Wahlbörsen zum Ausgang der Bundestagswahl und Wahlprognose Blick Log

by Dirk Elsner on 20. September 2013

Morgen ist endlich der Wahlkrampf vorüber. Ab Sonntag dürfen wir unsere Kreuze machen und danach wird gezählt. Die Meinungsforscher wollen am liebsten schon vorher ganz genau wissen, wie wir abstimmen. Stephan Ewald weist in einem Beitrag auf Google Plus auf die Ungenauigkeiten der Wahlforschung hin. Wir sind ja selten einer Meinung, hier jedoch teilt er meine Leidenschaft für das Abschätzung der Wahlergebnisse durch Vorhersagemärkte.

Vorhersagemärkte sind ähnlich wie Börsen gestaltete Marktplätze, auf denen man Vorhersagen auf das Ergebnis bestimmter zukünftiger Ereignisse handeln kann. Dabei können die Preise auf dem Markt als Wahrscheinlichkeitsschätzungen der Ergebnisse interpretiert werden (mehr Hintergrund z.B. in dieser Studie der Uni Arkansas, die zeigt, wie Prognosemärkte angewendet werden können).

Gute Vorhersagemärkte benötigen insbesondere gute Anreiz- bzw. Belohnungssysteme, damit sie gut funktionieren.  Der bisher beste Marktplatz war Intrade, der aber in folge regulatorischer Einschränkungen in den USA dort nicht mehr auftreten durfte und damit seine Geschäftsgrundlage verlor.

Für die Bundestagswahl in Deutschland verfolge ich seit einigen Wochen den Handel auf zwei Wahlbörsen. Mittlerweile habe ich noch die Prognosebörse des Handelsblatt EIX entdeckt und nehme noch die Wahlwette von Spiegel Online dazu. Deren Vorhersagen vergleiche ich in der folgenden Tabelle mit denen jeweils aktuellen Vorhersagen von drei Meinungsforschungsinstituten. Dazu habe ich erstmals meine eigene Prognose erstellt.

Partei PESM
(19.9.)
Wahl-
fieber
(19.9.)
EIX (19.9.) Spon
(19.9.)
Wahl-
o-met (19.9.)
FG
Wahl.
(19.9.)
Emnid
(15.9.)
Infra-
test
(13.9.)
Blick Log Ø
CSU/CSU
37,1 37,7 33,0 37,9 36,6 40 39 40 38,8 37,8
SPD  25,3 25,5 22,5 26,9 21,2 27 26 28 26,3 25,4
FDP 6,7   6,5 5,8 4,5 5,5 5 5 5,5 5,6
Grüne  10,7 9,8 8,9 13,2 11,6 9 10 10 10,2 10,4
Linke  8,9   9,0 7,6 7,1 8,5 9 8 8,3 8,3
Afd 5,2   14,1 3,0 10,9 4 4 2,5 4,3 6,0
Piraten 3,2   2,3 3,3 3,6   3 2,5 3,0 3,0
Sonstige  3,7 26,9 3,7 2,4 4,5 6 4 4 3,7 3,7

 

Keine hier aufgeführten Wahlbörsen kommt von den Bedingungen auch nur annähernd an den verflossenen Handelsplatz Intrade heran, so dass die Prognosen hier eher Spielcharakter haben oder sogar mehr oder wenig bewusst beeinflusst werden könnten. So sind die 14,1% für die AFD auf eix sehr auffällig. Wer das, wie ich, für zu hoch hält, der hätte bei Intrade mit Leerverkäufen dagegen setzen können und zwar mit beliebig hohen Summen. Wer eine Partei künstlich hätte oben halten wollen, hätte dafür sehr viel echtes Geld zahlen müssen.

Quellen für die jeweiligen Prognosen

Weiterer Hintergrund

Die Werte auf den Vorhersagemärkten, das zeigen immer wieder Untersuchungen, erweisen sich aber als aussagekräftigere Schätzwerte für die Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses als traditionelle Umfragen. Einer der ersten Prognosemärkte ist 1988 entstanden: der Iowa Electronic Markets, der vor allem Forschungszwecken der Universität of Iowa dient. Shiller nennt in seinem neuen Buch “Märkte für Menschen” weitere Prognosemärkte: Intrade.com, Lumenogic auf newsfutures.com oder die Foresight Exchange auf ideasphere.com. Auf Intrade griff ich im Blick Log 4 Jahre zurück. Leider ist diese Börse geschlossen. Weitere Vertiefung über diese Beitragsreihe zum Social Forecasting mit vielen Literaturhinweisen

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