Hypo Real Estate: Skandal liegt nicht in Bonizahlungen, sondern in “Bewertungsverschleierung” und Gläubigerbevorzugung

by Dirk Elsner on 5. Oktober 2010

Die ehemaligen und aktuellen Verantwortlichen in und für die Hypo Real Estate dürften derzeit ihre Freude an der aktuellen Bonidebatte haben, denn die überdeckt in der medial geführten Debatte den eigentlichen Skandal für uns Steuerzahler, nämlich die Bevorzugung der Gläubiger und die Verschleierung der Bewertung und damit der Risiken, die der Bund trägt. Die Debatte um die Aufweichung der Bonivorgaben für staatlich gestützte Kreditinstitute stellt ein außerordentlich untergeordnetes Problem dar im Vergleich zur der Bewertungsproblematik der Bank und der Begünstigung der Gläubiger der HRE.

Der Blick Log hatte in einem Beitrag über die Hypo Real Estate angemerkt, dass keine verlässlichen Angaben über die in die Bad Bank übertragenen Werte (vulgo Risiken) vorliegen. Die Hypo Real Estate hat den in die “FMS Wertmanagement” genannte Bad Bank übertragenen Anleihen, Kredite, CDOs, ABS-Paketen etc. ein Preisschild umgehängt und darauf 173 Mrd. Euro geschrieben (siehe dazu Pressemeldung der HRE).

Niemand ist derzeit offenbar bereit zu erläutern, wie diese Zahl ermittelt wurde. Je nach Bewertungsmethode könnte man nämlich für die sich hinter den 173 Mrd. verbergenden über 12.500 Einzelpositionen aus fast 70 Rechtsräumen zu deutlich niedrigeren (oder vielleicht sogar höheren?) Wertansätzen kommen. Zu diesen Positionen sind übrigens noch die Derivate zu addieren, über die die HRE keine genauen Angaben in der mageren Pressemeldung gemacht hat.

In diesem Zusammenhang drangen am Wochenende Details an die Öffentlichkeit, die man wohl lieber verschwiegen hätte. Nach einem Bericht auf Handelsblatt.com hatte die  Nachrichtenagentur Reuters “Details aus einem Soffin-Papier für das geheim tagende Finanzmarktgremium des Bundestages verbreitet. Konkret geht es um Risiken im HRE-Immobilien-Kreditbuch. Demnach sei bei 36 Prozent des HRE-Kreditvolumens in der Kernsparte Immobilienfinanzierung seit über drei Jahren keine Neubewertung der Sicherheiten mehr erfolgt. Bei anderen befragten Banken liege dieser Anteil nur bei zwölf Prozent. Der Soffin bezifferte laut dem Papier das HRE-Kreditvolumen in der gewerblichen Immobilienfinanzierung zum 31. März auf 45 Milliarden Euro. Als Gründe für die verschleppte Neubewertung der Sicherheiten nennt die Behörde demnach die unzureichende Personaldecke der HRE und eine IT-Umstellung.”

Wenn das richtig ist, was in diesem Papier vermittelt wird, dann sieht dies nach einem glatten Verstoß gegen die Mindestanforderungen an das Risikomanagement einer Bank und die Bewertungsvorschriften, insbesondere IAS 39 aus. Bemerkenswert ist, dass in dem im Geschäftsbericht 2007 der Hypo Real Estate zu findenden Risikobericht (ab S. 71) und in den Notes keine Hinweise zu finden sind, dass man Probleme mit den Impairment-Tests hat. Ausriss aus dem Risikobericht:

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Warum ist die Bewertung so wichtig? Von der richtigen Bewertung hängt die Einschätzung darüber ab, wie hoch das tatsächliche Risiko ist, das die FMS Wertmanagement und damit der Bund, also letztlich wir Steuerzahler tragen.

Aus meiner Sicht wird die Öffentlichkeit in die Irre geführt, wenn man behauptet, die übertragenen Vermögensgegenstände lassen sich nicht vernünftig bewerten. Hinweise auf personelle Engpässe oder eine IT-Umstellung sind zwar nachvollziehbar, freilich lassen sich solche Probleme in drei Jahren beheben, zumal am Markt entsprechendes Know-how vorhanden ist. Die dafür notwendigen Kosten sind ein Witz im Vergleich zu den kollektiven Risiken. Hier liegt der Verdacht Nahe, die Verantwortlichen der HRE hatten gar kein Interesse an einer objektiven Bewertung.

Journalisten, die sich mit der HRE befassen würde ich raten, sich nicht ausschließlich auf die ermüdenden “Boniskandale” zu konzentrieren. Für die Verantwortungsträger sind dies willkommene Ablenkungsmanöver. Die Fragen zur Bewertung und der sehr einseitigen Begünstigung der Gläubiger (siehe dazu Hypo Real Estate erhöht heute Deutschlands Staatsverschuldung um 8% und die Altgläubiger feiern still) sind deutlich relevanter und können für die Steuerzahler viel teurer werden.

Nachtrag v. 8.10.10

Man achte einmal darauf, was zur Bad Bank der WestLB veröffentlicht wurde: „Im ersten Zahlenwerk einer deutschen Bad Bank steht unter dem Strich ein Verlust von gut einer Milliarde Euro, damit ist schon ein Drittel des Eigenkapitals verbraucht.“  Offenbar bewertet die Erste Abwicklungsanstalt, so heißt die Bad Bank der WestLB, jetzt ihre Vermögensbestände „richtig“ (weitere Details dazu am 8.10.10 im Handelsblatt unter dem Titel: Überlebenskampf: Die dubiosen Tricks der WestLB)). Es wäre jedenfalls nicht verwunderlich, wenn wir bei der FMS den gleichen Effekt in einigen Wochen beobachten und sich in den nächsten Monaten und Jahren weitere hohe Verluste anhäufen.

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