Deutschland nach der Wahl: Vorhersagensieger ist die Forschungsgruppe Wahlen

by Dirk Elsner on 23. September 2013

Ein spannender Wahlabend ist zu Ende gegangen. Es wurde bereits sehr viel gesagt und noch mehr geschrieben (siehe unten) über das Wahlergebnis (ausgewählte Stimmen unten).  Bemerkenswert finde ich, dass sich ein breiter konservative Rand um FDP und AfD mit zusammen fast 10% selbst aus der parlamentarischen Mitwirkung genommen hat. Nach zwischenzeitlichen Hochrechnungen könnte die CDU dadurch sogar eine eigene Mehrheit nach Sitzen im Parlament erhalten. Mit 304 Sitzen wäre das allerdings denkbar knapp, zumal die Sitzverteilung immer noch schwankt. Man wird sehen, wie sich das Ergebnis im Laufe der Auszählung in der Nacht noch verändert.  Zwischendurch gab es auch einmal eine Mehrheit für rot-rot-grün. Spannend würde ich schwarz-grün finden. Diese Konstellation jedenfalls hätte eine stabile Mehrheit.

Hier die Hochrechnungen von ARD, die Basis für diesen Beitrag sind.


Hochrechnungen
Partei ARD
(22:47)
ZDF
(22:40)
Ø 2009
CSU 41,70 41,90 41,80 33,8
SPD 25,60 25,70 25,65 23,0
FDP 4,70 4,80 4,75 14,6
Grüne 8,40 8,40 8,40 10,7
Linke 8,50 8,50 8,50 11,9
Afd 4,80 4,80 4,80 0,0
Piraten 2,20
2,20 2,0
Sonstige 4,10 5,90 3,90 4,0

 

Während noch weiter ausgezählt wurde und an verschiedenen Koalitionen gerechnet wird, interessiert mich für diesen Beitrag einmal mehr die Qualität der Vorhersagen. Wie schon vergangene Woche bei der Bayern-Wahl haben zu meinem Bedauern die crowd-basierten Verfahren sich nicht als überlegen erwiesen. Die Abweichungen, die ich als Varianz gemessen habe, liegen deutlich höher als die Prognosen der betrachteten traditionellen Forschungsinstitute. Ganz besonders schlecht schnitt die Prognosebörse EIX des Handelsblatts ab.

Ich hatte bereits am Freitag geschrieben, dass keine der hier aufgeführten Wahlbörsen von den Bedingungen auch nur annähernd an den verflossenen Handelsplatz Intrade heran kommt. Die in Deutschland verwendeten crowdbasierten Prognosen hatten ein zu spielerischen Charakter. Weil hier nicht mit echten Geld prognostiziert wurde, fehlten hier die Anreize für qualitativ hochwertige Prognosen. Daneben konnten die Prognosen ohne Schaden gezielt beeinflusst werden. So waren insbesondere die 14,1% für die AFD auf der Prognosebörse des Handelsblatts eix sehr auffällig. Wer das, wie ich, das für zu hoch gehalten hätte, der hätte bei Intrade mit Leerverkäufen dagegen setzen können und zwar mit beliebig hohen Summen. Wer eine Partei künstlich hätte oben halten wollen, hätte dafür sehr viel echtes Geld zahlen müssen.

Bemerkenswert ist auch, dass das tatsächliche Wahlergebnis der CDU/CSU deutlich höher lag als die beste Prognose für die Union.

In der folgenden Tabelle sind die Abweichungen der jeweils letzten Prognosen vom Durschnitt der oben stehenden Hochrechnungen aufgeführt. Daraus wiederum habe ich die Varianz berechnet, die in der untersten Zeile zu finden ist. Die Varianz ist ein Maß für die Qualität der Prognose. Je niedriger sie ist, desto höher war die Qualität der jeweiligen Prognose. Klarer Sieger ist hier wie schon vergangene Woche bei der Bayern-Wahl die Forschungsgruppe Wahlen, die für das ZDF arbeitet. Mit einer Varianz von 1,11 liegt sie bemerkenswert gut. Es freut mich, dass ich mit meiner Vorhersage überraschend Zweiter geworden bin, knapp vor Emnid und Infratest.


Abweichung zu den Prognosen
Partei PESM Wahl-
fieber
(22.9.)
EIX (19.9.) Spon
(22.9.)
Wahl-
o-met (19.9.)
FG
Wahl.
(19.9.)
Emnid
(15.9.)
Infra-
test
(13.9.)
Blick Log
(22.9.)
CSU 4,3 4,2 8,8 3,9 5,2 1,8 2,8 1,8 3,0
SPD -0,2 -0,3 3,2 -1,3 3,7 -1,4 -0,4 -2,4 -0,8
FDP -1,4
-1,8 -1,0 0,7 -0,8 -1,3 -0,3 -0,7
Grüne -2,0 -1,5 -0,5 -4,6 -2,7 -0,6 -0,6 -1,6 -1,7
Linke -0,1
-0,5 0,9 1,1 0,0 -0,5 0,5 0,2
Afd -0,4
-9,3 1,7 -6,1 0,8 0,8 2,3 0,4
Piraten -0,6
-0,1 -1,0 -1,4

-0,3 -0,3
Sonstige 0,2 -3,0 0,2 1,4 -0,4 0,1 -0,9 -0,1 -0,2
Varianz 3,60 9,64 25,39 6,50 12,66 1,11 1,93 2,43 1,86

Grundlage meiner eigenen Prognose waren übrigens die anderen Prognosen, wobei ich eine Gewichtung nach meiner Qualitätseinschätzung vorgenommen habe. So hatte ich die Forschungsgruppe Wahlen wegen des guten Abschneidens in der Vorwoche mit dem Faktor 3 gewichtet, die EIX dagegen mit 0, weil mir die Abweichungen spanisch vorkamen.  Daneben habe ich die Wahlbörse PESM höher gewichtet als Wahlfieber.

 

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