Sedlacek: “Wissenschaftliche und ökonomische Modelle spielen eine ähnliche Rolle wie Mythen”

by Dirk Elsner on 2. August 2013

Ich lese gerade das Tomas Sedlacek Buch “Ökonomie von Gut und Böse”, eine sehr empfehlenswerte Lektüre, insbesondere, wenn man sich mit den Grundlagen ökonomischen Denkens befassen will. Sedlacek nimmt auch die mathematischen Modelle der Ökonomen aufs Korn. In dem Abschnitt über die Descartes liefert er eine einprägsame Ergänzung zu Paul Krugmans Instrumentalisierung der Ökonomie für die Austeritätspolitik und meinem Beitrag über den Mythos Neoklassik

“Trotz der Fehler bei ihren Grundlagen wurde die kartesianische wissenschaftliche Methode zum hauptsächlichen Modus Operandi des ökonomischen Mainstream-Denkens von heute. Wir haben in der Ökonomie Ähnliches erlebt. Systeme mit inneren Widersprüchen, die zum Teil im Konflikt mit der Realität stehen und häufig auf bewusst völlig unrealistischen Annahmen beruhen und zu extrem absurden Schlüssen kommen, werden trotzdem erfolgreich angewendet. Diese Systeme scheinen ihre Langlebigkeit nicht ihrer Unfehlbarkeit oder ihrer logischen Konsistenz zu verdanken, sondern dem Fehlen eines besseren Systems.

Die ökonomischen Modelle werden somit nicht auf Grundlage ihrer größeren oder geringeren Wahrheit akzeptiert (ihre Attraktivität steigt allerdings zweifellos, wenn sie der Realität entsprechen), sondern vielmehr auf Grundlage ihrer Glaubwürdigkeit, Eignung, Überzeugungskraft oder Übereinstimmung mit unserem internalisierten Glauben an das Funktionieren der Welt (das heißt, mit entlehnten oder ererbten Paradigmen oder, wenn man so will, Vorurteilen). Die wissenschaftlichen und ökonomischen Modelle spielen eine ähnliche Rolle wie die Mythen, bei denen einer den anderen verdrängt oder vernichtet.”

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