Wenn der Bonus zu hoch ist, dann sinkt die Leistung

by Dirk Elsner on 19. Juni 2009

Die Quintessenz dieser Schlagzeile könnte man aus dem Beitrag ziehen, der gestern auf FAZ.net unter “Zu viel Geld macht nervös” zu lesen war. Lisa Nienhaus stellt darin die Ergebnisse einer amerikanisch-kanadischen Studie vor, die bereits im vergangenen Jahr unter der Bezeichnung “Large Stakes and Big Mistakes” (19 Seiten PDF) erschienen ist.

Die Untersuchungsergebnisse sollen zeigen, dass Bezahlung und Leistungen in keinem kausalen Zusammenhang stehen.

“Forschungen von Psychologen und Ökonomen stellen die leistungsabhängige Bezahlung noch weitaus grundsätzlicher in Frage. Denn die Wissenschaftler sind nicht einmal sicher, dass besonders hohe Boni, wie sie in bestimmten Branchen gezahlt werden, überhaupt dazu taugen, Mitarbeiter zu Leistung anzuspornen. Die Forscher haben sogar den gegenteiligen Effekt beobachtet. Menschen, die eine besonders hohe Belohnung für eine bestimmte Leistung erhielten, erzielten oft deutlich schlechtere Ergebnisse als Menschen, die nur eine kleine oder mittlere Belohnung erhielten. … Die Forscher erklären sich die schlechten Ergebnisse damit, dass besonders hohe Belohnungen für eine Aufgabe zwar die Motivation steigern, aber auch die Nervosität. Das kann dazu führen, dass die Gedanken stärker um das erhoffte Geld kreisen als um die zu erledigende Aufgabe. Dadurch sinken die Leistungen. Diese These belegen die Forscher zwar nicht, sie hat aber eine gewisse Plausibilität.

Die Studie legt nahe, dass die besonders hohen Boni in Branchen wie dem Investmentbanking womöglich vollkommen unsinnig sind und den Unternehmen schaden, anstatt ihnen (wenigstens kurzfristig) zu nützen.”

Weitere Details im Artikel bzw. in der Studie selbst.

Der Praxis selbst sind aber solche Erkenntnisse herzlich egal. Der Branchendienst “Breaking View” stellte nämlich erst jüngst fest, dass die Kassen wieder klingeln. Gemeint sind damit auch die Bonuskassen, denn die Erträge im Investmentbanking sind in den ersten fünf Monaten wieder gestiegen. Die in diesem Geschäftsfeld verbliebenen Mitarbeiter werden sich also über erneute Bonuszahlungen freuen. Diese sollen ihnen selbst dann zustehen, wenn sie kaum einen eigenen Beitrag zu den erhöhten Gewinnen geleistet haben. Dazu stellte Jeffrey Goldfarb fest:

“Viele Investmentbanken erwirtschafteten dank Schuldenhandel und Kapitalerhöhungen im ersten Jahresquartal immense Einkünfte und werden auch im Folgequartal gut davon leben. Ein Großteil dieser Gewinne entsteht durch die Deals zur Bekämpfung der selbst verursachten Bankenkrise. Doch so funktioniert das Investment-Karussell eben.

Schon gibt es erste Proteste aus den Reihen der Politiker. Sie weisen zu Recht darauf hin, dass viele profitable Deals einzig durch staatliche Finanzhilfen, Garantien und Absicherungen entstanden sind. Doch die Behörden selbst hatten es den Bittstellern zu einfach gemacht. Die US-Behörden ließen sich ihr Liquiditäts-Gütesiegel mit gerade einmal 100 Basispunkten bezahlen.”

Dazu ließe sich ergänzen, dass (wie z.B. bei der Deutschen Bank) Gewinne im Investmentbanking vor allem Bewertungserleichterungen und damit den Buchhaltern bzw. geänderten Rechnungslegungsvorschriften zu verdanken sind. Ob Buchhalter und Normensetzer allerdings an den Bonuszahlungen partizipieren, ist nicht überliefert.

Goldfarb stellt fest, dass den meisten US-Instituten weiterhin eine Strategie für neue Bonusregelungen fehlen. Konkret dürfte das heißen: So lange es keine neuen Vereinbarungen gibt, gelten die bisherige Regelungen. Ein Schelm wer denkt, dies sei der Grund, warum sich so viele US-Banken bemühen, die Staatshilfen nach dem positiven und pr-gefärbten Stresstest zurückzuzahlen.

Nun darf man aber nicht die alleinige Verantwortung für diesen Mismatch bei den Bankern suchen. Auf die Gehaltszahlungen und Boni haben die Eigentümer der Institute erheblichen Einfluss. Sie sind aber offenbar weiter durch Beißhemmungen gepeinigt und wollen nicht an der Gehaltsschraube drehen.

So hält sich weiter die Legende, dass exzellente Mitarbeiter wie Söldner allein über die Höhe der Entlohnung zu motivieren sind. Mit der Frage, wie hoch Managergehälter eigentlich sein dürfen, beschäftigen sich derweil nur Politiker, Wissenschaftler und Medien. Die Bankmanager selbst denken in eine ganz andere Richtung. Da die Bonuszahlungen in Verruf gekommen sind, wird jetzt einfach das Grundgehalt erhöht, wie jüngst zu lesen war.

In Deutschland hat übrigens gestern der Bundestag ein Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung verabschiedet. Siehe dazu diesen Artikel.

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