Lost in Banking 0.5

by Dirk Elsner on 15. Juni 2009

Kennen Sie die US-Fernsehserie Lost? Die Serie hält seit fünf Staffeln die Spannung insbesondere dadurch aufrecht, dass die Hauptpersonen bestimmte Geheimnisse mit sich herumtragen, die nach und nach aufgelöst werden oder durch neue noch größere Geheimnisse abgelöst werden. Jedenfalls ging mir der Plot dieser Serie am Wochenende durch den Kopf, als ich wieder einmal Berichte über den Status des Finanzwesens in Deutschland las.

Das Verhalten vieler Banken bzw. ihrer Hauptdarsteller erinnert stark an die Charaktere in Lost. Die Protagonisten geben in Lost gerade so viel wie nötig preis. Intuitiv ahnt der Zuschauer, dass es aber mehr aufzuklären gibt und die Personen etwas zu verbergen haben.  Wie im wirklichen Leben, kommt der Zuschauer nicht an alle Geheimnisse ran, sondern wird mit gespannter Erwartung auf künftige Episoden vertröstet.

Und genau diesem Plot folgen viele Finanzinstitute. Eigentlich wollten sie schon vor Monaten Lehren aus der Finanzkrise ziehen und  das Vertrauen wiederherstellen. Passiert ist denkbar wenig und die Außendarstellung bleibt so geheimnisvoll, wie die des Charakters Benjamin Linus in Lost, von dem man nicht weiß, ob er es gut meint oder nicht.  Zwar hoffen derzeit viele Institute auf den zweiten Frühling für Banken. Ein substantiell eigener Beitrag dazu ist freilich nicht erkennbar. Die Gewinne stammen vorwiegend aus der Nutzung von Bewertungsvorteilen und gestiegenen Zinsmargen.

Auffällig ist, dass selbst nach neun Monaten heißer Finanz- und mittlerweile Wirtschaftskrise die öffentliche Darstellung der Banken mit ganz wenigen Ausnahmen weiter im Nebel verharrt. Eine echte Neupositionierung traditioneller Institute und Geschäftsfelder bleibt entweder einer breiteren Öffentlichkeit verborgen oder findet gar nicht statt. Immerhin wird in Fachkreisen intensiver über eine Neuausrichtung diskutiert. Aber aus Gesprächen mit Bankern höre ich weiterhin eine relativ große Zurückhaltung, neue Wege zu gehen. Vielfach ist man mit der Stabilisierung gegenwärtiger Geschäftsmodelle beschäftigt.

Zu den ständig wiederholten Vorschlägen aus Politik und Banksektor gehört die Anforderung, das Vertrauen wieder herzustellen und dies durch mehr Transparenz zu erreichen. Dabei bleibt es meist bei dieser gut klingenden Forderung, die mittlerweile zu einer inhaltsleeren Floskel verkommen ist, weil sie nicht einmal in Ansätzen erfüllt wird.

Beispiele? Auf Wunsch der Hypo Real Estate waren auf der Hauptversammlung vor zwei Wochen weder Bild- noch Tonaufnahmen erlaubt (siehe dazu Mediawatcher). Dabei hätte es gerade diesem Institut gut angestanden, sich etwas offensiver in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Auf die Frage an einen Banker, warum sein Haus denn nicht mehr über die eigene Geschäfte, für die mittlerweile die Steuerzahler haften, informiere, erhielt ich die Antwort, die Erklärungen würde ohnehin kaum jemand verstehen. Das ist ein Selbstverständnis, mit dem sich Häuser auf den Status 0.5 zurückversetzen. Vertrauen wird so nicht zurück gewonnen.

In vielen Instituten ist es derzeit außerdem Usus, den Mitarbeitern “Sprechzettel” als “Arbeitshilfe” zu geben, die die Außenkommunikation festlegen. Dies dürfte zurückgehen auf die Praxis vieler Medien- und Rechtsberater, die ihren Klienten empfehlen, sich zurückhaltend oder besser gar nicht zu äußern, weil man dann nicht angreifbar sei. Diese Praxis ist sogar nachvollziehbar, wenn man sich anschaut, wie ausgerechnet der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, gern als (wie ich finde zu Unrecht) Buhmann  dargestellt wird. Und außer Ackermann wagt sich kaum einer mit aus der Deckung.

Es ist aber zu kurz gepfiffen, wenn man sich nur über die Intransparenz der Banken beschwert. Insbesondere Politiker fordern Transparenz ja gern von den Banken ein, wie jüngst Carsten Schneider, haushaltspolitischer Sprecher der SPD. Fast selbstgerecht klingt die Aussage "Nur durch Transparenz schaffen wir Vertrauen", die in der Zeit zu lesen ist. Der breiten Öffentlichkeit ist unterdessen unbekannt, wie im “Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung” oder in den Bürgschaftsausschüssen entschieden wird. Politiker lassen diejenigen, die mit ihren Steuern für die Aktivitäten dieser Institutionen haften, ebenfalls im Nebel stehen.

Vor dem Hintergrund dieser Einschätzung der traditionellen Institute bin ich gespannt, wie sich das “Next Banking” auf der gleichnamigen Veranstaltung am Dienstag in Berlin präsentiert.

Presse und weitere Berichte

Mehr Transparenz geht nicht"

"Nur durch Transparenz schaffen wir Vertrauen"

Lässt sich das kaputte Vertrauen wieder herstellen?

Banken noch nichts gelernt?

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