars zur Finanzmarktberichterstattung), die eine Einschätzung erschweren.

3. Liquiditätsdisposition am Risiko ausrichten.

Was auch immer die heuristische Bonitätseinschätzung einer Bank bringt, es sollte heute zu den Binsenweisheiten gehören, sich nicht zu 100% auf die Ergebnisse zu verlassen. Das Gleiche gilt für die Einlagensicherung. Ich habe aber bereits im ersten Teil deutlich gemacht, dass es für Deutschland keine Anhaltspunkte für hektischen Aktionismus gibt, also eine akute Ausfallgefahr droht. Und man muss heute nicht seine Unternehmensliquidität auf so viele Banken verteilen, dass die Guthaben jeweils unter der Schwelle der Einlagensicherungssysteme bleiben. Aber eine systematische und regelmäßige eigene Analyse halte ich insbesondere bei hohen Forderungsvolumina für notwendig.

Je nach Ergebnis der Einschätzungen aus 1. und 2. sollte die eigene Liquiditätsdisposition diese Parameter zu berücksichtigen und nicht, wie bisher vielfach üblich, allein die Höhe des Zinses entscheiden zu lassen. In jedem Fall sollten Unternehmen darauf achten, ihre Liquidität auf mehrere, möglichst wenig miteinander vernetzte Institute zu verteilen. Dies ist natürlich leichter geschrieben, als umgesetzt. Dennoch sollte eine Antwort auf die Frage, wie sichert das Unternehmen seine Liquidität, wenn eine Bank ausfällt, mittlerweile zum Standard eines Risikoaudits und Frühwarnsystems gehören.


Dieser Beitrag ist eine überarbeitete und aktualisierte Fassung eines Beitrags, den ich für die Webseite der CFOWorld geschrieben.

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