Am vergangenen Wochenende hatte die FAS einen interessanten Artikel, in dem es u.a darum ging, wie Verständigung und Kooperation dafür sorgen, dass eine Gesellschaft schneller ihre Ziele erreicht. Dabei ging es um einen Vergleich mit dem Verhalten von Verkehrsteilnehmern. Diese Gedanken lassen sich aber auch gut auf die Wirtschaft übertragen.
Verständigung und Kooperation sind Eigenschaften, die menschlichen Verkehrsteilnehmern weitgehend abgehen, “behauptet der amerikanische Autor Tom Vanderbilt. Weiter heißt es in dem Artikel:
“Vanderbilt belegt das mit Beispielen verschiedener Forschungsfelder von der Ameisenbiologie bis zur Verkehrspsychologie. Und kommt zu dem traurigen Schluss: Gerade hinter dem Steuer eines Kraftfahrzeugs verhält sich der Mensch besonders egoistisch, eitel und auch noch unaufmerksam.
Leichtsinn beim Autofahren aber rächt sich doppelt, sagt Vanderbilt, schließlich handele es sich dabei um die wahrscheinlich komplexeste Alltagstätigkeit unseres Lebens, bestehend aus rund 1500 Untertätigkeiten. Nur seien wir uns dessen überhaupt nicht bewusst. Vielmehr klinken sich Autofahrer wie selbstverständlich aus dem Dialog mit dem Fahrzeug und dem restlichen Verkehr aus. Rund 50.000 Videoaufzeichnungen der amerikanischen Firma DriveCam belegen das Monat für Monat. Da werden auf der täglichen Strecke zur Arbeit rasch noch ein paar Telefonate erledigt, die Haare gekämmt, ein paar Happen gegessen oder vielleicht mit dem Laptop auf dem Schoß noch Arbeiten erledigt. Schwere, auch tödliche Unfälle sind die zwangsläufige Folge.
… Studien weisen darauf hin, dass der Einzelne eher eigenen Regeln folgt“, sagt Thüring. Das heißt zum Beispiel, dass ein Autofahrer zwischen persönlichem Nutzen und dem Risiko, erwischt zu werden, abwägt, um dann das Tempolimit für sich selbst um zehn Kilometer pro Stunde zu erhöhen. Aufklärungskampagnen, die auf die fatalen Folgen solcher Eigenmächtigkeiten hinweisen, sind nach Thürings Auffassung wenig wirkungsvoll. Er glaubt, dass Manipulationen am Straßenbild, wie zum Beispiel eng stehende Leitpfosten an Gefahrenstellen, weit größere Effekte zeigen, weil sie den Fahrer zur gewünschten Reaktion zwingen statt sie in den Rahmen seines persönlichen Ermessens zu stellen.
Überhaupt tun sich Menschen hinterm Steuer ziemlich schwer, die Folgen ihres Handelns und das Maß ihrer Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. … Manche Verkehrspsychologen sehen die Wurzel der Selbstüberschätzung im wachsenden Narzissmus unserer Gesellschaft. Andere, wie Manfred Thüring, bevorzugen den Begriff Egozentrik. Doch wie man es auch nennen will: Den meisten Autofahrern geht es auf der Straße eben nicht um den kollektiven Fahrerfolg. Sondern darum, wie sie sich selbst am besten durchsetzen können.”
Eine Lösung haben Wissenschaftler auch für das Problem:
“Physiker haben vorgerechnet, wie gut dem Superorganismus Verkehr ein bisschen Ameisenverhalten täte. „Würden wir uns nicht mehr egoistisch verhalten, ginge es einigen wenigen schlechter, aber den meisten sehr viel besser“, sagt Andreas Schadschneider von der Universität Köln. Schadschneider hat nomadisch umher vagabundierende Ameisen der Spezies Leptongenys processionalis in Indien untersucht und beobachtet, wie wirkungsvoll kooperatives Verhalten für den Verkehrsfluss ist. Den höchsten Durchsatz an Individuen pro Streckenabschnitt erzielen die Insekten, wenn sie alle im gleichen Tempo und in kleinen Trupps unterwegs sind, berichteten Schadschneider und seine Koautoren kürzlich in den Physical Review Letters.”
Tatsächlich sind die Erkenntnisse zum Verhalten der Verkehrsteilnehmer nicht neu, sondern bestätigen Experimente der Spieltheorie, die sich auch mit dem Verhalten von Personen in der Wirtschafts befasst. Konkret eine Situationen im “Gefangenendilemma”, in der die Akteure eigentlich ein gemeinsames Interesse zur Zusammenarbeit haben sollten. Allerdings gibt es aufgrund der Anreizbedingungen in diesem Spiel, das Wissenschaftler auf viele reale Situation übertragen, einen grundlegender Interessenkonflikt. Dieser verhindert die gemeinesame Besserstellung, weil sich ein Individuum durch nicht kooperatives Verhalten einen Vorteil verschaffen kann (siehe im Detail auch Spieltheorie und das Gefangenendilemma).
Ein bloßer Appell an das Wohlverhalten hilft übrigens nach Auffassung des Wirtschaftsethiker Andreas Suchanek in seinem Buch “Ökonomische Ethik”* wenig. Er schreibt (S. 56 f.):
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