Druck auf den roten Knopf: Uups, Kreditausfallversicherungen müssen doch zahlen

by Dirk Elsner on 10. März 2012

imageEigentlich gibt es ja hier am Samstag keine Beiträge. Aber gestern war ja angeblich Roter-Knopf-Tag bei der ISDA in London. Ich kann es ja wirklich nicht mehr hören und lesen: Diese Diskussion um die angeblichen “Massenvernichtungswaffen der Finanzmärkte”, der Credit Default Swaps. Jetzt hat auch der Branchenverbandes ISDA sein eigenes Regelwerk mit Hilfe externer Anwälte interpretiert und kapiert, dass Griechenland nicht so zahlt, wie vereinbart (Klick das Bild, um die ISDA Entscheidung im Original zu lesen). Normalerweise sollte das nur ein winziger Schluckauf sein, die Finanzbranche macht aber zusammen mit der Wirtschaftspresse und den Blogs einmal mehr großes Kino daraus. Nun wird erneut gezittert, weil jemand auf den “roten Knopf” (Barbara Schäfer von der FTD) gedrückt hat.

Die Spannung rührt bekanntlich daher, weil man nicht so genau weiß, welche Konsequenzen eigentlich ein solcher Versicherungsfall hat. Tatsächlich vermitteln die beteiligten Parteien den Eindruck aufgeregter Jungs, die im trockenen Unterholz mit Feuer gespielt haben und sich nun über einen Brand wundern.

Das Theater wirkt so absurd, weil bei einer seriösen Versicherung nach einem Feuerschaden nicht darüber diskutiert wird, ob es eigentlich gebrannt hat. Aber genau darum geht es nun. Im Handelsblatt ist zu lesen:

“Bei den Plänen zur griechischen Umschuldung war bisher alles daran gesetzt worden, dass Kreditausfallversicherungen nicht fällig werden. Es ist aber unklar, welche Folgen die ISDA-Entscheidung nun tatsächlich hat, da niemand weiß, welcher Investor nun Kreditausfallversicherungen besitzt und welche weiteren Effekte eintreten können. Wegen nicht absehbarer Folgen für Finanzinstitute und -märkte wurde bisher alles daran gesetzt, dass diese Versicherungen nicht fällig werden.”

Und nun gehen die endlosen Diskussionen wieder los: Unabsehbare Folgen, Hohe Risiken, Intransparenz? Bei älteren Semestern klingelt es da sofort. Da war doch einmal was. Genau, Lehman Pleite und Beinahepleite AIG 2008. Auch damals ging es um Credit Default Swaps. Und im Anschluss daran waren sich Politiker, Aufsichtsbehörden und Banken einig, der Markt müsse reguliert werden. Im Archiv des Handelsblatts habe ich z.B. diesen Artikel gefunden: “Mehr Sicherheit für Kreditderivate”. Hätte man die damals vorgesehen Absicherung des Gegenparteirisikos bereits eingeführt (soll erst Ende 2012 kommen) und zumindest für die Aufsichtsbehörden entsprechende Markttransparenz, dann würde man jetzt nicht zittern brauchen.

Ich höre jetzt schon die “Experten” und Politiker nach Forderungen die CDS-Märkte zu regulieren. Ich frage mich nur, warum wurden die Ansätze von 2008 und 2009 nicht weiter verfolgt? Ich frage mich auch, warum man aus dem Basel II-Desaster nicht lernt. Erst die Finanzmarktregulierung Basel II, die Banken sicher machen sollten, hat das Spiel mit den Credit Default Swaps attraktiv gemacht.

Aber noch einmal: Ich bin gegen ein Verbot der Credit Default Swaps. Ein Verbot halte ich für problematisch, weil man keinem Kapitalgeber die Form der Absicherung vorschreiben kann. Beantrage ich für ein Unternehmen einen Kredit, dann verlangt eine Bank in der Regel ebenfalls Kreditsicherheiten, wie etwa eine Bürgschaft. CDS sind eigentlich ein 0815-Produkt, nämlich wirtschaftlich (nicht juristisch) eine Bürgschaft: Gezahlt wird bei Ausfall bzw. Bonitätsverschlechterungen. Der Vorteil eines CDS ist, hier steht ein mehr oder weniger genauer Marktpreis dran und er kann im Gegensatz zu den Kreditversicherungen von Euler-Hermes oder Atradius munter gehandelt werden, theoretisch zumindest.

Problematisch an den Produkten, die hauptsächlich unter Banken, Hedgefonds und Kapitalsammelstellen gehandelt werden, ist die große Intransparenz des Marktes. Wer aber eine Kreditversicherung kauft, der sollte ganz sicher sein, dass der Versicherungsgeber auch tatsächlich im Ernstfall zahlen kann. In jedem Fall sind weder Versicherungsgeber noch Versicherungsnehmer schutzbedürftig. Wichtig ist daher, dass es in gar keinem Fall einen Bailout für den Fall geben darf, wenn der Versicherer, wie im Fall AIG, nicht zahlen kann. Solange sich die Beteiligten auf einen Bailout verlassen können, wie bei AIG, wird man das hohe Moral Hazard Risiko nicht in den Griff bekommen. Allerding scheint es auch jetzt bereits wieder zu einer Bankenhilfe gekommen zu sein, glaubt man einer Meldung bei Bloomberg: Austria Faces $1.3 Billion Bank Injection After ISDA Triggers Greek CDS.

PS

Die Aufregung wird möglicherweise am Montag bereits vergessen sein, denn dramatisch haben die Finanzmärkte bisher nicht reagiert. 

Hier Beiträge zum Hintergrund über Credit Default Swaps

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