Bundestagswahl 2013: Prognosen der Wahlbörsen

by Dirk Elsner on 18. August 2013

Genau fünf Wochen sind es bis zur Bundestagswahl 2013. Ich bin in diesem Jahr weit davon entfernt, vom Wahlfieber oder gar Spannung gepackt zu sein. Und ich stehe unter dem Eindruck, damit nicht allein zu sein.

Aber das soll heute nicht das Thema sein. Ich möchte erstmalig für die Wahl schauen, was denn die Prognosebörsen so erwarten. Bei der letzten Bundestagswahl waren ihre Vorhersagen besser als die der großen Vorhersageinstitute. Und auch bei der US-Präsidentschaftswahl lagen sie so gut, dass die Hauptüberraschung der Wahlnacht im November vergangenen Jahres darin lag, dass es keine Überraschung gab.

Für die Bundestagswahl muss ich mich erst einmal orientieren und schauen, ob und welche Prognosebörsen es denn eigentlich gibt. Auf Prognosemärkten spiegeln die Preise die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines bestimmten Ereignisses wider bzw. die Stimmenanteile in Prozent. Die Werte auf den Vorhersagemärkten, das zeigen immer wieder Untersuchungen, erweisen sich als aussagekräftigere Schätzwerte für die Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses als traditionelle Umfragen, wenn ein paar Voraussetzungen vorliegen (siehe dazu unten die Hintergründe).

Für den deutschen “Markt” habe ich für diese Wahl bisher leider 2 Wahlbörsen entdeckt.

  1. PESM: Prgnosys Electronic Stock Markets. Die PESM wird als Echtgeldbörsenplatz betrieben, was ein wichtiger Hinweis auf gute Qualität der Vorhersagen ist.
  2. Daneben gibt es noch Wahlfieber, wo mit “Spielgeld” auf den Wahlausgang gesetzt wird. Ich kann auch nicht erkennen, dass es irgendeine andere Belohnung gibt. Das mindert die Aussagekraft dieser Börse. Außerdem werden bei Wahlfieber neben CDU und SPD nur noch die Grünen gelistet. Alle übrigen Parteien verschwinden in den Sonstigen. Das gefällt mir nicht. Daher habe ich in der Spalte Wahlfieber die fehlenden Werte durch die gleichen Werte von PESM ersetzt.
  3. Weiter gibt es noch das Wahl-o-meter mit einer angeblich “innovativen politischen Stimmungsprognose” auf Basis von Social Media-Meldungen. Das Wahl-o-meter lasse ich mal außer Konkurrenz mitlaufen. Es wird berechnet aus den Nennungen der Parteien und der Namen ihrer wichtigsten Politiker auf Twitter. Das klingt zwar interessant, überzeugt mich aber nicht.

Hier die erste Zusammenfassung, wobei der Schnitt nur aus PESM und Wahlfieber berechnet ist:

Partei PESM wahlfieber Schnitt wahl-o-
meter
2009
 CDU/CSU  36,92 38,14 37,53 34,90 33,8
 SPD  24,2 24,4 24,30 23,50 23
 FDP  7,06 7,06 7,06 4,40 14,6
 B90/Gruene  12,4 13,05 12,73 12,00 10,7
 Die Linke  7,01 7,01 7,01 6,40 11,9
AfD 5,38 5,38 5,38 10,70  
Piraten 3,57 3,57 3,57 3,90 2
 Sonstige  3,15 1,81 2,48 3,20 4

Quellen: PESM, Wahlfieber, Election.dewahl-o-meter.com jeweils v. 17.8.13

Hintergrund

Die Werte auf den Vorhersagemärkten, das zeigen immer wieder Untersuchungen, erweisen sich aber als aussagekräftigere Schätzwerte für die Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses als traditionelle Umfragen. Einer der ersten Prognosemärkte ist 1988 entstanden: der Iowa Electronic Markets, der vor allem Forschungszwecken der Universität of Iowa dient. Shiller nennt in seinem neuen Buch “Märkte für Menschen” weitere Prognosemärkte: Intrade.com, Lumenogic auf newsfutures.com oder die Foresight Exchange auf ideasphere.com. Auf Intrade griff ich im Blick Log 4 Jahre zurück. Leider ist diese Börse geschlossen.

Weitere Vertiefung über diese Beitragsreihe zum Social Forecasting mit vielen Literaturhinweisen

Previous post:

Next post: