Allein das Image mit Facebook, Twitter und Blogs aufwerten reicht nicht für Erfolg im Banking 2.0

by Dirk Elsner on 2. November 2010

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Einfluss des Twitternetzwerkes

Banking 2.0 klingt nach Zukunft, nach Fortschritt und neuen Geschäftsperspektiven für die Finanzwelt sowie revolutionären Finanzdienstleistungen für Kunden. Seit Bestehen des Blick Logs beobachte ich intensiv die Szene über Konferenzen, Aufträge, Beiträge und kenne mittlerweile viele Player in dem Segment. Und ich frage mich weiterhin, warum die traditionelle Bankwelt sich so zurückhält mit neuen Geschäftsmodellen. Im März hatte ich dazu in einem Doppelbeitrag den schwerfällige Weg der Banken in das 2.0-Zeitalter beleuchtet.

Nach meiner These unterschätzen Finanzhäuser die aktuelle Entwicklung der Generation 2.0 (ein Beispiel dafür ist diese Umfrage unter Entscheidern in Banken auf P2P-Kredite). Für die Kommunikationsschiene liefert der aktuelle Branchenreport von www.social-review.de dafür Anhaltspunkte. Der Bankreport (über diesen Link per Mail zu bestellen) befasst sich mit dem Kommunikationsverhalten in Medien wie Blogs, Twitter, Facebook und Diskussionsforen. In dem Report ist etwa zu lesen, dass bereits ca. 70% der Diskussion rund um das Thema Banken über diese Social Media Kanäle stattfindet, allein 42,1% in Blogs. Das ist ein interessante Zahl, denn an dieser Diskussion beteiligen sich traditionelle Finanzhäuser selbst so gut wie gar nicht.

Angetreten werden Diskussionen über Finanzhäuser oder Projekte meist über Foren bzw. Blogseiten populärer Medienseiten oft durch einen unter „News“ einzustufenden, meist neutralen Artikel, den User aufgreifen, um ihre persönliche Meinung dazu kund zu tun und schon entwickelt sich eine Diskussion im Gange.

Interessant finde ich Übersichten, nach denen die meisten Botschaften über Banken neutral sind und die Anzahl positiver Botschaften sogar die Anzahl negativen Postings überwiegt. Bemerkenswert ist, dass die auch vom Blick Log viel beachtete Fidor Bank kaum negative Posts erhält. Möglicherweise liegt dies daran, dass keine Bank in Deutschland das 2.0-Konzept so intensiv und vorbildlich lebt, wie das Münchner Institut. Am Rande bemerkt, gehört auch der Blick Log zu den Quellen, die das Bild der Fidor Bank positiv beeinflussen, jedenfalls zeigt dies eine Übersicht der 10 wichtigsten Einflussnehmer. Dazu ist zu lesen:

“Eine Betrachtung der 10 wichtigsten Einflussnehmer nach Anzahl der Nennungen des kWTs bringt wiederum Quellen mit geringerer Reichweite, jedoch meist einer intensiveren Diskussion des Themas, zum Vorschein. Diese Betrachtung empfiehlt sich besonders, wenn die Intention vermehrt in Richtung „Pull“ geht, sprich Informationen (über die Meinung etc.) im netz zunächst einmal abgefragt werden sollen. (Vgl. „push“: Intention ist eine möglichst breite Streuung der gesendeten Information).”

Die Fidor Bank AG betreibt insbesondere über Mathias Kröner intensives Networking mit dem “Web 2.0”, hat ein aktives Forum, an dem sich Kröner selbst und die Mitarbeiter beteiligen und reagiert schnell auf Anfragen. Dazu kommt, dass Kröner ein ausgesprochen unterhaltsamer Konferenzteilnehmer und Gastgeber ist, der sich wohltuend von Attitüden traditioneller Spitzenbanker unterscheidet.

Aber diese Faktoren allein reichen nicht aus, den Erfolg der Bank im Web 2.0 zu erklären. Der Kern des Erfolges liegt vor allem darin, dass die Fidor Bank einen von traditionellen Banken deutlich abweichende Produktentwicklungsphilosophie verfolgt. Dazu, und das ist in dieser Form im Bankensektor revolutionär, bezieht das Hause seine Kunden aktiv in die Produktentwicklung ein und diskutiert offen mit der Community neue Produktideen. Die Architektur und Organisation der IT-Entwicklung ermöglichen dazu schnelle Entwicklungen und Anpassungen (für Technikfans: die Anpassungen finden vorwiegend im Frontend statt, um Änderungen der trägen Backendprozesse zu vermeiden). Auch an den Tests, für klassische Banken undenkbar, beteiligt sich die Community und gibt so wertvolles Feedback, um Fehler auszumerzen. Daraus entstehen bemerkenswerte Produkte, wie etwa die e-Wallet oder die Überweisungsmöglichkeit per Twitter.

Wenn Banken Erfolg im Web 2.0 haben wollen, dürfen sie sich nicht allein auf die aktive Beteiligung an neuen Kommunikationskanälen, wie Twitter, Facebook oder Blogs beschränken (und erst recht nicht, diese Kanäle nur zur Versendung von Werbebotschaften einsetzen). Sie müssen sich vor allem damit befassen, welche Möglichkeiten es gibt, die Möglichkeiten des sozialen Netzes für ihre Dienstleistungen zu nutzen. Hier fehlt es den klassischen Banken offenbar noch an Fantasie aber auch Experimentierfreude.

Fidor hat freilich gegenüber den traditionellen Häusern einen Vorteil: Die Bank ist auf der grünen Wiese, die übrigens in der Münchner Innenstadt liegt, neu gestartet und kann sich ausschließlich der Generation 2.0 widmen. Etablierte Häuser unterliegen aus verschiedensten Gründen vielen Beschränkungen. Warum Banking 2.0 noch nicht zündet in der klassischen Bankwelt, wird Thema eines Beitrags sein, der noch vorbereitet wird.

Mehr zu der Studie über die Wirkung sozialer Netzwerke bei Lothar Lochmaier: „Virtuelle Kennzahlen: Wie eine Bankmarke im sozialen Netz entsteht

Mit dem Weg der Banken in das Web 2.0-Zeitalter hat sich der Blick Log insbesondere in diesen Beiträgen befasst.

Web 2.0 für die Finanzbranche (Teil 1): Perspektiven und Potenziale

Web 2.0 für die Finanzbranche (Teil 2): Konkrete Schritte

Web 2.0 für Banken: Ungenutzte Potentiale und New Business Solutions

CeBIT-Webciety: Der schwerfällige Weg der Banken in das 2.0-Zeitalter

Einen Übersicht über weitere Beiträge des Blick Logs und vieler Autoren zu den Entwicklungen im Banking 2.0 finden interessierte Leser auf der Seite “Trends im Banking 2.0”.

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