Starker Druck auf Bankaktien: Gewinnsteigerungen am Ende und dunkle Wolken?

by Dirk Elsner on 27. Oktober 2009

image Eigentlich hatte ich diesen Artikel erst für den kommenden Donnerstag, dem Tag an dem die Deutsche Bank ihre Gewinnzahlen offiziell bekannt gibt, geplant. Aber der starke Kursdruck am Montag (80 Jahre nach dem schwarzen Freitag) auf die Bankaktien hat mich dazu bewegt, diesen Artikel auf heute vorzuziehen. Im zweiten Teil gehe ich darauf ein, warum die Wertsteigerungen vorläufig ein Ende haben könnten. 

In diesen Tagen feiern neben der Deutschen Bank zahlreiche andere Institute weiter anhaltend hohe Gewinne im dritten Quartal. Eines wird dabei gern (übrigens auch von den Kritikern dieser Gewinne) vergessen. Die Gewinne resultieren selten aus dem Geschick der Banken, ihres Investmentbankings oder ihrer CEOs. Vor allem staatlichen Stützungsmaßnahmen insbesondere denen der Obama Administration und der US-Notenbank ist es zu verdanken, dass das Vertrauen in die Märkte zurückgekehrt ist und sich insbesondere die verbrieften Forderungspakete erholt haben. Diese verbrieften Forderungen (vulgo toxische Assets) haben die Bankbilanzen bis in das 1. Quartal 09 erheblich belastet. Vor allem staatliche Maßnahmen haben vielen herunter geprügelten Papiere erhebliche Wertsteigerung im Vergleich zum Jahresanfang gebracht. Nun sorgten insbesondere diese Zuschreibungen für Gewinne in den Bankbilanzen.

Staatlich stimulierte Stimmungswende

Ich erinnere hier nur an drei Ereignisse/Maßnahmen, die neben vielen weiteren flankierenden staatlichen Aktivitäten zu einer Stimmungswende beitrugen:

  1. Zu Beginn des ersten Quartals erreichte die Unsicherheit in Form von Risikozuschlägen an nahezu allen relevanten Kapitalmärkten einen historischen Höhepunkt. Dies hätte zunächst im 1. Quartal des laufenden Jahres zu weiteren Abschreibungen führen müssen. Plötzlich, es war Mitte März drehte sich die Stimmung. Damals hatte der US-Notenbank-Chef neuen Bilanzierungsregeln angekündigt, die damals zu starken Kursgewinnen führten.
  2. Kurze Zeit später konkretisierte Timothy Geithner die US Bad Bank Pläne. Dies geschah diesmal bewusst mit einer geschickten Kommunikationsstrategie, die die Märkte sehr positiv stimmte (siehe dazu: “Wie Kommunikation Milliarden schafft oder vernichtet”).
  3. Der dritte Teil der marktpsychologischen Strategie folgte im Mai mit der Veröffentlichung positiver Stress-Test-Ergebnisse für die wichtigsten US-Banken (siehe dazu Stress Test motzt die Psyche der Marktteilnehmer weiter auf).
Ende der Zuschreibungen …

In einem Beitrag zum Ende von Q3 habe ich die Vermutung geäußert, die Erholung bei den verbrieften Forderungen durch die “Entspannung” der Credit Spreads (vulgo der Kreditrisikoprämien) könne zu entsprechende Zuschreibungen führen und damit die Gewinne in Q3 ordentlich erhöhen. Wenn diese These richtig ist, dann könnte dies mit dem Jahresabschluss ein jähes Ende nehmen. Das Potential aus den oben genannten Zuschreibungen (siehe detaillierter dazu hier) dürfte nämlich mittlerweile ausgereizt sein. In jedem Fall sind daraus nicht mehr so deutliche Wertzuwächse wie in den vergangenen sechs Monaten zu erwarten.

und düstere Wolken über dem Kredithimmel …

Die Drohungen von der Kreditfront sind bekannt. Zum Jahresende werden außerdem mehr Wertberichtungen anstehen als unterjährig vorgenommen wurden. Viele Institute bewerten mittlere und kleinere Kreditengagements nämlich erst zum Jahresende anhand einzureichender Daten von Kreditkunden. Und dass die Jahresabschlüsse 2009 der meisten Unternehmen deutlich schlechter als die des Jahres 2008 ausfallen dürften, ist kein Geheimnis (siehe auch Deutsche Bank erwartet zahlreiche Kreditausfälle). 

Nun hat es den Anschein, als ob auch die Märkte dies erkannt haben. Investoren wollten sich insbesondere gestern von Finanztiteln trennen. Der DAX knickte gestern Nachmittag plötzlich ein und gab über 150 Punkte innerhalb einer Stunde ab (der Dow Jones ebenfalls). Nach Angaben des Handelsblatt standen Finanzwerte den gesamten Tagesverlauf unter Druck, nachdem die niederländische Bank ING zur Rückzahlung von Staatshilfen eine Kapitalerhöhung bekanntgegeben hatte. Zudem kursierten Gerüchte über eine ebenfalls anstehende Finanzspritze bei der britischen Bank Lloyds und bei der BofA.

Wie die Risiken im Kreditportfolio von Banken wirken können, hat der Blick Log zuletzt sehr ausführlich am “Beispiel der Verlustsimulation eines CDOs” dargestellt. Anfang Oktober stellt ich die Frage, wie hoch das Rückschlagrisiko im vierten Quartal sein könnte. Nun hat es den Anschein, als setzen die Märkte auf ein größeres Risiko als noch vor einigen Wochen.

aber (noch?) Sonnenschein auf dem Kreditrisikomarkt

Zu düster will ich das Szenario aber heute nicht zeichnen, denn die Berichte vom dem für die Öffentlichkeit weiterhin sehr intransparenten Markt für Kreditderivate zeigen weiterhin auf Entspannung. Gemäß des gestrigen CDS-Reports von Alphaville hat der iTraxx Crossover sogar den niedrigsten Stand seit Juni 2008 erreicht. Dieser Index bildet die Kosten ab, zu denen sich Anleger gegen das Ausfallrisiko von 50 europäischen Firmen schlechter Bonität absichern können. Je niedriger der Index, desto geringer sehen Investoren das Kreditrisiko an. Ob das Kreditrisiko tatsächlich geringer ist, spielt dabei keine Rolle, denn allein die Erwartungen bzw. Aktivitäten der Marktteilnehmer bestimmen die Marktpreise.

Ob dies freilich alles so bleibt, steht natürlich in den Sternen. Tatsächlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass die positive Grundstimmung, die sehr stark psychologisch getrieben ist und deren Nachhaltigkeit von vielen Marktbeobachtern bezweifelt wird, jederzeit durch ein besonderes Ereignis wieder kippen. Dies könnte z.B. die größte Bankpleite in diesem Jahr sein, die Insolvenz des bis dato weitgehend unbekannten US-Gewerbeimmobilienfinanzierers Capmark (siehe dazu auch Megapleite in den USA bei egghat).

Stabiltät sieht anders aus

Wie auch immer sich die Kredit- und Aktienmärkte in den nächsten Tagen und Wochen entwickeln, wir sind weit von stabilen Zuständen entfernt. Wesentlich wohler wäre mir übrigens, wenn von den vielen in den letzten Monaten diskutierten Maßnahmen mehr stabilisierende Signale ausgehen würden. Außer Diskussionen zu allen Regulierungsmaßnahmen, gibt es aber bislang keine Umsetzung (siehe Übersicht zur neuen Finanzordnung). Und leider haben auch die Finanzinstitute selbst bisher keine geeigneten Beiträge zur Stabilisierung und Vertrauensbildung geleistet. Sollte es also zu einem nachhaltigen Rückschlag kommen, dann wird es einen großen Aufschrei geben. Niemand wird dann die Frage beantworten wollen, warum sich die institutionellen Rahmenbedingungen auf den Finanzmärkten eigentlich so wenig geändert haben in den letzten 12 Monaten. Dabei muss es sich nicht einmal um „totalen Kollaps“ handeln, wie ihn Marc Faber marktschreierisch für langfristig für unvermeidbar hält.

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