Kräftige Erholung bei „toxischen“ Papieren könnte Bankgewinne weiter puschen und Bad Banks überflüssig machen

by Dirk Elsner on 30. September 2009

Und schon wieder geht ein Quartal zu Ende. Und wieder darf man gespannt sein, wie die Abschlüsse insbesondere die der Finanzinstitute ausfallen. Während der Blick Log vor genau einem Jahr schrieb “Mit Quartalsende drohen weitere Hiobsbotschaften”, dürften die aktuellen Abschlüsse diesmal wie im letzten Quartal deutlich entspannter ausfallen. Möglicherweise sehen wir eine Fortsetzung der sich aktuell selbst verstärkenden Aufwärtsspirale.

Hintergrund sind wieder die Bewertungen nach den IFRS, die zur Fair-Value-Bewertung bestimmter Finanztitel verpflichten. Die Umkehrung der negativen Effekte des vergangenen Jahres wird für weitere Freude bei den Bilanzern sorgen, weil nach den Abschreibungen des vergangenen Jahres und den starken Kursanstiegen auf den Eigen- und Fremdkapitalmärkten mit weiteren erheblichen Zuschreibungen zu rechnen ist.

Der Grund: Wertveränderungen schlagen sich gemäß dem IFRS Standard IAS 39 sofort im Periodenergebnis nieder, d.h. sowohl Wertsteigerungen als auch Wertminderungen finden Eingang in die Gewinn- und Verlustrechnung. Der Fair-Value wird dabei aufgrund einer fünfstufigen Bewertungshierarchie ermittelt. Auf den ersten beiden Stufen werden vergleichbare Marktpreise auf aktiven und homogenen Märkten herangezogen. Sind solche Vergleichsdaten nicht verfügbar, werden auf den Stufen drei und vier die Preise vergleichbarer Transaktionen oder Produkte als Schätzer des Fair-Value verwandt. Sollte auch die nicht möglich sein, wird in einem letzten Schritt die Bewertung anhand von anerkannten Modellen wie dem Discounted-Cash-Flow-Verfahren (DCF) durchgeführt.

Selbst für Vermögensgegenstände, für die aktuell die Marktpreise immer noch schwer zu ermitteln sind, können daher auf Basis verfügbarer Marktdaten die Bewertungspreise “errechnet” werden. Da zum Beispiel die für die Bewertung verbriefter Forderungspakete (vulgo “toxische” Wertpapiere) relevanten Kreditrisikoprämien (Credit Spreads) sich deutlich erholt haben, dürften viele Zuschreibungen auf “vergiftete” Wertpapierbestände an der Tagesordnung liegen. Zur Bewertung dieser Papiere siehe diesen Beitrag.

Allein in den letzten drei Monaten hat sich der Markit ABX Index, der die Risikoprämien verbriefter Forderungen auf minderwertige Immobilienkredite (Subprimes) abbildet, nach Angaben der Financial Times (FT) um 30% erholt (siehe dazu auch FT: Distressed securities start to perk up). So hat die FT (und ihr Blog alphaville) eine “Rally in ‘toxic’ securities” ausgemacht und erwartet einen “boost” bei den Gewinnen in Q3. Damit könnte die “Bilanz des Schreckens” (Süddeutsche) der Banken endgültig als Medientsunami entlarvt haben.

Offen ist freilich noch, in welchem Umfang Banken Zuschreibungen auf eigene Verbindlichkeiten vornehmen müssen. Bei fallenden Bewertungen ihrer eigenen Verbindlichkeiten dürfen Banken diese abschreiben (siehe dazu “Wie Bilanzierungsregeln trotz positivere Aussichten die Gewinne der Banken reduzieren”). Abschreibungen auf der Passivseite erhöhen den Erfolgsbeitrag, Zuschreibungen belasten den Erfolg. Welchen Banken von diesem Recht in welchem Umfang Gebrauch gemacht haben, wissen nur die Banken selbst und einige Analysten.

Ein weiteres Fragezeichen steht noch hinter der Nachhaltigkeit dieser Entwicklung. Die Märkte selbst scheinen aber derzeit an diese Nachhaltigkeit zu glauben. Anders sind die Kursanstiege der letzten Monate und zu Beginn dieser Woche nicht erklärbar. Das ab September 2008 verloren gegangene Vertrauen ist also wieder da. Man kann es auch anders ausdrücken. Die Angst, die insbesondere bis zum Ende des 1. Quartals 2009 die Bewertungen bestimmte, hat sich verflüchtigt und die Vorhersage des Blick Logs vom 15. Januar “Warum die angekündigten Horrorabschlüsse der Banken uns nicht schrecken sollten“ hat sich bestätigt. Die Banken haben sich damals -getrieben durch die Angst und hohe Risikoprämien- schlechter gerechnet, als es der tatsächlichen Marktlage entsprach.

Risiken durch weiter schwächelnde Unternehmen außerhalb des Finanzsektors oder gar durch ein W in der Konjunkturentwicklung werden aktuell ausgeblendet. Dabei bleiben die Risiken beträchtlich, wie jüngst erst die Bundesbank festgestelt hat. Und man sollte sich fragen, wie der Finanzsektor eigentlich auf ein W vorbereitet ist.

Die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten könnte dazu führen, dass das ohnehin nie besonders ausgeprägte Interesse an den Bad Bank-Lösungen nun weiter erlahmen wird.  Eine Verlagerung angeschlagener Wertpapiere in die komplexe Bad Bank nach der Lesart des Bundes macht in vielen Fällen einfach ökonomisch kein Sinn mehr.

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