Moderne Evolutionstheorie schlägt Ökonomie (19): Neurobiologische Emotions- und Motivationssysteme

by Dirk Elsner on 4. Februar 2019

Mit dieser Beitragsreihe erneuere ich auf Basis der modernen Evolutionsbiologie und neurowissenschaftlichen Grundlagen meiner ökonomischen Denke. Ich halte das traditionelle aber in der Wirtschaftspraxis nach wie vor verwendete ökonomische Modell der neoklassischen Theorie für überholt und bin darauf bereits mehrfach Beiträgen eingegangen. Dieser Beitrag vertieft die neurobiologischen Ursachen von Emotion und Motivation.

Bisher erschienen in dieser Reihe “Moderne Evolutionstheorie schlägt Ökonomie”

 

1. Der Paradigmenwechsel in der Ökonomie muss kommen

Anthony Patt von der ETH Zürich schrieb in einem Beitrag für die Fachwebseite Evonomics, dass die neoklassische Ökonomie keine wertvollen Einsichten in große Veränderungen gibt:

“Neo-classical economics didn’t offer useful insights for disruption, only parroting assumptions about market incentives. But the real world is more complicated than that. Why should Switzerland or Sweden, for example, have the highest number of patents per capita, when their strong social safety nets disincentivize innovation? We needed to open the black box of technological innovation and diffusion.”[1]

Als die Finanzkrise vor einem Jahrzehnt stattfand, hat die Öffentlichkeit erkannt, dass die Ökonomen ahnungslos waren[2]. Sie konnten sich nur mit mehr oder weniger guten Ex-post-Erklärungen vorübergehend retten. Manche Forscher halten das weiterhin verwendete Paradigma der neoklassischen Theorie sogar für gefährlich:

“Die Evolutionstheorie macht deutlich, dass das ungeregelte Streben nach Eigennutz oft für das Gemeinwohl giftig ist. Diese Schlussfolgerung wird besonders stark, wenn wir das Eigeninteresse eher relativ als absolut begreifen, eine Unterscheidung, die evolutionäres Denken sehr vom ökonomischen Denken trennt. Wenn wir die Tatsache aufnehmen, dass „das Leben auf einer Kurve bewertet wird“, wie es der Evolutionsökonom Robert Frank ausdrückt, dann können wir sehen, dass fast alle kooperativen Bemühungen Zeit, Energie und Risiko von kooperativen Individuen erfordern, die sie im Vergleich zu weniger kooperativen Individuen innerhalb derselben Gruppe relativ benachteiligen.”[3]

Mittlerweile mehren sich die Wissenschaftler, die den Paradigmenwechsel weg von der neoklassischen Ökonomie auch publizistisch vorantreiben. Dazu gehören in Deutschland die Ökonomen Lehmann-Waffenschmidt und Friedrich Thießen[4], die gemeinsam mit dem Hirnforscher Gerhard Roth bereits 2008 in einem Working Paper empfahlen, die Erkenntnisse der neueren Neurobiologie zum Entscheidungsverhalten von Menschen für die Entwicklung eines idealtypischen Ablaufplans ökonomischer Entscheidungsvorgänge zu nutzen. Dies könne dazu beitragen, “ökonomische Modelle realitätsnäher als bisher formulieren zu können. Er kann auch helfen, ökonomische Modelle, die bisher eher getrennt voneinander gesehen wurden bzw. deren Verbindung bisher nicht deutlich genug geworden ist, als Teil eines größeren Ganzen einzuordnen.”[5] So könnten dann auch Teilbetriebswirtschaftslehren, die sich aus der bisherigen ökonomische Theorie methodologisch gar nicht ableiten lassen (wie Marketing, Personal oder Management) auf eine gemeinsame methodologische Grundlage zurückführen.

 

 

2. Von der Evolutionstheorie über die Neurowissenschaft zur Ökonomie

Zu den großen Fortschritten der Evolutionswissenschaft der letzten Jahre gehört der hier favorisierte theoretische Rahmen: die mehrstufige Selektionstheorie (Multilevel Selection Theory = MST). Sie kann auf die Evolution des Menschen angewendet werden kann und beinhaltet neben der biologischen auch die kulturelle Evolution[6]. Sie umfasst neben der Evolution auf der Ebene des Genoms und des Individuums ebenfalls die Evolution sozialer Gruppen und wirbt für eine Pluralität von Ursachen für evolutionäre Veränderungen, die in verschiedenen Kombinationen auftreten können. Nach diesem Modell hat die natürliche Selektion unsere neurobiologischen Mechanismen geformt hat, um auf unterschiedlichen Verhältnisse in positiven und negativen Umgebungen reagieren zu können. Diese Reaktionen sind nicht willkürlich, sondern dienen dazu, unsere Entwicklung und unsere Verhaltensstrategien adaptiv zu kalibrieren, um uns an diese Umgebungen anzupassen.[7]

Weil die Evolutionstheorie zu allgemein und grob gehalten ist, bedarf es eines Scharniers zwischen Evolution und dem individuellen Verhalten. Dieses Scharnier stellt die Neurobiologie[8] dar. Bisher haben wir in dieser Reihe gelernt, dass das menschliche Verhalten mindestens beeinflusst wird durch:

  • verschiedenen Funktionen der Zellen im Gehirn und des Nervensystems
  • den Neuromodulatoren und Neurotransmittern, die als chemische Substanzen die Arbeitsweise desNervensystems beeinflussen.
  • (epi-)genetische System
  • (kulturelle) Außeneinflüsse bzw. Lebensbedingungen
  • kognitive Leistungsfähigkeit
  • emotionalen und motivationalen Faktoren, mit denen sich dieser Beitrag befasst

Aus Sicht der Naturwissenschaften ist klar, “dass psychische Prozesse genauso wie Prozesse der Wahrnehmung, der Kognition und der Motorik aufs Engste mit der Aktivität von Nervenzellen in unterschiedlichen Regionen des Gehirns verbunden sind.” Unterschiedliche “Aspekte des Psychischen wie Furcht oder Angst, Freude, Aggression, Mitleid oder Impulshemmung [beruhen] auf dem Zusammenwirken vieler Komponenten des Gehirns.[9]

Weil unter biologischer Perspektive unser Verhalten letztlich auf biochemische Prozesse zurückgeführt werden kann[10], müssen sich alle vereinfachten Verhaltensmodelle der Herausforderung der Neurobiologie stellen[11]. Und tatsächlich passen viele Psychologen ihre Verhaltensmodelle auf Basis neurobiologischer Erkenntnisse an. Das muss auch für die vereinfachten Verhaltensmodelle Ökonomie gelten, geschieht aber bislang nicht. Bestenfalls passen Fragmente der Verhaltensannahmen des ökonomischen Modells zu den biologischen Grundlagen. Manche Autoren schreiben sogar, dass der Homo Oeconomicus ein Mensch mit neurologischen Störungen sein müsse[12].

Stattdessen sprechen viele Verhaltensökonomen ironischerweise von kognitiven Verzerrungen und irrationalem Verhalten, wenn Menschen sich nicht so verhalten wie es der Homo Oeconomicus postuliert. Auch wenn ich die Arbeiten der Behavioral Economics sehr schätze, aus evolutions- und neurobiologischer Sicht ist eine solche Attribuierung nicht haltbar.

 

3. Nutzen neurobiologisch erweitern

Mittlerweile halte ich die Erkenntnisse der Neurowissenschaften für so weit fortgeschritten, dass eine Ökonomik, die ernst genommen werden will, diese berücksichtigen muss. Ein Einstiegpunkt böte beispielsweise der Nutzenbegriff.

Für Ökonomen sind Menschen Nutzenmaximierer und handeln um den größtmöglichen Nutzen erreichen.[13] Der Begriff „Nutzen“ ist in der modernen Ökonomik offen und keineswegs nur monetär zu verstehen, er bleibt aber inhaltlich unbestimmt. Für viele Fragestellungen braucht man aber Spezifizierungen, die je nach Persönlichkeit, Beruf, Alter, Kultur, Erfahrungen, Plänen und Erwartungen stark differieren können. Selbst Ökonomen sagen, was Individuen als Nutzen ansehen, ist oft von ihrer sozialen Umwelt oder von ihrer Sozialisation oder auch von den Erwartungen anderer bestimmt. So kann z.B. auch das Wohlergehen anderer Menschen Bestandteil des Nutzens eines Individuums sein, wenn er sich z.B. altruistisch verhält.[14] Die meisten Ökonomen vermeiden aber hier eine Tiefbohrung.

Dabei kann die Neurobiologie Ökonomen helfen, Nutzen zu verstehen. Sie brauchen sich dazu nur anschauen, wie Motivation und Belohnungssystem bei uns Menschen neurobiologisch funktionieren. Die neuronalen Grundlagen der menschlichen Belohnungs- und Motivationssysteme werden seit langem erforscht und fließen längst in die meisten Lehrbücher der Psychologie ein. Das Ignorieren dieser Erkenntnisse mindert herkömmliche ökonomische Analysen erheblich und wird vermutlich zu vielen falschen Empfehlungen für die Wirtschafts- und Politikpraxis führen.

Übrigens kann die Hirnforschung aus dem Begriff Nutzenmaximierung nicht nur den Nutzen konkretisieren, sondern auch die Frage beantworten, ob tatsächlich Maximierung angestrebt wird oder Menschen Lebewesen sind, „die etwas maximieren oder zufriedengeben, wenn bestimmte Mindestanspruchsniveaus erreicht sind.[15]

 

4. Motivation und Belohnungssystem

Zur Abgrenzung von Motivation und Emotion

Von den Psychologieprofessoren Becker-Carus und Wendt lernen wir, dass Emotionen in uns gewöhnlich durch eine äußere Reizsituation und deren kognitiven Gehalt ausgelöst werden …

Solche psychologischen Situationen, die bei uns ein ganz bestimmtes individuelles Erleben auslösen, sind beim Menschen nicht allein auf die gegenwärtige Wahrnehmung beschränkt. Emotionen können bei uns auch in gleicher Stärke durch die bloße Nachricht über eine solche Situation wachgerufen werden.“[16]

Becker-Carus und Wendt charakterisieren Emotion als „stark motivationaler Zustand, der gewöhnlich von erhöhter Reizbarkeit und verstärktem Zuwendungs- oder Rückzugsverhalten begleitet wird und der eine erhöhte, weit reichende Aktivität des autonomen und zentralen Nervensystems umfasst.“[17]

Bei der Motivation geht es um die Frage, was bewegt einen Menschen zu einem bestimmten Verhalten:

Oder spezifischer: Was setzt unser Handeln und Verhalten in Gang, und wodurch wird es aufrechterhalten, und das bisweilen unabhängig von den jeweiligen äußeren Faktoren und Reizen? Die motivationalen Bedingungsfaktoren des Handelns … reichen von biologisch-physiologischen und organismisch bedingten Faktoren bis hin zu gesellschaftlich, sozial und kulturell bedingten Wertungen und Normen.[18]

Gerrig und Zimbardo verwenden den Begriff Motivation für alle Prozesse, „die dazu fuhren, dass Aktivitäten starten (Initiierung), ein bestimmtes Ziel fokussieren (Richtungsgebung) und oft dauerhaft fortgeführt werden (Aufrechterhaltung). Das Wort Motivation stammt vom Lateinischen movere, was so viel bedeutet wie „bewegen“. Alle Organismen bewegen sich auf bestimmte Reize und Aktivitäten zu und von anderen weg, je nach Ausprägung ihrer Vorlieben und Abneigungen.“[19]

Becker-Carus und Wendt weisen darauf hin, dass sich in der Motivationsforschung bis heute kein einheitlicher integrativer Ansatz durchgesetzt hat. Motivation ist im Grunde nur eine hypothetische, intervenierende Variable zwischen einem Reiz-Input und einem Verhaltens-Output und ist nicht direkt beobachtbar.“ [20]

Rosa Maria Puca weist im Lexikon der Psychologie darauf hin, dass Emotions- und die Motivationspsychologie aufeinander bezogen sind:

„Emotionen begleiten einerseits motiviertes – d. h. zielgerichtetes – Verhalten. Andererseits sind sie auch selbst Ziel dieses Verhaltens. Motiviertes Verhalten ist letztlich auf das Erreichen positiver Emotionen und das Verhindern bzw. die Beendigung negativer Emotionen ausgerichtet. Die Bereiche der Emotions- und Motivationspsychologie stellen sich somit als zwei Bereiche dar, die sich aufgrund ihrer Inhalte aufeinander beziehen und – je nach Perspektive – auf Konstrukte und Befunde des jeweils anderen Bereichs zurückgreifen.“[21]

So lernen wir aus der Hirnforschung übrigens auch, dass Genuss und Verlangen neurobiologisch getrennte Vorgänge sind.[22]

 

Gehirn als neurobiologische Basis für Emotion und Motivation

Gelernt haben wir in dieser Reihe bereits, dass im menschlichen Gehirn verschiedene Sektoren für unterschiedliche Funktionen und Verhalten zuständig sind. Außerdem produziert und transportiert es verschiedene Substanzen, die unser Verhalten beeinflussen bzw. die Aktivitäten bestimmter Zellennetzwerke in unserem Gehirn aktivieren, deaktivieren oder optimieren. Noradrenalin etwa macht wachsam, Cortisol mobilisiert Energie, Azetylcholin hält die Aufmerksamkeit und Dopamin motiviert. Menschen unterscheiden sich u.a. darin, wie stark Botenstoffe im Gehirn wirken. Denn diese werden nicht bei jedem gleich schnell ab- und aufgebaut und brauchen verschieden lange, um nach ihrer Wirkung zurück in die Zelle zu gelangen.[23]

Eine erste Annäherung kommt von Niels Birbaumer u. Jörg Zittlau. Sie schreiben:

“Wenn man den größten gemeinsamen Nenner finden will, um den sich die Gehirnarbeit dreht – und das ist bei einem solch komplexen Organ nicht einfach dann ist es der Effekt. Das Gehirn will auslösen, anstoßen, in Bewegung setzen, ohne Ziel. Es will Belohnung ergattern, sich gute Gefühle verschaffen, es will Dopamine und Amphetamine.“[24]

Gerhard Roth und Nicole Strüber ergänzen das:

“Die Hirnstrukturen, deren Aktivität von dopaminergen Zellen beeinflusst wird, sind mit Motivation und zielgerichtetem Verhalten befasst. Entsprechend nimmt man an, dass die Aktivitäten dopaminerger Neuronen wichtige Informationen zu Belohnungen vermitteln.”[25]

Motivation ist also eine Reaktion auf bestimmte Reize. Wichtig ist, dass die Reaktion nicht immer gleich ist. Verschiedene Reize aktivieren verschiedene Teile des Gehirns und motivieren uns auf unterschiedliche Weise zum Handeln[26].

5. Menschliche Motivationssysteme

Neurobiologische Untersuchungen haben in den letzten Jahrzehnten im Gehirn ein Nervenzellsystem im Mittelhirn aufgedeckt hatten, das heute als »Motivationssystem« bezeichnet wird. Joachim Bauer schreibt dazu:

“Wie sich zeigen sollte, hat es als einziges neurobiologisches System die Macht, menschliche Verhaltensweisen im Sinne einer Triebhaftigkeit zu verstärken. Die Macht des Motivationssystems beruht darauf, dass die Nervenzellen dieses Systems Botenstoffe produzieren, ohne die wir uns nicht wohlfühlen, ja ohne die wir auf Dauer gar nicht leben können. Allerdings werden diese Botenstoffe nur dann ausgeschüttet, wenn wir bestimmte Erfahrungen machen oder uns in einer bestimmten Art und Weise verhalten. Verhaltensweisen, die eine Voraussetzung dafür sind, dass im Gehirn Motivationsbotenstoffe ausgeschüttet werden und sich ein Lebewesen wohl, fit und vital fühlt, erfüllen die Bedingung für das, was früher als »Trieb« bezeichnet wurde: Es sind Verhaltensweisen, die aufgrund eines biologischen Mechanismus subjektiv als angenehm erlebte Folgen haben und daher ein spontan auftretendes, triebhaftes Grundbedürfnis konstituieren.

Die modernen Neurowissenschaften[27] konnten somit einen entscheidenden Beitrag zur Beantwortung der Frage leisten, welche Erlebnisse oder Handlungen beim Menschen einem spontan auftretenden »Trieb«-Bedürfnis entsprechen: Die Voraussetzungen eines »Triebs« erfüllen, wie bereits erwähnt, nur solche menschlichen Strebungen oder Versuchungen, die dann, wenn wir ihnen nachgehen bzw. nachgeben, eine Aktivierung der Motivationssysteme und damit die Ausschüttung von Wohlfühlbotenstoffen zur Folge haben.”[28]

Neurobiologische Struktur der Motivationssysteme

Wo entsteht nun also Motivation? Gerhard Roth und Alica Ryba schreiben, dass das limbische System der Entstehungsort von Affekten, Gefühlen, Motiven, Handlungszielen, Gewissen, Empathie, Moral und Ethik ist “und damit diejenige Instanz, die weitgehend unsere Persönlichkeit bestimmt einschließlich unseres individuell-egoistischen und sozialen Handelns.”[29]

“Die zentrale Struktur der Motivationssysteme befindet sich im Mittelhirn und ist über Nervenbahnen an andere Regionen gekoppelt, mit denen es in einem regen Informationsaustausch steht. Der elementare Aufbau erklärt sich aus zwei miteinander vernetzten Neuronengruppen: die Basiskomponente, deren Neurone bei Aktivität des Systems feuern und dem so genannten Kopfteil der Motivations-Achse die Substanz Dopamin zuführen. Sie bewirkt, dass sich das Individuum auf Ziele ausrichtet, also Motivation erfährt. Der erzeugte Antrieb konstituiert sich aber nicht nur aus der hervorgebrachten geistigen Aktionsbereitschaft, sondern auch aus dem Bereitmachen für körperliche Bewegungsabläufe. Dies verdeutlicht die Interdependenz zwischen physischer und psychischer Handlungsmotivation.

 

Die Dopamin-Abgabe geht mit der Produktion von zusätzlichen endogenen Opioiden (Endorphine, Enkephaline und Dynorphine) und des für Bindungen bedeutsamen Botenstoffs Oxytozin einher.

 

Alle drei Substanzgruppen – Dopamin, endogene Opioide und Oxytozin – sorgen in einem gesunden Zustand für Wohlbefinden. Nur bei einer übermäßig starken Freisetzung der körpereigenen Opioide kommt es zu einer Art Anästhesierung, …. Die Ausschüttung erfolgt in enger Verbindung mit den Emotionszentren, denn diese signalisieren dem Belohnungssystem, wenn erstrebenswerte Ziele vorhanden sind. Diese sind die Vorbedingung dafür, dass die Glücksstoffe abgefeuert werden. Die emotionale Bewertung ist ausschlaggebend dafür, welchen Zielen sich der Mensch (auch unbewusst) zuwendet und welchen (emotionalen) Zweck die Bedürfnisbefriedigung erfüllen soll. Es geht in diesem Sinn um das Wohin und Wozu des Antriebs, um „intentions-in-action.“[30]

Die Neurowissenschaft vereinfacht die für wichtig gehaltene Persönlichkeitsmerkmale mit unterschiedlichen Modellen. Ich stelle hier zwei Ansätze vor[31]. Gerhard Roth und Nicole Strüber gehen dabei von sechs “psychoneuronalen Grundsystemen” und Jaak Panksepp von sieben Motivationssystemen aus.

 

Neurobiologische Grundsysteme nach Roth und Strüber

Roth und Strüber fassen die neurobiologischen Funktionen in einem Gesamtbild zusammen und erläutern, wie die neurochemischen Substanzen bei der Bildung unserer Persönlichkeit und Psyche miteinander wechselwirken, sich also gegenseitig verstärken oder hemmen. Sie nennen das die sechs “psychoneuronalen Grundsysteme”, die die Persönlichkeit des Menschen und seine psychische Verfasstheit bedingen[32] und die nicht nur in sich bereits sehr verwickelt sind, sondern sich untereinander auch noch stark beeinflussen[1] .[33]

Hier die sechs psychoneuralen Eigenschaften bzw. Grundsysteme nach Gerhard Roth und Nicole Strüber: [34]

1. Stressverarbeitung:

“Hierzu gehört, wie schnell und genau er potenziell negative und bedrohliche Dinge erkennt und das Stresssystem Körper und Gehirn aktivieren und die Aufregung dann wieder dämpfen kann.” Das Stressverarbeitungssystems “soll dem Organismus möglich machen, körperliche wie psychische Belastungen und Herausforderungen zu bewältigen.[35]

2. Internes Beruhigungssystem

“Ist eine Stresssituation abgeklungen oder erfordert die Situation, dass der Stress ausgeblendet wird, muss schnell wieder in den Ruhemodus umgeschaltet werden. Im Körper wird dies über eine Aktivierung des parasympathischen Nervensystems, dem Gegenspieler des für Kampf- und Fluchtreaktionen zuständigen sympathischen Nervensystems, realisiert. Im Gehirn beinhaltet eine Rückkehr zum Ruhemodus, dass die präfrontale Hirnrinde wieder vermehrt aktiv wird und bedrohungsempfindliche Hirnstrukturen wie die Amygdala deaktiviert werden.[36]

3. Internes Bewertungs- und Belohnungssystem (Motivation)

“Unser Handeln wird von Motiven und Beweggründen bestimmt, die unbewusst, vorbewusst-intuitiv oder bewusst vorliegen können. Allen diesen Motiven liegt das universelle Prinzip zugrunde, das anzustreben, was in irgendeiner Weise angenehm oder vorteilhaft erscheint, und das zu meiden oder zu beenden, was schmerzhaft oder nachteilig ist. Dieses Prinzip wiederum wird – von angeborenen Antrieben abgesehen – bestimmt von unserer Erfahrung beim eigenen Handeln und im Umgang mit der Welt. Das wiederum macht es erforderlich, zum einen die Konsequenzen dieser Ereignisse unablässig im Belohnungs- und Bestrafungs-(Lust-Unlust-)Gedächtnis zu bewerten, und zum anderen die sich daraus ergebenden Belohnungs- und Bestrafungserwartungen, die beim Erleben ähnlicher Situationen erzeugt werden, zu entwickeln. Das interne Bewertungssystem beruht entsprechend auf zwei Untersystemen:

Das eigentliche Belohnungssystem, das mit der Erfahrung von Befriedigung und Lust verbunden ist – der hedonischen Erfahrung. Diese geht auf die Ausschüttung von endogenen Opioiden zurück[37], …

Das zweite System ist das Belohnungserwartungssystem, das über Dopamin vermittelt wird. Es baut auf dem System der Belohnungserfahrung auf und entwickelt daraus Erwartungen nach dem Grundsatz, dass Handlungen, die einmal zu Belohnungen geführt haben, wiederholt, und solche, die Unlust oder Schmerz zur Folge hatten, auch in der Zukunft vermieden werden sollten. … Gene und epigenetische Faktoren können beeinflussen, wie sehr wir uns in unserem Verhalten von Belohnungen anleiten lassen. Was wir letztlich als Belohnung ansehen und wie sehr wir sie erwarten, kann so verschieden sein wie das Leben jedes Einzelnen selbst. Natürlich spielen hier die frühen Erfahrungen, insbesondere auch Bindungserfahrungen eine große Rolle. Je früher sich bestimmte Vorlieben entwickeln, desto größer ist ihr Einfluss auf das Opioid- und Dopaminsystem, und desto stärker wirken sie auf die Persönlichkeit des Menschen.”[38]

4. Impulshemmsystem

“Ein weiteres System, das für die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub eine große Rolle spielt, ist das Impulshemmungssystem. Säuglinge und Kleinkinder dulden in der Regel keinen Aufschub; ihr Gehirn sagt: »Ich will alles, und zwar sofort!« Doch ein solcher Anspruch würde ein soziales Leben und damit auch das eigene Vorankommen stark behindern. Daher müssen Impulshemmung und Toleranz gegenüber Belohnungsaufschub oder nicht gleich abzustellenden Widrigkeiten vom ersten Lebensjahr an bis ins Erwachsenenalter hinein entwickelt werden – ein meist mühsamer Prozess.”[39]

5. Bindungsverhalten[40]

“Hierbei spielt das Neuropeptid Oxytocin eine wesentliche Rolle, das bei der Mutter-Kind-Beziehung, bei Paarbeziehungen und beim Sexualverhalten, aber auch allgemein bei vertrauensvollen sozialen Kontakten als Bindungshormon wirkt. Eine gesteigerte Ausschüttung hemmt das Stresssystem und verstärkt die Freisetzung von Serotonin. Gefühle von Angst werden hierdurch gemindert. Oxytocin erhöht die Fähigkeit, emotionale ebenso wie soziale Signale zu erkennen, und fördert die soziale Motivation. Über diese Wirkung werden soziale Emotionen und Verhaltensweisen aller Art begünstigt, einschließlich Vertrauen und Empathie gegenüber angenehmen Sozialkontakten, elterliches Verhalten und viele weitere. … Das Oxytocin-Bindungssystem hängt zudem eng mit dem Belohnungs- und dem Belohnungserwartungssystem zusammen. Die Wirkung von Oxytocin geht häufig einher mit der Ausschüttung endogener Opioide, die das Wohlgefühl bei sozialen Kontakten vermittelt. Die Wirkung auf das Belohnungserwartungssystem wird deutlich, wenn Menschen ihren Partner oder Eltern ihr Kind anschauen, denn dadurch werden Regionen dieses Systems aktiviert, die eine hohe Anzahl an Oxytocin- und Vasopressinrezeptoren aufweisen. Hirnbereiche, die im Zusammenhang mit negativen Emotionen und kritischen sozialen Bewertungen stehen, werden hingegen gehemmt. Durch diese Wirkungen von Oxytocin auf die dopaminergen Zellen des Belohnungserwartungssystems sowie auf die Opioidfreisetzung könnte der Belohnungswert sozialer Kontakte verstärkt und ein Individuum motiviert werden, immer wieder die Nähe des Bindungspartners und die Interaktion mit ihm zu suchen. Das Neuropeptid Vasopressin spielt -trotz seiner im Vergleich mit dem Oxytocin gegensätzlichen Wirkung auf das Stresssystem – ebenfalls eine große Rolle für das Bindungssystem. Es verstärkt das Fürsorgeverhalten der Eltern, besonders in Bezug auf den Schutz des Kindes. Ebenso wie bei den ersten drei Systemen gibt es auch im Bindungssystem eine starke Interaktion zwischen genetischer Ausstattung und Umwelteinflüssen.”[41]

6. System des Realitätssinns und der Risikobewertung

Bei der Risikobewertung wird die Wahrscheinlichkeit eingeschätzt, dass ein bestimmtes Verhalten mit negativen Folgen verbunden ist. … Eine erhöhte Risikobereitschaft tritt auf, wenn die Wahrscheinlichkeit negativer Folgen gegenüber der Wahrscheinlichkeit positiver Konsequenzen ignoriert oder unterbewertet wird. … Die Fähigkeit, Risiken realistisch einzuschätzen, ist neben sensorischen und kognitiven Funktionen an die Hirnsubstanzen Noradrenalin und Acetylcholin gebunden. Noradrenalin erhöht die generelle Aufmerksamkeit und Zuwendung, Acetylcholin verstärkt die Konzentration durch eine »Fokussierung« neuronaler Aktivität im Arbeitsgedächtnis und beim gezielten Abruf von Gedächtnisinhalten. Diese Zentren prüfen mehr oder weniger neutral, was »Sache ist«.”[42]

Roth und Strüber erklären die Persönlichkeit neurobiologisch anhand der vorgestellten psychoneuronalen Grundsysteme. Sie glauben aber, weil damit die Big 5 in Frage gestellt werden, könnte dies für erhebliche Widerstände sorgen, weil diese unter Psychologen sehr beliebt seien.[43] Die Autoren kritisieren die von Psychologen häufig verwendeten Verhaltenskategorisierung in die sogenannten BIG 5 wie folgt:

“Ein grundlegender Mangel der Big-Five- und anderer Persönlichkeitstests besteht darin, dass sie alltagspsychologisch orientiert sind und keinerlei tiefere Begründung dafür liefern, warum es genau diese Grundfaktoren sind, die die Persönlichkeit eines Menschen am besten beschreiben. Auch geben sie keine Antwort auf die Frage, woher es eigentlich kommt, dass der eine Mensch eher extravertiert und der andere eher neurotizistisch ist, dieser eher gewissenhaft, jener eher impulsiv und so weiter.“ [44]

 

Menschliche Motivationssysteme nach Panksepp

Einen etwas älteren Ansatz als der von Roth und Strüber ist der Ansatz von 2017 verstorbenen Professors Jaak Panksepp, der aus der Psychopharmakologie kommt.[45] Panksepp[46] hat diese basisemotionalen Systeme bestimmten Schlüsselregionen im Gehirn sowie Neurotransmittern zugeordnet.[47] Diese sieben basisemotionalen Systeme[48] sind:

1. SEEKING: ERKUNDEN (Erwartung):

Seeking – Neugierde: Neugier ist ein wichtiger Mechanismus bei Menschen und Tieren. Seit einigen Jahren erforschen Neurobiologen, wie das Gehirn die Motivation vermittelt, nach Information zu suchen.[49] Dieses umfangreiche Netzwerk, das mit dem medialen Vorderhirnbündel (MFB) zusammenwirkt, wird traditionell als „Belohnungssystem des Gehirns“ bezeichnet.

Das Seeking System stellt dabei praktisch die neurophysiologische Infrastruktur für alle weiteren Systeme bereit, die miteinander gekoppelt sind und in Wechselwirkung stehen.

“Das SEEKING-System nach Panksepp entspricht dem in den Neurowissenschaften allgemein unter Motivationssystem/Belohnungssystem bekannten „Apparat“, wobei die sieben affektiven Systeme untereinander in einer starken Wechselbeziehung zueinander stehen bzw. Panksepp das SEEKING-System als essenzielle Infrastruktur für alle anderen Basisemotionen ausmacht und – wie Bauer – die Zielgerichtetheit auf positive Emotionen, auf Bedürfnisbefriedigung und seine Prägung durch soziale Erfahrungen betont.”[50]

 

2. FEAR: FURCHT (Angst)

Das Angst-System hilft, vor Schmerzen und Zerstörung zu schützen. Seine Stimulierung führt bei Tieren zur Flucht, bei schwächerer Stimulation zum Erstarren. Menschen, die in denselben Hirnregionen stimuliert wurden, berichten, dass sie von einer intensiven freischwebenden Angst verschlungen werden, die keine Umweltursache zu haben scheint. [51]

 

 

3. RAGE: WUT (Ärger)

Wenn das Seeking-System gestört also die Suche vereitelt wird, wird Wut-System erregt. Wut wird durch die Einschränkung der Handlungsfreiheit hervorgerufen. RAGE liegt in der Nähe von und interagiert mit dem FEAR-System. Es fördert aggressives Verhalten und hilft, sich zu verteidigen. Menschlicher Zorn kann viel von seiner psychischen Energie aus der Erregung dieses Gehirnsystems beziehen; Elektrische Hirnstimulation (ESB) der Gehirnregionen kann plötzliche, intensive Zornangriffe hervorrufen, ohne externe Provokation.[52]

 

 

4. LUST (sexuelle Erregung)

Sexuelle Lust wird vermittelt durch spezifische Hirnschaltungen und Chemikalien, die sich für Männer und Frauen unterscheiden. Darunter sind auch zwei „soziale Neuropeptide“ – die Oxytocinübertragung wird durch Östrogen bei Frauen und die Vasopressinübertragung durch Testosteron bei Männern gefördert. Oxytocin fördert die sexuelle Bereitschaft bei Frauen sowie Vertrauen und Zuversicht, und Vasopressin fördert die Durchsetzungsfähigkeit und vielleicht das eifersüchtige Verhalten bei Männern. Das dopamingesteuerte Suchsystem beteiligt sich an der Suche nach sexuellen Belohnungen wie bei allen anderen Arten von Belohnungen, einschließlich derjenigen, die für die anderen sozial-emotionalen Systeme relevant sind. [53]

 

 

5. CARE: FÜRSORGE (Pflege)

Die Gehirnentwicklung hat Vorkehrungen getroffen, um sicherzustellen, dass sich die Eltern (vor allem die Mutter) um die Nachkommen kümmern. Einige der Chemikalien der Sexualität, wie zum Beispiel Oxytocin, wurden evolutionär umverteilt, um die mütterliche Fürsorge – Pflege und soziale Bindung – zu vermitteln, was darauf hindeutet, dass es eine enge evolutionäre Beziehung zwischen weiblichen sexuellen Belohnungen und mütterlichen Motivationen gibt. [54]

 

 

6. Das Trauer-/Trennungsnotsystem (The GRIEF/separation distress system)

Das System wurde ursprünglich als PANIC-System bezeichnet und steuert die Emotionen für schmerzlichen Verlust, Kummer und Trauer. Es wird durch Glutamat und CRF aktiviert und durch endogene Opioide, Oxytocin und Prolaktin gehemmt.[55]

 

 

7. PLAY: Das SPIEL und Sozialengagementsystem

Junge Tiere haben einen starken Drang zum körperlichen Spielen – Laufen, Jagen, Springen und Ringen. Diese „aggressiven“ – durchsetzungsfähigen Aktionen werden konsequent von positiven Effekten – einer intensiven sozialen Freude – begleitet. Eine Schlüsselfunktion des Sozialspiels ist es, soziale Regeln zu lernen und soziale Interaktionen zu verfeinern. Spielen kann die epigenetische Konstruktion höherer sozialer Gehirnfunktionen fördern, einschließlich Empathie.

 

6. Vereinfachte Modelle

Neben diesen beiden Darstellungen gibt es weitere Modelle der Emotions- und Motivationssysteme. Neurowissenschaftler sind sich zwar nicht vollkommen einig,[56] in jedem Fall gehen diese Modelle aber einen höheren Erklärungswert als ökonomische Ansätze mit der inhaltsleeren Annahme der Nutzenmaximierung.

Mir war wichtig, in diesem Beitrag die neurobiologische Verknüpfung von Emotion und Motivation zu vertiefen und anhand der neurobiologischen Grund- bzw. Motivationssysteme zu zeigen, was unser Verhalten und damit auch unser Handeln bestimmt. Wie auch immer eine Klassifizierung aussieht, sie kann ohnehin nur helfen, die hoch komplexen Vorgänge im Gehirn vereinfachter darzustellen. Ich hatte in Teil 18 dieser Reihe bereits darauf hingewiesen, dass (Epi-)Genetik, Neurochemie, Hormone, Sinnesreize, biologische und kulturelle Evolution, Erziehung, Erfahrungen bis hin zu sogar pränatale Einflüssen und viele weitere Faktoren unser Verhalten beeinflussen.[57] Diese Faktoren sind eng miteinander verknüpft, beeinflussen sich gegenseitig und variieren ständig. Keiner liefert allein eine deterministische Antwort für ein bestimmtes Verhalten[58], das zudem auch durch unsere kognitiven Fähigkeiten mit beeinflusst werden kann.


[1] Anthony Patt, “How Changing My Economic Model Made Me a Climate Change Optimist” auf Evonomics am 16.6.2018.

[2] Vgl. Howard Reed, Rip it up and start again: the case for a new economics, auf: Prospect Magazine am 13.4.2018.

[3] David Sloan Wilson, Why New Economics Needs a New Invisible Hand, auf Evonomics am 8.2.2018.

[4] Friedrich Thießen, Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der TU Chemnitz, erklärt außerdem in dem Buch “Die Evolution von Gut und Böse in Marktwirtschaften” das Verhalten in der Wirtschaft auf Basis evolutionsbiologischer Grundlagen. Er bezieht sich dabei aber auf die Grundlagen der Verwandtenselektion, die aber beim Zusammenwirken großer Gruppe nicht weiterhilft und die ich hier nicht vertrete. Vgl. zur Diskussion zwischen Verwandtenselektion und Gruppenselektion David Sloan Wilson, „Challenge To Kin Selectionists. Explain This!“, auf Website The Evolution Insitute am 1.2.2015 und Jos Kramer, Joël Meunie, Kin and multilevel selection in social evolution: a never-ending controversy?, aif F1000 Research, Version 1, veröffentlicht am 28.4.2016.

[5] M. und B. Cornelia Lehmann-Waffenschmidt, Gerhard Roth, Friedrich Thießen: “Die (innere) Logik des Entscheidens: Zur neurobiologischen Fundierung ökonomischer Entscheidungen”, Dresden discussion paper series in economics, No. 12/08, Univ. of Technology, Fac. of Business Management and Economics, Dresden, S. 2.

[6] David Sloan Wilson, Why New Economics Needs a New Invisible Hand, auf Evonomics am 8.2.2018.

[7] Bruce J. Ellis, The Evolutionary Basis of Risky Adolescent Behavior, in: David Sloan Wilson, Steven C. Hayes; Evolution and Contextual Behavioral Science: An Integrated Framework for Understanding, Predicting, and Influencing Human Behavior, Kindle Edition Pos 2158.

[8] Mir ist bewusst, dass ich die Bezeichnung Neurobiologie möglicherweise nicht korrekt verwende. Siehe zur Abgrenzung verschiedener Teilgebiete der Neurowissenschaften Rainer Schandry, Biologische Psychologie, 4. überarbeitete Aufl. 2016, S. 21.

[9] Gerhard Roth und Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele, 1. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018, Kindle Edition, Pos. 807.

[10] Richard J. Gerrig u. Philip G. Zimbardo, Psychologie, 21. Aufl. 2018, S. 42.

[11] Nun kann man nicht erwarten, dass jeder Erklärung wirtschaftlichen Verhaltens eine seitenlange Erläuterung neurobiologischer Grundlagen vorangestellt wird. Man hätte aber erwarten können, dass sich zumindest ein einziger Ökonom bei der Grundlegung des Homo Oeconomicus ebenfalls an diesen neurobiologischen Grundlagen orientiert und eine Herleitung versucht. Sollte dies gelingen, könnten sich andere Ökonomen darauf beziehen. Trotz intensiver Suche habe ich allerdings keine neurobiologische Fundierung des Homo Oeconomicus gefunden.

[12] Vgl. Lynn Stout, “How the Dominant Business Paradigm Turns Nice People into Psychopaths”, auf Evonomics.com am 14.7.2018.

[13] Vgl. Friedrich Thießen, Die Evolution von Gut und Böse in Marktwirtschaften: Theorie und Praxis, 2014, S. 40.

[14] K. Homann u. A. Suchanek, Ökonomik, Tübingen 2000, S. 30.

[15] Vgl. Friedrich Thießen, Die Evolution von Gut und Böse in Marktwirtschaften: Theorie und Praxis, 2014, S. 41.

[16] Christian Becker-Carus und Mike Wendt, Allgemeine Psychologie, 2. Aufl. 2017, Kindle Edition, Pos. 23489 f.

[17] Christian Becker-Carus und Mike Wendt, Allgemeine Psychologie, 2. Aufl. 2017, Kindle Edition, Pos. 23513.

[18] Christian Becker-Carus und Mike Wendt, Allgemeine Psychologie, 2. Aufl. 2017, Kindle Edition, Pos. 20989.

[19] Richard J. Gerrig u. Philip G. Zimbardo, Psychologie, 21. Aufl. 2018, S. 450.

[20] Christian Becker-Carus und Mike Wendt, Allgemeine Psychologie, 2. Aufl. 2017, Kindle Edition, Pos. 20989.

[21] Rosa Maria Puca, Emotionspsychologie und Motivationspsychologie, Lexikon der Psychologie, 18. Aufl., Online-Ausgabe, abgerufen am 13.01.2019.

[22] Vgl. dazu Konrad Lehmann, Neues vom Gehirn, 2017, Kindle Edition, Pos. 162 ff.

[23] Nicole Strüber, Wie ich wurde, was ich bin”, in: Gehirn und Geist, 7/2017, S. 14 f. Sie schreibt außerdem: “Auch die Zahl der Bindungsstellen variiert von Mensch zu Mensch. So entwickelt der eine etwa ein höchst effizientes Cortisolsystem, der andere ein gut funktionierendes Oxytocinsystem und ein dritter beides.”

[24] Niels Birbaumer u. Jörg Zittlau, Dein Gehirn weiß mehr, als du denkst: Neueste Erkenntnisse aus der Hirnforschung Kindle Edition 2014, Pos. 1584.

[25] Gerhard Roth und Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele, 1. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018, Kindle Edition, Pos. 2261. Verhindert man z.B. die Wirkung von Dopamin, indem man die D4- oder D2-Rezeptoren chemisch blockiert, verlieren Belohnungen ihre normale verstärkende Wirkung auf Lernprozesse. Vgl. ebda.

[26] Vgl. Joshua Kraus—Zapier, There are 4 types of motivation–here’s what each does to your brain, auf Fast Company vom 13.08.2018.

[27] „Die Entdeckung des Motivationssystems und die Erforschung seiner Funktionsweise ermöglichte es erstmals, wissenschaftlich zu überprüfen, welche menschlichen Verhaltensweisen tatsächlich die Voraussetzungen für das erfüllen, was über viele Jahrzehnte hinweg – auf intuitiver oder spekulativer Basis – als spontanes Triebbedürfnis bezeichnet wurde. Nachdem moderne Untersuchungsmethoden die Möglichkeit eröffnen, die Aktivitätszustände bestimmter Hirnregionen zu messen, ohne in das Innere des Gehirns eindringen zu müssen, war es in den vergangenen Jahren erstmals möglich, exakt diejenigen Erfahrungen oder Tätigkeiten zu bestimmen, die eine beobachtbare Aktivierung des Motivationssystems zur Folge haben.“ Joachim Bauer, Schmerzgrenze: Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt, 2013, S. 32.

[28] Joachim Bauer, Schmerzgrenze: Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt, 2013, S. 32.

[29] Gerhard Roth, Alica Ryba, Coaching, Beratung und Gehirn, 2016, Kindle Edition, Pos 3454.

[30] Susanne Rabenstein, Individualpsychologie und Neurowissenschaften: Zur neurobiologischen Fundierung der Theorien Alfred Adlers , 2017, S. 33.

[31] Daneben gibt es weitere Ansätze, die ich aber hier nicht vertiefen kann.

[32] Gerhard Roth und Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele, 1. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018, Kindle Edition, Pos. 3598.

[33] Gerhard Roth und Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele macht, Kindle-Edition, 2015, Pos. 2990 f.

[34] Gerhard Roth und Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele, 1. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018, Kindle Edition, Pos. 3650 ff. Siehe außerdem Gerhard Roth, Alica Ryba, Coaching, Beratung und Gehirn, 2016, Kindle Edition, Pos 3676 ff.

[35] Gerhard Roth und Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele, 1. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018, Kindle Edition, Pos. 3650 f.

[36] Gerhard Roth und Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele, 1. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018, Kindle Edition, Pos. 3695 f.

[37] Die Opiate wirken vornehmlich auf Rezeptoren in der Schalenregion des Nucleus accumbens, im ventralen Pallidum und in der Amygdala ein und erzeuge so unbewusste Belohnungserfahrungen. Diese Aktivität wird dann im orbitofrontalen, im ventromedialen und im insulären Cortex abgebildet, und es entsteht das bewusste Lust- und Befriedigungsgefühl, das mit dem Erhalt von Belohnungen verbunden ist. Gerhard Roth und Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele, 1. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018, Kindle Edition, Pos. 3695 f.

[38] Gerhard Roth und Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele, 1. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018, Kindle Edition, Pos. 3730 f.

[39] Gerhard Roth und Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele, 1. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018, Kindle Edition, Pos. 3816 f.

[40] Das Bindungsverhalten wurde hier in dieser Reihe schon ausführlich beschrieben.

[41] Gerhard Roth und Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele, 1. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018, Kindle Edition, Pos. 3864 f.

[42] Gerhard Roth und Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele, 1. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018, Kindle Edition, Pos. 3864 f.

[43] Gerhard Roth und Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele, 1. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018, Kindle Edition, Pos. 4944 ff.

[44] Gerhard Roth und Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele, 1. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018, Kindle Edition, Pos. 4968 f.

[45] Hier konnte z.B. die Verstärkung der Motivation durch die Belohnungssysteme bis hin zum unkontrollierbaren Verlangen im Rahmen von Suchterkrankungen beobachtet werden. Damit einher gehe die pathologische Einengung des Antriebs, indem das Streben primär auf die Befriedigung der Sucht ausgerichtet sei. “Dem Absinken wie auch der Steigerung der Motivation liegt dasselbe biologische Antriebsaggregat zugrunde. Der estnisch-amerikanische Neurobiologe Jaak Panksepp hat und zusammen mit der Psychoanalytikerin Lucy Biven sieben Motivations- bzw. Belohnungssysteme identifiziert. Susanne Rabenstein, Individualpsychologie und Neurowissenschaften: Zur neurobiologischen Fundierung der Theorien Alfred Adlers , 2017, S. 30 f.

[46] Panksepp erachtet diese als genetisch angelegte Programme, die mit neurochemischen Achsen einhergehen und eine instinkthafte Grundlage für das menschliche Verhalten bilden. “Er identifiziert drei Ebenen der Gehirnfunktionen, die wiederum mit drei emotionalen Ebenen übereinstimmen: sub-neokortikale, vom Hirnstamm herrührende, „Primärprozessemotionen (Kernaffekte oder Basisemotionen), auf den Basalganglien (sub-kortikal) beruhende „Sekundärprozessemotionen (emotionales Lernen und Gedächtnis) und kortikale, auf dem Frontalhirn basierende, „tertiäre Affekte und neokortikale Bewusstseinsfunktionen (Kognition), wobei er den „Primärprozessemotionen die größte Bedeutung zuspricht bzw. bekräftigt, dass die differenzierteren „höheren“ „sekundären“ und „tertiären“ Affektmechanismen aus ihnen hervorgehen. “Susanne Rabenstein, Individualpsychologie und Neurowissenschaften: Zur neurobiologischen Fundierung der Theorien Alfred Adlers , 2017, S. 30 f.

[47] Eine tabellarische Darstellung dazu ist auf der Webseite Neuroleadership zu finden. http://www.neuroleadership-online.de/neurotransmitter.html. Eine weitere tabellarische Darstellung ist in diesem Artikel von Kuei et al. Using the Primary Process Emotional-Behavioural System (PPEB) to Better Meet Patient Needs in Psychotherapy“ in:Clinical Psychology & Psychotherapy, September 2018 zu finden.

I. [48] Panksepp und Biven sprechen von „core emotional affects“ bzw. „raw emotional feelings“. Jaak Panksepp u. Biven, Lucy, The Archaeology of Mind: Neuroevolutionary Origins of Human Emotions. New York 2012. Zitiert nach Susanne Rabenstein, Was vom Aggressionstrieb bleibt… eine alte Diskussion – neu aufgerollt anhand neurowissenschaftlicher Erkenntnisse, in: Zeitschrift für freie psychoanalytische Forschung und Individualpsychologie, 2. Jg., Nummer 2, Dezember 2015, S. 15 und Jaak Panksepp, Affective neuroscience of the emotional BrainMind: evolutionary perspectives and implications for understanding depression, in: Dialogues Clinic Neuroscience. 2010 Dec; 12(4): 533–545.

[49] Konrad Lehmann, Neues vom Gehirn, 2017, Kindle Edition, Pos. 230.

[50] Susanne Rabenstein, Was vom Aggressionstrieb bleibt… eine alte Diskussion – neu aufgerollt anhand neurowissenschaftlicher Erkenntnisse, in: Zeitschrift für freie psychoanalytische Forschung und Individualpsychologie, 2. Jg., Nummer 2, Dezember 2015, S. 15.

[51] Konrad Lehmann, Neues vom Gehirn, 2017, Kindle Edition, Pos. 308.

[52] Jaak Panksepp, Affective neuroscience of the emotional BrainMind: evolutionary perspectives and implications for understanding depression, in: Dialogues Clin Neurosci. 2010 Dec; 12(4): 533–545.

[53] Jaak Panksepp, Affective neuroscience of the emotional BrainMind: evolutionary perspectives and implications for understanding depression, in: Dialogues Clin Neurosci. 2010 Dec; 12(4): 533–545.

[54] Jaak Panksepp, Affective neuroscience of the emotional BrainMind: evolutionary perspectives and implications for understanding depression, in: Dialogues Clin Neurosci. 2010 Dec; 12(4): 533–545.

[55] Jaak Panksepp, Affective neuroscience of the emotional BrainMind: evolutionary perspectives and implications for understanding depression, in: Dialogues Clin Neurosci. 2010 Dec; 12(4): 533–545.

[56] Zur Abgrenzung von Roth und Panksepp schreibt Susanne Rabenstein: “Roth nimmt somit eine andere Einteilung als Panksepp vor, vertritt aber ein ähnliches hierarchisches Verständnis der Strukturen Die psychoneuronalen Systeme gehen – in unterschiedlichem Ausmaß – neurobiologisch aus den Elementen von vier Ebenen hervor, der ..unteren“ Ebene, in welcher wesentlich die angeborenen Bereitschaften und Eigenschaften verankert sind, der „mittleren“ Ebene, welcher die emotionale Konditionierung zugeschrieben wird, der „oberen“ Ebene, welcher die Sozialisierung zugerechnet wird und der Ebene der kognitiven Verhaltenssteuerung. ” Susanne Rabenstein, Individualpsychologie und Neurowissenschaften: Zur neurobiologischen Fundierung der Theorien Alfred Adlers , 2017, S. 156.

[57] Vgl. Robert Sapolsky: „Gewalt und Mitgefühl“, Regensburg 2017, S. 13 f.

[58] Robert Sapolsky: „Gewalt und Mitgefühl“, Regensburg 2017, S. 33.

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