Es ist die Zeit, eine Bank zu gründen

by dels on 20. März 2009

Permanent wird von Krise gesprochen, und wir haben uns an einknickende Konzerne und zerbrechenden Banken und Versicherungen gewöhnt. Ich räume ja ein, dass ich für einen Deutschen manchmal die Welt zu positiv sehe. Und das obwohl auch meine Auftragslage und die meiner Kunden besser sein könnte. Aber ich erfreue mich halt an diesem Contrary Opinion-Modus und ein Blog muss ja glücklicherweise nicht auf Ausgewogenheit achten.

Zu den positiven Meldungen passt ein Beitrag von Edward Harrison auf dem geschätzten Blog Credit Writedowns. Er schreibt unter dem Titel  “It’s a great time to start a bank” über neue Bankgründungen in den USA. Er bezieht sich dabei auf einen Artikel des Wall Street Journals.

Trotz der Milliarden-, nein mittlerweile sprechen wir ja von Billionenunterstützung, scheint das klassische Bankgewerbe nämlich nicht zurück in die Spur zu kommen. Die Gründe dafür sind vielfältig und sollen hier nicht nicht Gegenstand der Betrachtung sein. Neben der Stabilisierung der bestehenden Banken will das Wall Street Journal einen neuen Trend ausgemacht haben, nämlich die Neueröffnung von Banken. So hat z.B. die kleine Hanover Community Bank auf Long Island eröffnet.

Und das Institut soll überschwemmt werden mit neuen Kunden. 78 Institute haben nach Angaben der FDIC in den vergangenen 12 Monaten eröffnet. Das klingt viel? Nein, ist es aber nicht, denn in dem gleichen Vorjahreszeitraum waren es 173  bzw. davor 184 Institute. Der Trend ist also stark rückläufig. Dabei könnte sich das Geschäft lohnen. Dies meint zumindest Alt-Notenbank-Chef Alan Greenspan, der heute eine Bank eröffnen würde, wenn er 50 Jahre jünger wäre.

Die Eröffnung einer Bank ist aber weder in den USA noch in Europa und insbesondere in Deutschland mit einem gewöhnlichen Start up zu vergleichen. Neben ausreichender Kapitalausstattung ist eine große Zahl von Genehmigungen erforderlich, um überhaupt den (virtuellen) Schalter eröffnen zu können. Aber möglicherweise ist es in diesen Zeiten einfacher, Kunden zu gewinnen. Viele etablierte Institute habe ihr Vertrauen verspielt und verstecken zumindest vor ihren Kunden weiterhin risikoreiche Anlagen.

Allerdings, so meine Erwartung, wird man mit der einfachen Kopie einer klassischen Bank nicht viel reißen können. Dafür ist mehr erforderliche. Neue Institute müssen zeigen, dass sie aus der Krise gelernt haben. Sie müssen mit neuen Methoden das Vertrauen ihrer Kunden gewinnen. Dazu gehört auch eine neue Form der Transparenz über ihre Leistungen, Risiken und Entgeltstrukturen. Die Zeiten, in denen verwaltetes Vermögen in intransparenten Anlagekaskaden verschwindet, sind vorbei. 

Noch scheint sich die Branche schwer zu tun, wie dieser Beitrag von Matthias Kröner zeigt. Kröner erinnert aber auch, dass es schon zarte Pflänzchen unter der Bezeichnung banking 2.0 gibt. Diese sind wie smava zwar noch klein. Aber aus ihnen könnte schnell ein Baum wachsen, zumal die etablierten Institute nicht aus ihrer Schockstarre erwachen.

Banking 2.0 lässt aber hohe Erwartungen an die wie auch immer geartete Einbeziehung der Kunden entstehen. Dies kann sich keinesfalls auf ein paar Kundenumfragen beschränken oder einem Kontaktformular auf der Homepage . Die Institute müssen lernen, das Web 2.0 zu verstehen und daraus Leistungen zu generieren. Ansätze, wie man Mehrwerte aus der Community ziehen kann, zeigen z.B. Börsenportale wie Sharewise, deren Service ein gutes Beispiel für neue Dimension der Transparenz sein könnte. Smava revolutioniert die Kreditvergabe durch die Delegation der Kreditvergabeentscheidung an die Einleger. Ein sehr interessanter Ansatz. Weitere Geschäftsmöglichkeiten liegen in neuen Instrumenten zum Risikomanagement, wie sie z.B. Robert Shiller in seiner neuen Finanzordnung schon sehr konkret beschreibt.

Dieser kurzer Abriss zeigt schon, dass es tatsächlich Zeit wird, eine Bank zu gründen.

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