Prokons Insolvens: Nervende Forderung nach Finanzmarktregulierung und Besserwisser

by Dirk Elsner on 27. Januar 2014

Eigentlich gehört die Insolvenz der Prokon Regenerative Energien GmbH zu den Fällen, über die schon fast alles gesagt oder geschrieben wurde. Der Fall folgt den üblichen Mustern bzw. Verlaufszyklen im Krisenmanagement. Ich hatte das bereits vor vier Jahren hier im Blog skizziert. Dort kann man auch lesen, wie es in den nächsten Wochen und Monaten weitergehen könnte, denn ein Insolvenzverfahren muss nicht das Ende sein. Es kann aber noch dicker kommen für den Gründer und Inhaber Carsten Rodbertus, wenn festgestellt wird, dass bilanzielle Risiken verschleiert wurden.

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Eine neue Gewitterfront nähert sich dem Kapitalmarkt
Quelle: eigenes Foto

 

Während die “Freunde von Prokon“ weiter an das Konzept glauben haben bereits erste Investoren Interesse an Prokon haben, wie das Handelsblatt schreibt. Für die Inhaber der Genussscheine ist das allerdings nicht unbedingt eine gute Nachricht, denn (potenzielle) Käufer werden sich sehr genau die immer noch nicht testierten Bilanzen anschauen und in einer Due Diligence checken wollen, wie werthaltig tatsächlich noch das Unternehmen ist. Vorhersehbar ist daher, dass sie große Risikoabschläge (vulgo Abschreibungen) auf die Anlagen des Unternehmens vornehmen werden. Dies hat entsprechend negative Konsequenzen für die Genussscheininhaber, denn die Genussscheine befinden sich im so genannten Nachrang.

Aber das will ich hier gar nicht vertiefen, denn mir geht es um einen Aspekt, den ich bereits vergangenen Montag befürchtet habe. Die Pleite wird skandalisiert und von der Politik ausgeschlachtet. Die Bundesregierung, so das Wall Street Journal, will nach der Insolvenz des Windkraftfinanzierers ihre Arbeiten zur Stärkung des Verbraucherschutzes im Finanzbereich beschleunigen.

Das ist wieder eine typische und vorhersehbare Reaktion. Je lauter der (mediale) Rabatz, desto sicherer ist, dass Politiker Konsequenzen fordern, mit denen sie sich profilieren können. Die Regierung hält ihre schützende Hand über das Volk, das angeblich nicht weiß, was es tut, wenn es sich aus wohlmeinenden Gründen an ökologischen Projekten beteiligt. Die Geisteshaltung dahinter fasst Michael Schulte in seinem Blog gut zusammen:

“Risiko ist schlecht und muss verboten werden ! Der Bürger muss vor sich selber geschützt werden ! Der liebe Staat weiss schon, was gut für Dich Bürger ist ! “

In Deutschland hält sich hartnäckig der Mythos von der risikofreien Kapitalanlage und dem Homo Oeconomicus, der vollkommen informiert ist und perfekt in die Zukunft sehen kann. Jede große Pleite ist daher ein Drama, das als vermeidbar angesehen wird, wenn nur der Staat vorher richtig drauf geschaut hätte.

Justizminister Maas fordert mehr Regulierung für den grauen Kapitalmarkt. Dagegen appelliert Finanzminister Wolfgang Schäuble an die Eigenverantwortung der Verbraucher. Ob wirklich die Bundesregierung riskante Finanzprodukte verbieten will, wie die Süddeutsche schrieb, glaube ich nicht. In der Konsequenz würde das ja heißen, private Anleger vor höheren Erträgen auszusperren. Und weil es genau genommen gar keine risikofreien Kapitalanlagen gibt, müsste die Regierung künftig Oma Stopka erlauben, ihr Geld bei der EZB anzulegen.

Wahrscheinlich kommen jetzt so unsinnige Vorschläge, wie die Verkaufsprospekte auch qualitativ von der BaFin bewerten zu lassen. Bisher schon prüft die BaFin, ob Verkaufsprospekte sämtliche gesetzlichen Mindestangaben (und die sind umfangreich) enthalten und die Inhalte kohärent sowie verständlich sind. Die inhaltliche Richtigkeit der im Prospekt gemachten Angaben ist dagegen nicht Gegenstand der Prüfung eines Verkaufsprosprospekts.

Bereits heute sind die Anforderungen aus dem Vermögensanlagengesetz und der Vermögensanlagen-Verkaufsprospektverordnung so umfangreich, dass dies sinnvolle Finanzierungen auch im Crowdfunding-Segment deutlich erschwert. Es wäre ein noch großerer Unsinn, wenn eine staatliche Stelle Kapitalanlagen qualitativ prüfen würde. Wie sollte das gehen? Das bedarf einer möglichst objektiven Kriterienliste, mit der man eine gute von schlechten Investitionen unterscheiden könnte. Ich würde den Wirtschaftsnobelpreis vorschlagen, wenn eine solche Liste entwickelt würde, die dann auch noch treffende Vorhersagen macht.

Anscheinend stört das aber tatsächlich nur Michal Mr. Market Schulte und mich. Michael schreibt weiter:

“Nach der Logik, nach der riskante Finanzprodukte für private Anleger zu verbieten sind, hätte dann aber keine deutsche Privatperson bei Tesla Motors investieren dürfen. Weil das liebe Justizministerium und/oder die Bafin “weiss” ja, dass das riskant ist. Ich lache mich tot ! Mit Verlaub, der ganze Gedankengang ist absurd. Und wenn er wirklich ernst gemeint sein sollte und nicht nur von der Süddeutschen verdreht oder übertrieben dargestellt wurde, müsste man sich ernsthaft die Frage stellen, ob man im Angesicht solcher Verantwortlichen, nicht schnellstens aus diesem Land auswandern sollte.”

Möglich, dass weitere verschärfte Anforderungen den einen oder anderen Anleger schützen vor einer schlechten Investition. Mit Sicherheit wird dies aber auch dazu führen, dass einige gute Investitionen gar nicht auf den Markt gelangen, weil das Prozedere für die Kapitalbeschaffung viel zu kompliziert und damit zu teuer geworden ist. Das wiederum dürfte die Banken freuen, denn dann kommen die Unternehmen wieder zu ihnen, um sich zu finanzieren. Daher ist es kein Wunder, dass die privaten Banken die Initiative des Bundesjustizministers zum Grauen Kapitalmarkt begrüßen.

Ich sehe keinen Regulierungsbedarf. Die gegenwärtigen Gesetze reichen vollkommen aus. Der Fall Prokon macht vielmehr erneut deutlich machen, dass egal welches Label eine Kapitalanlage trägt und wer auch immer diese empfiehlt, es stets Risiken gibt. Über diese Risiken konnte man bereits beim Blick das Kleingedruckte der Verkaufsunterlagen Prokons viel erfahren. Michael ergänzt außerdem, was ich für richtig halte:

“Die Verbraucher sind nicht vor Risiko zu schützen, sie sind vor Betrug zu schützen ! Denn Risiko hat seinen Preis und das ist gut so. Wer ein sehr riskantes Investment anbietet, muss für den Erfolgsfall eine viel höhere Rendite anbieten, als jemand mit einer vergleichsweise sicheren Anlageform. …

Die entscheidende Frage ist also nicht, wie riskant eine Anlage ist, sondern ob diese Risiken angemessen und vollständig dargestellt wurden. Und wenn das mit Vorsatz nicht passiert, dann darf man das Wort “Betrug” in den Mund nehmen und davor ist der Bürger tatsächlich zu schützen, nicht aber vor Risiko !“

Bevor ich es vergesse: neben den Gutmenschen und Regulierungsverfechtern gibt es noch die Fraktion der Besserwisser, die die Anleger mit Häme überschütten und der Gier bezichtigen und (wie etwa die TAZ schreibt) meinen, die Anleger hätten das Hirn ausgeschaltet. Kann nicht auch mal jemand über die Investoren schreiben, denen das Risiko ganz bewusst war und die verstehen, dass bei 8% Zinsversprechen ein höheres Risiko bedeuten kann, dass Teile der Anlage ausfallen können? Ach so, über die kann man nicht schreiben, weil das langweilig ist und niemanden interessiert.

Ich bleibe bei meiner Auffassung, dass wir in Deutschland ein gestörtes Verhältnis zu Kapitalanlagen haben, so lange wir so viel Wind um eine Pleite machen.

PS

Sehr lesenswert ist übrigens die FAZ-Analyse von Volker Looman, der den Investoren zumindest eine Mitschuld gibt: Das explosive Gemisch von Prokon

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