Impressionen zur Umschuldung light für Griechenland und den „Schmerzen“ der Banken

by Dirk Elsner on 24. Juli 2011

Die große Umschuldungswoche mit vielen Reaktionen auf den bisher nicht konkretisierten Plan zur Restrukturierung der griechischen Schulden ist vorbei. Eine wirkliche Analyse der Vereinbarung mit den Wirkungen im Details ist derzeit kaum möglich, dafür ist der Beschluss zu unkonkret und muss erst durch weitere Vereinbarungen mit Inhalten gefüllt werden. Dennoch ist Zeit für ein paar Impressionen.

Da fiel mir zunächst ein Titel in der FAZ auf. Eurogruppen-Chef Juncker sagte nach Angaben der Zeitung, dass die Zeit des Schnürens kleiner Päckchen alle paar Monate vorbei sei: „Das ist das letzte Paket“. Das ist übrigens der gleiche Herr Juncker, der noch vor einigen Wochen aufgefallen ist mit dem Zitat: “Wenn es ernst wird, muss man lügen”.

Die gleiche Glaubwürdigkeit genießt die Aussage von  Nicolas Sarkozy, den ebenfalls die FAZ mit Blick auf die Bankenbeteiligung zitiert: „Das machen wir nur für Griechenland, wir werden es für kein anderes Land der Euro-Zone machen. Wir sagen klar und deutlich, dies ist ein Sonderfall.“ Ist schon klar.

Genau so wenig glaubwürdig sind die Banken und Versicherungen, die ihren “freiwilligen Beitrag” zur Rettung Griechenlands als schmerzhaftes Opfer darzustellen versuchen. Da wäre es doch besser gewesen, einfach einmal gar nichts zu sagen, wie man das sonst gewohnt ist aus dem Finanzsektor, wenn es um kritische Entwicklungen geht. Ich warte immer noch eine plausible Erklärung, warum der Finanzsektor, der auf eigenes Risiko einem Land Geld geliehen hat, glaubt einen Anspruch darauf zu haben, dass ihm die Steuerzahler dieses Risiko abnehmen. Natürlich sind die Banken und Finanzmärkte, die großen Gewinner des Deals, wie Gerald Braunberger in einem Kommentar für die FAZ feststellt.

Aber der Legendenbildung von der Großzügigkeit des Finanzsektors wird sonst wenig entgegengesetzt. Im Gegenteil, das Handelsblatt lässt sich als Pressestelle der Commerzbank einnehmen und übernimmt nahezu unkommentiert die Chuzpe der Commerzbank:

“Die Commerzbank will sich an der Rettung Griechenlands beteiligen. „Das neue Rettungspaket für Griechenland ist ein wichtiger Beitrag zur Beruhigung der Märkte. Die Commerzbank ist selbstverständlich bereit, sich an dem Lösungspaket zu beteiligen“, sagte ein Sprecher der teilverstaatlichten Bank.”

Wenn die Düsseldorfer wenigsten das “freiwillig” in Anführungszeichen gesetzt oder am Ende auf das Prinzip der Gläubigerhaftung hingewiesen hätten. In die gleiche Kerbe haut auch Klaus-Peter Naumann Vorstandssprecher des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW). Denn das, was von den Banken und Versicherern „freiwillig“ abverlangt wwrd, so zitiert ihn die FTD, würden sie unter normalen Umständen niemals tun. Und diese Zugeständnisse würden auch in der Bewertung berücksichtigt. „Wir müssen nach heutigem Stand von einem Zwang zu Abschreibungen ausgehen“, betonte Naumann.

Da kann man heute Hans-Werner Sinn antworten lassen, der in einem Interview heute mit der FAS (nur Print) sagte:

„Die sogenannte Gläubigerbeteiligung ist eine Farce. Schon der Begriff zeigt eine gewisse Verwirrung der Diskussion. Die Frage ist doch nicht, ob die Gläubiger beteiligt werden, sondern ob die Steuerzahler beteiligt werden. Es handelt sich bei Staatsanleihen um einen privatwirtschaftlichen Vertrag zwischen privaten Gläugibern und Staaten. Wenn die Staaten nicht zurückzahlen können, hängen die Gläubiger drin. Da stellt sich vielleicht die Frage, ob die Steuerzahler den Gläubigern aushelfen und sich beteiligen sollen. Aber nicht, ob man die Gläubiger beteiligen soll – so, als könnte man sie vielleicht auch nicht beteiligen.“

Damit fasst er das gut zusammen, was ich vor einigen Wochen in dem Beitrag: „Wenn Du ein Gläubiger bist, dann bist Du ein Gläubiger. Ausnahme, Du bist eine Bank“ geschrieben habe. Barbara Schäder und Frank Bremser lassen sich ebenfalls nicht blenden: In der FTD schreiben sie über die “Gewinner und Verlierer der Griechenland-Einigung”:

“Hätten die Banken keinen Beitrag zugesagt, hätte sich die Debatte über ein neues Hilfsprogramm für Griechenland allerdings noch länger hingezogen – mit potenziell fatalen Folgen für die Geldhäuser. Im Extremfall hätten die Verhandlungen ganz scheitern und Griechenland pleite gehen können – dann wären die Banken auf weitaus größeren Forderungen sitzen geblieben.

Die Geldhäuser hätten natürlich das Pokerspiel der vergangenen Wochen fortsetzen und darauf hoffen können, dass die Politik das zweite Griechen-Rettungspaket allein mit Steuergeldern finanziert. Eine Verlängerung der Verhandlungen wäre aber auch für die Geldhäuser riskant gewesen. Denn das Gezerre um die Griechen-Hilfen versetzte die Märkte in Angst und Schrecken und ließ Anleger sogar aus italienischen Staatsanleihen flüchten.“

Tatsächlich erwarteten die Märkte ein deutlich geringeres Entgegenkommen der Euro-Zone. Und so stellt die Zeit richtig fest:

“Banken, die ihre Anleihen bereits auf Marktwert abgeschrieben haben, dürften damit sogar einen Gewinn machen. Und für die neuen Instrumente, so zumindest muss man eine entsprechende Erklärung des Internationalen Bankenverbands verstehen, garantiert faktisch der europäische Rettungsfonds.”

Zeigen kann man das am Beispiel der Kursentwicklung einer Griechenland-Anleihe mit sechs Jahren Restlaufzeit

image

Tatsächlich kann man also hier mit Jens Berger auf den NachDenkSeiten nur vom großen Bluff Ackermanns sprechen. Im Blick Log hatte ich Anfang Juli bereits vom großen Kino des Herrn Ackermanns geschrieben. Die Wirkung auf die Bankbilanzen habe ich in diesem Beitrag skizziert.

Previous post:

Next post: