Wann kommt der echte Haircut for Griechenland und der nächste Bailout für die Banken?

by Dirk Elsner on 12. September 2011

Diesen Artikel beginne ich zu einem Zeitpunkt, wo heftig darüber spekuliert wird, nicht ob, sondern wann es zu einem echten Schuldenschnitt für Griechenland kommt. Getrieben wurde dies Diskussion Ende vergangener Woche vor allem aus dem angelsächsischem Raum, wie etwa vom Business Insider, Zero Hedge und dem Blog der FT Alphaville:

Am Wochenende gaben auch deutsche Wirtschaftsmedien ihre Zurückhaltung auf.

Ob es glaubwürdig ist, dass in Deutschland sogar bereits ein Bailout deutscher Banken in Vorbereitung ist, wie der Business Insider schreibt, weiß ich nicht. Die weniger schrillen Wirtschaftsmedien (WSJ, NYT, FT) machen mit einem potentiellen Bailout für europäische Banken jedenfalls nicht auf. Ausschließen sollte man solche Vorbereitungen jedoch nicht. Und es wäre freilich besser, wenn sie in dieser Marktlage nicht bekannt werden.

 

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Damals hofften viele Inhaber von Griechenlandanleihen vom Bailout der EU zu profitieren. Freilich lag im Juli nur ein grobes Konzept vor, dass bisher noch nicht umgesetzt ist. Siehe zu den damaligen Beschlüssen, die jetzt eigentlich umzusetzen wären:

Griechenland selbst hätte die Umtauschkonditionen freilich nicht wirklich entlastet, was damals bereits insbesondere in den Wirtschaftsblogs kein großes Geheimnis war. Die offiziellen Umtauschkonditionen sehen zwar eine Streckung der Anleihen und einen Minihaircut vor, aber eine signifikante Befreiung von den Zins- und Tilgungsverpflichtungen hätte das nicht gebracht. Allenfalls wären die Konditionen besser als die gegenwärtigen Marktbedingungen gewesen. Für die Anleger wäre dagegen dieser Schuldenschnitt “light” ein guter Deal gewesen.

Der echte Schuldenschnitt muss kommen

Ich glaube daher weiterhin, Griechenland will es auf einen echten Haircut heraus laufen lassen, kann dies aber so nicht offiziell sagen und versucht nun mit einer  Immobiliensteuer dem Druck zu widerstehen. Das Land könnte aber mit einer „geplanten“ Insolvenz deutlich besser fahren, als mit den Ende Juli beschlossenen Hilfsmaßnahmen, deren Voraussetzungen bisher weder von Griechenland, von den Investoren noch den Ländern der Eurozone erfüllt sind. Und die Meldungen aus Griechenland lassen erwarten, dass wirkliche Besserung nicht in Sicht ist. Ungewohnt offen räumte die griechische Regierung ja am Wochenende ein, dass die griechische Wirtschaft noch stärker als erwartet schrumpft. Das wird begleitet von dem üblichen Geschrei wie dem Schimpfen über den hässlichen Deutschen. Irgend jemand anders muss ja Schuld sein.

Unbekannte Folgen eines Haircuts für das Finanzsystem?

Ich will mich jetzt hier nicht wiederholen. Am vergangenen Mittwoch erst habe ich geschrieben, warum wir den echten Schuldenschnitt für Griechenland aushalten sollten. Wir sollten uns jetzt mehr auf die Frage konzentrieren, was bedeutet dieser Haircut:

  1. für das europäische Bankensystems?
  2. für andere Schuldnerländer?

Sehr wahrscheinlich ist es, dass der Zahlungsausfall Griechenlands zu Problemen bei einigen Banken führen könnte, wenn sie zu hohe Griechenlandpositionen halten und die bisher nicht korrigiert haben. Hier wird man tatsächlich über einen Bailout oder vielleicht sogar über eine Abwicklung reden müssen.

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