Endlich vorbestellbar: „Die Bank sind wir: Chancen und Perspektiven von Social Banking“ von Lothar Lochmaier

by Dirk Elsner on 26. März 2010

Achtung, dieser Beitrag ist voll mit Schleichwerbung. Aber ich mache sie gern, weil ich bereits seit Sommer letzten Jahres das Buchprojekt von Lothar Lochmaier warte. Nun ist das Buch, das unter dem Titel “Die Bank sind wir: Chancen und Perspektiven von Social Banking” erscheint, endlich vorbestellbar bei Amazon. Auch wenn dies ein nicht kommerzieller und werbefreier Blog ist, lege ich heute einmal einen Link auf die entsprechende Seite bei Amazon.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt darauf, weil ich -abseits der 2.0-Hype-Bücher- von Lochmaier eine realistische Einschätzung und Einordnung erwarte, die nicht nur durch Buzzworte glänzt. Lochmaier beschäftigt sich, Leser seines Blogs wissen das, intensiv mit der neuen Finanzwelt und hat dies in sehr kompetenten Beiträgen in Fachzeitschriften und etwa Telepolis schon bewiesen. Er begleitet die neuen Entwicklungen, für die die Zeit wohl endlich reif ist, in seinen Artikeln und seinem Blog zwar wohlwollend aber mit der nötigen kritischen Distanz. Gerade heute hat er in einem Artikel offen gelegt, mit welchen Fragen zur Social Media-Strategie er der Deutschen Bank stellen wollte, die aber leider abgewunken hat.

Im Blick Log durfte ich bereits mehrere Fachbeiträge (siehe unten) von ihm veröffentlichen und habe ihn mittlerweile persönlich kennen gelernt. Ich empfinde seine Einschätzungen als äußerst realistisch. Sympathisch macht ihn, dass er nicht auf der Welle des Banking-Bashing reitet, was der Verkaufszahl des Buches wohl abträglich sein wird. Nahelegen würde ich es auf jeden Fall Vorständen, Führungskräfte und Mitarbeitern in Banken und allen an der neuen Finanzwelt interessierten Menschen.

Apropos Werbung. Für diesen Beitrag gibt es weder eine Provision von Amazon, noch ein Gratisexemplar. Ich habe das Buch ganz regulär vorbestellt, hoffe aber beim nächsten Treffen mit Lothar Lochmaier auf eine persönliche Widmung.

Aus dem Klappentext des Buches

“Autos, Türen und Banken – was haben diese drei Dinge gemeinsam? Man weiß nicht, was sich in ihrem Innenleben oder dahinter verbirgt. Social Banking versucht die „Blackbox“ der unsichtbaren grauen Eminenzen in der Finanzindustrie ans Tageslicht zu holen. Die im Netz regelmäßig aktiven Menschen begnügen sich nicht mehr mit einer Nebenrolle, indem sie kaum darüber Bescheid wissen, was Bank und Staat mit dem Geld ihrer Kunden und Bürger anfangen. Das Internet spielt eine große Rolle als Katalysator im Sinne einer neuen Investmentkultur. Darin stellt der Kunde nicht mehr das passive Opfer von undurchschaubaren finanziellen Transaktionen dar, sondern wird zum aktiven Gestalter seiner Anlageentscheidungen. Die Nutzer organisieren über finanzielle Netzwerke alternative kleine Finanzinseln zum traditionellen Bankwesen, die sich zu einem größeren Mosaik formieren.

Der sonst zur Passivität verurteilte Bankkunde übernimmt somit im Netz selbst die Regie. Mehr noch: Die Nutzer gestalten eigene Bankprodukte vom Design bis hin zu den Vertriebsstrukturen. Ersetzen virtuelle Finanzgemeinschaften künftig die Arbeit von Bankfilialen und Vermögensberatern? Drängen IT-Dienstleister die Finanzinstitute in die zweite Reihe? Welche Erfahrungen machen die Akteure, wenn Menschen den Kapitalfluss über das soziale Medium Internet jenseits von gängigen Wertemustern und Ideologien in die eigene Hand nehmen? Welche Chancen und Risiken schlummern in der neuen Finanzdemokratie, die mehr direkte Einflussnahme, Mitbestimmung und Transparenz verspricht? Wie groß sind die Chancen, das Bankensystem an den konkreten Bedürfnissen der Menschen und der Realwirtschaft zu orientieren, jenseits einer exzessiven und oftmals zerstörerischen Spekulation, von der letztlich nur wenige Spieler in der Verwertungskette profitieren?”

Zum Verständnis von Social Banking

Da der Begriff Social Banking immer noch für Verwirrung sorgt, hier noch einmal mein Verständnis, wie in dieser Woche in einem Blogbeitrag formuliert: Statt einer Definition nennen wir einige konstituierende Merkmale, die wir für wichtig halten.

  • offene und gleichberechtigte Kommunikation der (potentiellen) Kunden untereinander und mit dem Dienstleister
  • hohe Transparenz über Leistungen und Gegenleistungen
  • Gestaltung durch und Mitwirkung der Kunden an den Dienstleistungen (= Kollaboration: kooperative Informations- und Leistungsergänzung)
  • Verbreitung von Informationen in Echtzeit
  • fallbezogene, pragmatische und interaktive Herangehensweise (= Selbstorganisation)

Daneben gibt es einige Autoren, die das “Social” in “Social Banking” in traditioneller Weise interpretieren, um Finanzdienstleistungen zu entwickeln und zu verbessern, damit sich auf eine gewinnbringende Art und Weise die wirtschaftlichen Strukturen von benachteiligten Gebieten, Gruppen und Wirtschaftsbereichen erhalten und fördern lassen (Vgl. Reifner). Auch wenn diese Art des Social Bankings moralisch wünschenswert erscheint, engt diese Betrachtung das neue Banking doch zu sehr ein. Das Social in Social Media wird daher von den meisten Akteuren nicht im Sinne von “sozial” und damit “moralisch gut” interpretiert, sondern im Sinne von gemeinsamen Handeln[2]. Social Banking lässt sich daher eher als eine Philosophie verstehen, die Menschen mit ihren Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellt, ohne dabei die Eigeninteressen des Dienstleisters zu verstecken.

Banking 2.0 steht erst am Anfang einer Entwicklung und ist ein “Work in Progress”. Es gibt heute nicht DAS Geschäftsmodell für Banking 2.0. Nichts mit Banking 2.0 zu tun haben nach unserer Auffassung Vorschläge, Werbeslogans über Web-Communities oder via Facebook und Twitter zu verbreiten. Hier werden lediglich Botschaften über zusätzliche Kommunikationskanäle versendet. Die oben genannten konstitutiven Merkmal fehlen aber, wenn etwa Rückkanäle nicht aktiv genutzt werden.

Gastbeiträge im Blick Log von Lothar Lochmaier

Peter Kruse im Gespräch: Banken sind in der “Vertriebskrise” – triviale Kundensegmentierung out

Commerzbank reloaded: Wie eine neue Online-Marke (ohne Kundenbeteiligung) entsteht

Enterprise 2.0: Genossenschaften made by digital natives

Lothar Lochmaier auf einem Panel der CeBIT/Webciety 2010

Viele weitere Blogbeiträge von Lothar Lochmaier sind auf der Seite Trends im Banking 2.0 zusammen gestellt.

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