Moderne Evolutionstheorie schlägt Ökonomie (22): Plädoyer für ein neues „Minimum Viable Model“ für die Ökonomie

by Dirk Elsner on 15. Dezember 2020

Die Ökonomie beansprucht als angewandte (Real-)Wissenschaft ihre Rolle Wegweiser für die Wirtschaftspraxis und -politik zu sein.[1] Sie soll helfen in der (realen) Welt ökonomische Prozesse, Erscheinungen und Fragen zu erklären.[2] Das gelingt ihr aber mit dem Standardmodell der Ökonomie nicht.

Solche Fragen könnten etwa sein: Warum macht Reichtum ab einer bestimmten Höhe nicht glücklicher, warum gibt es Nationen, die trotz niedrigeren Wohlstands als zufriedener gelten? Warum wirkt manche Werbung gut und manche nicht. Wieso kooperieren manche Marktteilnehmer und Volkswirtschaften (z.B. über Handelsabkommen) während andere auf Konfrontation gehen (USA unter Donald Trump)? Wie bekommt man verbesserte Verhaltensvorhersagen mit Hilfe künstlicher Intelligenz? Wie bemessen Menschen den Nutzen von etwas? Warum sind manche Menschen kreativ während anderer komplizierter Regelwerke vereinbaren? Warum wird für Spitzenpositionen oft nicht die geeignetste Person ausgewählt, sondern jemand mit einer bestimmten Herkunft und Habitus. Arbeiten Menschen wirklich besser, wenn sie mehr verdienen? Die Liste der Fragen, die die Ökonomie aus ihrer Modellwelt[3] nicht zufriedenstellend beantworten kann, ließe sich beliebig verlängern. Insbesondere kann die Ökonomie nicht erklären, warum es ökonomisch nicht rational ist, wenn unterstellt wird, dass jeder andere Akteur ökonomisch rational handelt. Wenn die Ökonomie weiter eine theoretische und praktische Stütze der politischen und betrieblichen Praxis sein möchte, dann reichen die bisherigen Modelle nicht mehr aus. Das ist jedenfalls eine seit Finanzkrise 2008 verstärkt geäußerte Auffassung.[4]


Die Evolution variiert Leben und Verhalten in vielen Verzweigungen

Nach bisher 21 Beiträgen durch Evolutions- und Neurowissenschaften wird es daher Zeit, daraus einen Erkenntniskern für ökonomische Anwendungen zu schälen[5]. Weil ich keine Einzeldarstellung[6] gefunden habe, versuche ich mit diesem Beitrag zentrale Erkenntnisse dieser Reihe zu kondensieren. [7] Das ließe sich zu einem „Minimum Viable Model“ (MVM)[8] für einen modernisierten ökonomischen Denkansatz erweitern. Damit meine ich eine erste anwendbare Iteration eines Modells, das zahlreiche ökonomische Sachverhalte besser erklären kann als traditionelle Ansätze. Ich gestalte diesen Beitrag daher als „lebenden Text“, den ich mit Hilfe von Feedback[9] und weiterer Literatur in unregelmäßigen Abständen anpasse. Vielleicht könnte ein solches Modell sogar eine methodische Klammer um die verschiedenen Subwissenschaften der Ökonomie bilden und diese gleichzeitig naturwissenschaftlich verankern. Dies könnte auch die Akzeptanz der Ökonomie außerhalb der Sozialwissenschaften erhöhen und zu realistischeren Handlungsempfehlungen führen.

Ich arbeite hier mit einem außerhalb der Sozialwissenschaften verbreiteten Zwei Stufen-Modell[10]:

1. Einer evolutionsbiologischen Stufe und daraus abgeleitet einer

2. speziellen neurobiologische Stufe für uns Menschen.

Inhalt

1. Erweiterung des ökonomischen Blickfelds

2. Evolutionstheorie: Erweiterter Synthese und Multilevel-Selektion

3. Fundament für ein Minimum Viable Model of Economics

a. Evolutionsbiologische Bausteine

b. Neurobiologische Bausteine

4. Graben zwischen Ökonomie und Naturwissenschaften überwinden

1. Erweiterung des ökonomischen Blickfelds

Hier geht es nicht um einen neurobiologischen Reduktionismus, sondern im Gegenteil um eine Erweiterung des ökonomischen Blickfelds mit naturwissenschaftlicher Hilfe. Zahlreiche Ökonomen und Naturwissenschaftler unterstützen diese Erweiterung. Nur beispielhaft nenne ich hier unter den Ökonomen Andrew Lo, Daniel Kahneman, Robert Shiller, Ernst Fehr und seine Mitarbeiter und Kollegen der Universität Zürich, Friedrich Thießen von der TU Chemnitz, Dennis J. Snower und seine früheren Mitarbeiter vom Institut für Weltwirtschaft sowie den niederländischen Umweltökonom und Innovationsforscher Jeroen C. J. M. van den Bergh. Nicht vergessen werden sollte außerdem John Maynard Keynes, der schon in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts die Animal Spirits in die Ökonomie einführte. Man denke daneben an die vielen Bemühungen der Behavioral Economics und der Neuroökonomie ein verändertes Menschenbild zu belegen.

Daneben bemühen sich unzählige Naturwissenschaftler um die Übertragung evolutions- und neurobiologischer Erkenntnisse auf sozialwissenschaftliche, darunter auch ökonomische Fragestellungen. Auch hier kann eine Aufzählung nur unvollständig bleiben mit Antonio Damasio, Edward O. Wilson, David Sloan Wilson, seinem Evolution Institute und der Initiative Rebuilding Macroeconomics sowie zahlreiche Autorenbeiträge auf der Webseite Evonomics. Weiter könnte man hervorheben den österreichisch-US-amerikanischer Mathematiker und Biologe Martin Novak, den Nobelpreisträger und Neurowissenschaftler Eric Kandel, den Evolutionsforscher Axel Lange und den Neurowissenschaftler Gerhard Roth aus Bremen sowie den Biologen und Neurowissenschaftler Robert Sapolsky von der Stanford University.

Die Wirtschaftswissenschaften verwenden als „verwissenschaftlichte Techniklehre“[11] ein ausgefeiltes Toolset, das sich für viele Anwendungen bewährt hat. Aber die Ökonomie wendet ihre Instrumente sehr breit auch auf menschliche Verhaltensanalyse und Entscheidungsfindung an. Hier ist die Ökonomie aber weit davon entfernt, über einen vollständigen Satz an Werkzeugen zu verfügen.[12] Die Neurowissenschaften haben dagegen insbesondere in den letzten 20 Jahren direktere Untersuchung von Verhaltensmechanismen ermöglicht und naturwissenschaftlich fundiert Modelle zur Erklärung menschlichen Verhaltens entwickelt und verfeinert. Frank Urbaniok weist neben vielen anderen darauf hin, dass der »homo oeconomicus«, der theoretisch immer rational nach dem für ihn größtmöglichen Nutzen handelt, ähnlich wie die unsichtbare Hand des Marktes eine Fiktion sei, die ökonomische Modelle verderbe, weil diese Vereinfachungen der Komplexität individueller und gruppenbezogener menschlicher Entscheidungen und Verhaltensweisen in keiner Weise gerecht werden.[13] Es wird daher mit den neueren Erkenntnissen immer schwieriger zu akzeptieren, warum Natur- und Sozialwissenschaften sich getrennt bewegen. Daneben erhebt die Ökonomik den Anspruch, die Wirtschaftspraxis gestalten zu wollen und hat dazu ihre jeweiligen ökonomischen Betrachtungsfelder in verschiedenste Pakete zerlegt, die getrennt ohne gemeinsame methodologische Basis (man denke an so unterschiedliche Felder wie Volkswirtschaftstheorie, -politik, Mikrotheorie, Wettbewerbslehre, Management, Marketing oder Personalwirtschaft) arbeiten. Jede Gruppe hat dazu ihr eigenes Set von Annahmen und eigene Methoden entwickelt.

2. Evolutionstheorie: Erweiterter Synthese und Multilevel-Selektion

Wer die diese bisher Reihe verfolgt hat, wird nicht überrascht sein, dass als Grundlage eine moderne Variante der Evolutionstheorie dient.[14] Ihr Kern wird heute von kaum einem Wissenschaftler bestritten.[15] Evolution bezieht sich eigentlich auf ein langanhaltendes Geschehen in der Natur, führt aber auch aus der Natur heraus.[16] Die moderne Evolutionstheorie in der Fassung der erweiterten Synthese wird schon lange nicht mehr (und wurde noch nie) auf einen Kern wie „das Überleben der Stärksten“[17] reduziert. Im Gegenteil, sie gilt heute als sehr variantenreich. Die „erweiterte Synthese“[18] bezieht neben den üblichen Selektionsmechanismen, insbesondere auch die (epi-)genetischen Evolution[19], die Multilevel-Selektion und kulturelle Veränderungen mit ein. Die Modelle der Evolutionstheorie beinhalten bereits Annahmen über das Verhalten von Individuen. Daraus folgt bereits eine erste Schnittstelle zur Ökonomie, denn das “Herzstück jeder Wirtschaftstheorie muss eine Theorie des menschlichen Verhaltens sein,”[20] denn Menschen handeln auch in der Wirtschaft nicht wie ein regelbasierter Roboter, sondern wie es ihre (Neuro)-Biologie zulässt.

Wie im Beitrag 3 „Exkurs Evolutionsforschung“ ausführlicher dargestellt, besteht die Evolutionstheorie aus verschiedenen Teilkomponenten[21], von denen die Multilevel Selection Theorie (MLS)[22] eine besondere Bedeutung hat. Nach ihr ist die Selektion über verschiedene biologische und soziale Ebenen verschachtelt. [23] Selektion erfolgt also nicht bezogen auf ein bestimmtes Merkmal hin, sondern auf unterschiedliche Merkmale verschiedener Ebenen. Die MLS als Bestandteil der erweiterten Synthese postuliert, dass die natürliche Selektion gleichzeitig auf mehreren biologischen Ebenen arbeiten kann, wie auf Ebene der Gene (Allele, Epigene), der Körperbiologie, aber auch auf der Ebene menschlichen Verhaltens sowie dem Verhalten verschiedenen Gruppen von Individuen. David Sloan Wilson fasst die Elemente der Multilevel-Selektions-Theorie so zusammen:[24]

1. Die natürliche Auslese basiert auf der relativen Fitness. Es spielt keine Rolle, wie gut ein Organismus absolut gesehen überlebt und sich fortpflanzt; es kommt nur darauf an, dass er dies besser tut als andere Organismen in seiner Umgebung.

2. Soziale Verhaltensweisen kommen fast ausnahmslos in Gruppen von Individuen zum Ausdruck, die im Vergleich zur gesamten sich entwickelnden Population klein sind. Daher sind fast alle sich entwickelnden Populationen Multigruppen-Populationen. Die Gruppen bilden, lösen sich auf und sind je nach Art auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden, was kollektiv als Populationsstruktur bezeichnet wird.

3. Die natürliche Auslese unter Individuen innerhalb einer bestimmten Gruppe tendiert dazu, eigennützige Verhaltensweisen wie Trittbrettfahren und aktive Ausbeutung zu begünstigen, die im Vergleich zu gruppendienlichen Verhaltensweisen wie Altruismus und der Bereitstellung öffentlicher Güter für die gesamte Gruppe an Häufigkeit zunehmen.

4. Ein Verhalten „zum Wohle der Gruppe“ erfordert, dass die Mitglieder Zeit, Energie und Risiko füreinander aufwenden, was ihre persönliche Fitness im Vergleich zu den Mitgliedern senkt, die die Dienste nicht erbringen.

5. Wenn sich gruppendienliche Verhaltensweisen nicht durch gruppeninterne Selektion entwickeln (und häufig abgelehnt werden), dann müssen sie sich durch die Selektion zwischen Gruppen entwickeln.

3. Fundament für ein Minimum Viable Model of Economics

Aus den gesammelten Erkenntnissen dieser Beitragsreihe kristallisieren sich einige Bausteine für ein neues Fundament der Ökonomie heraus. Wie auch immer dieses neue Fundament einmal im Detail aussehen mag, es muss naturwissenschaftlich fundiert sein und damit im Einklang mit den Erkenntnissen der Evolutionstheorie und Neurobiologie stehen.

Nach diesem Modell hat die natürliche Selektion unsere neurobiologischen Mechanismen geformt, um auf unterschiedlichen Verhältnisse in positiven und negativen Umgebungen reagieren zu können. Diese Reaktionen sind nicht willkürlich, sondern dienen dazu, unsere Entwicklung und unsere Verhaltensstrategien adaptiv zu kalibrieren, um uns an diese Umgebungen anzupassen.[25]

Neurobiologen können zeigen, dass alles, was wir wahrnehmen, fühlen, denken und tun in engstem Zusammenhang mit Gehirnprozessen steht, die ihrerseits von genetischen und epigenetischen Faktoren sowie vorgeburtlichen und nachgeburtlichen Einflüssen bedingt sind.[26]

a. Evolutionsbiologische Bausteine

Den Prozess der Entwicklung von Lebensformen beschreibt die Evolutionstheorie in der in der modernen Fassung der erweiterten Synthese[27] Daraus lassen sich insbesondere folgende Bausteine ziehen.

Baustein 1: Alles Physische und Biologische entsteht aus etwas Vorhergehendem

Ausgangspunkt ist die biologische Welt, die vor etwa 3,8 Milliarden Jahre[28] mit der Entstehung des Lebens begann. Was dabei Leben ist und wie es entstanden ist, bleibt hier offen, denn es gibt noch „keine allumfassende Definition in der Wissenschaft, die das Leben und somit auch den Startpunkt des Lebens erklärt.“[29] Klar ist aber, dass alles „Neue“ letztlich aus etwas Vorhergehenden (principle of continuity) entstehen muss.

Die biologischen Ebenen sind hierarchisch organisiert: Atome, Moleküle, Organellen, Zellen, Gewebe, Organe, Organ-Systemen, Organismen, Populationen, Lebensgemeinschaften, Ökosysteme und Biosphären. Durch Innovation, Replikation und Selektion entsteht ständig Neues. Selektion wird dabei oft als Synonym für Evolution verwendet. Das ist streng genommen nicht korrekt, da die Evolution weiter gefasst ist und auch die Innovation und die Reproduktion umfasst. Außerdem suggeriert der Begriff „Selektion“ fälschlicherweise eine bewusste oder sogar zielgerichtete Handlung.[30] Selektion ist aber kein Gesetz wie die Schwerkraft, sondern eine Ansammlung ziemlich heterogener Prozesse. Innovation gilt als der Komplementär der Selektion, indem sie neue Vielfalt schafft. Sie fungiert als eine ausgleichende und teilweise zufällige[31] Kraft. Innovation funktioniert oft dadurch, dass sie bereits Vorhandenes zu neuen Einheiten zusammenführt. [32]

Baustein 2: Biologische Systeme gelten als emergent und komplex adaptive Systeme

Leben wird als emergentes System verstanden. Emergente Systeme liegen vor, wenn verschiedene Elemente zusammenkommen und durch gegenseitige Beeinflussung ein System bilden, das sich nicht allein durch die Analyse seiner Bestandteile erklären lässt.[33] Ein Phänomen kann also nicht allein dadurch verstanden werden, indem es in seine Einzelteile zerlegt wird, weil[34] dies die dynamische Komplexität, die das zentrale Merkmal jedes Menschen, jeder Kultur und jeder Gesellschaft ist, kaum erklären kann. [35]

Es ist allgemein akzeptiert, dass die einfacheren, kleineren Komponenten vor den komplexeren Verbundsystemen erscheinen. Biologische Systeme sind dabei „mehr als die Summe ihrer anorganischen und organischen Bestandteile. Was lebende Systeme von den Einzelelementen, aus denen sie bestehen, unterscheidet, ist fortwährende molekulare Kooperation und Kommunikation nach innen und nach außen.“[36] Die Schaffung neuer höherer Ebenen aus einfacheren Einheiten wird als eine „evolutionären Übergang“ bezeichnet.[37] Auch alle Merkmale jedes heute lebenden Menschen sind in hunderten Millionen Jahren Stammesgeschichte aus der Evolution entstanden. „Dazu zählen auch die Strukturen und Funktionen des menschlichen Gehirns, welches in enger Abstimmung mit dem Körper den „Geist“ hervorbringt, die Denk- und Reflexionsfähigkeit, das Bewusstsein und die komplexen Persönlichkeitsmuster.“[38]

Die Welt der lebenden Körper ist extrem kompliziert und eine auf das Feinste abgestimmte Welt „chemischer und physikochemischer Prozesse auf, die noch weit davon entfernt ist in ihrer Gesamtheit aufgeschlüsselt zu werden.“ [39] Auch die Leistungsfähigkeit von Gehirnen lässt sich nicht allein durch die Subsysteme erklären. „Das Gesamtsystem „Gehirn“ generiert Weisen subjektiver Wirklichkeitserfahrungen, Weisen unseres Erlebens, denen Qualitäten eigen sind, die insofern emergent sind, als sie von Subsystemen nicht erbracht werden können.“[40]

Emergenz bedeutet auch, Verhalten lässt sich nicht im Sinne des methodologischen Individualismus nur unter Bezug auf ein Individuum erklären, sondern nur in einem Kontext, weil das Ganze etwas anderes ist als die Summe seiner Teile“, wobei dieses „Andere“ eben diese emergenten Eigenschaften sind.[41]

Das Problem mit der Emergenz besteht nach David Brooks darin, “dass es in emergenten Systemen sehr schwierig ist, die »eigentliche Ursache« eines Problems aufzuspüren.”[42] Vielleicht neigen daher viele Menschen dazu, in ihren sozialen Bezugsgruppen einfachen und deterministischen Welterklärungen zu glauben.

Baustein 3: Überleben und Reproduktion als zentrale biologische Zielsetzung

Eine zentrale biologische Zielsetzung ist das Überleben und die Reproduktion der Gattung sicherzustellen. Biologisch rational ist danach, was dem Individuum sowie der Gruppe oder Gattung eine lange Lebensdauer ermöglicht (evolutionäre Rationalität).[43] Manche Konstruktionsschwächen unserer Wahrnehmung[44] und unseres Urteilsvermögens (z.B. im Sinne von Daniel Kahneman[45]), sind möglichweise im Sinne der Evolution gar kein Mangel, „sondern in Kauf genommene Schwächen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.“[46]

Die Evolutionstheorie in der modernen Fassung der erweiterten Synthese bietet auf biologischer Grundlage ein deutlich differenzierteres Verhaltensmodell für den Menschen an. Gesteuert wird das Verhalten durch das neurobiologische System im Körper und insbesondere im Gehirn. Das Startset des neurobiologischen Systems wird wiederum bestimmt durch genetische, und epigenetische Determinanten. Zu diesen Einflussfaktoren gehören u.a. die Hormone, die auf bestimmte innere und äußere Reize produziert werden und bestimmte Verhaltensweisen/Gefühle stärken und/oder schwächen und daraus wieder (innere und äußere) Reaktionen aktivieren.

Das Prinzip der egoistischen Selbstbehauptung ist vor allem evolutionär durch die Interessen Überleben und Fortpflanzung bestimmt, wenn es um Ressourcen und Beziehungen zu anderen Menschen geht.[47]

Zu den Verhaltensweisen gehört auch das „schmutzige Instrumentarium“, das etwa Lügen, Täuschung, Manipulation, Stehlen und vernichtende Gewalthandlungen enthält. „Das Attribut »schmutzig« bringt zum Ausdruck, dass es sich um Verhaltensweisen handelt, die aus einer humanistischen Perspektive gesehen negativ besetzt sind. Es handelt sich also um moralisch zu verurteilende Verhaltensweisen.“ Aber evolutionäre Entwicklungen orientieren sich nicht an moralischen Kriterien. „Sie richten sich nach dem Kriterium der Zweckmäßigkeit im Hinblick auf das Überleben und die Reproduktion einer Art. Das schmutzige Instrumentarium kann dem Prinzip der egoistischen Selbstbehauptung bzw. dem Willen zur Macht zugeordnet werden. Denn offensichtlich widerspricht es dem anderen Pol der menschlichen Natur (Kooperationspotenzial), der durch soziales Miteinander und Bindungsfähigkeiten gekennzeichnet ist.“[48]

Die natürliche Selektion ist ein eigenständiger, mechanistischer Prozess, der seine Spuren sowohl im Körperbau der Organismen als auch in der Struktur ihrer Genome hinterlässt.[49] Das Konzept der Selektion (natural selection) war für Charles Darwin eine plausible Erklärung für Evolutionsvorgänge auf der Grundlage von Veränderlichkeit.

Baustein 4: Menschen kooperieren auf verschiedenen Ebenen mit und grenzen sich von anderen Menschen(-Gruppen) ab (Multilevel-Selektion)

Menschen verfügen wie auch andere Tiere über ein Set sozialer Lösungen und Strategien, um mit der Umwelt zurechtzukommen.[50] Leben entsteht durch (soziale) Kooperation[51] und ist ständig der Bedrohung durch Konfrontation und Konkurrenz ausgesetzt. Sich ständig verändernde Gruppen von Individuen mit unterschiedlicher Identität (etwa Familien, Paare, Verwandte, Freunde, Kollegen, Vereinen, Stamm, Volk, Land, Region und beliebige weitere Gruppen) und damit verbundene psychologische, körperlichen und gesellschaftlich-politische, kulturelle Eigenschaften werden mit den ihnen verfügbaren Mitteln sich für ihre Gruppen einsetzen.[52] Anders ausgedrückt: „Die Kooperation entstand in der Evolution als Zwilling der Konkurrenz, die zur Selektion jener Organismen führte, die über die produktivsten Strategien verfügten.“ [53] Während die Mitglieder innerhalb ihrer jeweiligen Bezugsgruppen meist kooperieren, stehen sie im Wettbewerb/Konflikt mit außenstehenden Gruppen. [54]

Aus evolutionärer Sicht ist das Leben in sozialen Gruppen sehr nützlich. Die Gruppenmitgliedschaft bietet bessere reproduktive und schützende Funktionen sowie einen besseren Zugang zu Gütern, die sonst vielleicht nicht verfügbar gewesen wären. Unsere angestammte Vergangenheit zeigt die Vorteile des mit der Primatensozialität verbundenen Verhaltens auf und legt nahe, dass kollektive Gruppenprozesse das Überleben unserer individuellen Fähigkeit zur Anpassung an das Gruppenleben gefördert haben.[55] Der Grund dafür, dass einzelne Menschen ihr Überleben und ihre Fortpflanzungs-Gelegenheit riskieren, um Teil einer Gruppe zu werden, liegt darin, dass Gruppen in der Lage sind, ihr Mitglieder besser davor schützen, eliminiert zu werden.[56] Und tatsächlich lässt sich zeigen, dass Menschen ihr Verhalten gegenüber ihrer sozialen Bezugsgruppe so anpassen, dass sie ihre eigenen Überzeugungen zurückstellen. Mit anderen Worten, sie würden sich anderen Personen gegenüber weniger wie sie selbst verhalten, sondern eher wie es die soziale Identität der Gruppe erwartet.[57]

In Gruppen nähern sich Menschen also über die Aktivierung des Kooperationspotenzials einer Gruppenidentität an und relativieren dabei ihre individuelle Identität bezogen auf die jeweilige Gruppe. Dieses Kooperationspotenzial umfasst zahlreiche soziale Eigenschaften wie Reziprozität, gegenseitige Fairness, Ungleichheitsaversion, reiner Altruismus, altruistische Bestrafung, Trotz, Neid, Vergleich und Statussuche.[58]

Kooperation bedeutet daneben auch Abgrenzung als ein Mechanismus, um Identitäten zu schaffen oder zu schärfen. Familienmitglieder grenzen sich gegenüber Nicht-Familienmitgliedern, Bewohner eines Stadtviertels empfinden sich als Gemeinschaft und grenzen sich von Bewohnern anderer Viertel ab. Ähnlich Prinzipien gelten für Ländern, Regionen, Religionen, Unternehmen, Teams in Unternehmen, wobei Abgrenzung oft einhergeht mit einer zugespitzten Rivalität.[59]

Abgrenzung „ist nicht der einzige Mechanismus, aus dem sich Identitätserleben speist, aber es ist ein sehr mächtiger, archaischer, allgegenwärtiger und oft auch gefährlicher Mechanismus.“[60] Auch wenn es aufklärerischen Idealen und humanistischen Prinzipien widerspricht[61], zeigen Geschichte und Gegenwart des menschlichen Verhaltens wie wenig Menschen sich „vom archaischen evolutionären Spannungsfeld zwischen der egoistischen Selbstbehauptung bzw. dem Willen zur Macht und dem evolutionären Kooperationspotenzial“ wegbewegt haben.[62]

Generell hat die Evolution die Prinzipien der Kooperation und Konfrontation/Abgrenzung innerhalb der menschlichen Entwicklung in ein nie zuvor gekanntes Ausmaß selektiert. „Beide Prinzipien haben nach wie vor auf unser Denken, auf unsere Wahrnehmung, aber vor allem auch auf unsere Handlungen einen entscheidenden Einfluss.“[63]

Die Gruppenselektion ist nicht nur auf biologische Vorgänge beschränkt, sondern beinhaltet auch soziale und kulturelle Faktoren. Die Entwicklung gruppeneinheitlicher sozialer Normen, die durch Belohnungs- und Bestrafungssysteme, prestigebasierte und konformistische Imitation und Gruppenbildung verstärkt werden, sind wichtige Elemente kultureller Gruppenselektion.[64]

Nach der Multilevel-Selektions-Theorie (MLS) können Gruppen von Individuen funktionelle Organisationen bilden. Soziale Normen und institutionelle Führungsstrukturen können dazu dienen, individuelle Niveauunterschiede und Konkurrenz zu reduzieren und damit die Selektion auf die Gruppenebene zu reduzieren. Die Menschen haben individuelle und soziale Bedürfnisse und sind in der Lage, diese Bedürfnisse durch egoistische und sozial kooperative Verhaltensweisen durchzusetzen. Dabei schlägt Egoismus nach Wilson und Wilson Altruismus innerhalb von Gruppen. Altruistische Gruppen schlagen aber egoistische Gruppen.“ Die Geschichte der menschlichen Zusammenarbeit kann als ein Kampf zwischen egoistischem Individualismus und Gruppensozialität verstanden werden.[65]

Nach der MLS können Menschen also in ihren Gruppen kooperieren und mit ihrer Gruppe gegen andere Gruppen defektieren. In Abhängigkeit von kulturellen und neurobiologischen Faktoren (siehe Abschnitt Neurobiologische Bausteine) verhalten sich Menschen in sonst gleichen Situationen unter gleichen Rahmenbedingungen innerhalb ihrer jeweiligen Bezugsgruppe unterschiedlich.

Für das Zusammenhalten von Gruppen spielen Narrative eine große Rolle. Das Erzählen und Verstehen von Geschichten erfordert ein komplexes symbolisches Denken, das, so eine gängige Vermutung, einzigartig für den Homo sapiens ist. Narrative verstärken unsere soziale Natur. Das Geschichtenerzählen mag als einfache mündliche Tradition begonnen haben, aber die Entwicklung der Schriftsprache bedeutete, dass sich unsere Erzählungen genau auf die Erzählung der Vergangenheit stützen konnten.[66] Das Wort Narrativ wird oft mit Geschichte bzw. dem englischen Begriff Story gleichgesetzt. In der modernen Bedeutung, die Robert Shiller präferiert, versteht man darunter „eine Geschichte oder Repräsentation, die man verwendet, um eine Gesellschaft, Ära et cetera zu erklären oder zu rechtfertigen.“ Geschichten beschränken sich dabei nicht nur auf eine einfache Wiedergabe von Ereignissen. „Eine Geschichte kann auch ein Lied, ein Witz, eine Theorie, eine Erklärung oder ein Plan sein, der einen emotionalen Widerhall findet und sich einfach in einer normalen Unterhaltung wiedergeben lässt.“[67] Shiller hält Narrative für wichtige Vektoren einer schnellen Veränderung der Kultur, des Zeitgeistes und des ökonomischen Verhaltens.[68]

Baustein 5: Selektion hat neurobiologischen Mechanismen geformt

Die Evolution hat über Millionen Jahre aus tierischen Vorfahren unsere neurobiologischen Mechanismen geformt, um auf unterschiedlichen Verhältnisse in positiven und negativen Umgebungen reagieren zu können. Nach der Entstehung der Zellen hat die Evolution mit den ersten Lebensformen auch die heutigen neurobiologischen Grundlagen geschaffen, aus denen sich die Bestimmungsfaktoren für das Verhalten ableiten lassen. Das bedeutet auch, „unser Geist ist nichts Ungreifbares; man kann ihn mit biologischen Begriffen erklären.“[69]

a. Neurobiologische Bausteine

Weil die Evolutionstheorie mit Blick auf das individuelle Verhalten zu grob gehalten ist, bedarf es eines Scharniers, dass das individuelle Verhalten besser modelliert. Dieses Scharnier stellt die Neurobiologie[70] dar. Die Neurowissenschaften liefern eine naturwissenschaftliche Fundierung auch des ökonomischen Verhaltens und damit ein viel realitätsnäheres Verhaltensmodell.

Der Versuch, in dieser Beitragsreihe die neurobiologischen Grundlagen zu skizzieren, bleibt zwangsläufig unvollständig, weil selbst Neurowissenschaftler sagen, dass die vollständige Entschlüsselung des Gehirns wahrscheinlich keine Leistung, die in absehbarer Zeit zu vollbringen ist. Selbst die größten Neurowissenschaftler „verstehen nur einen Bruchteil dessen, was es über die Funktionsweise des Gehirns zu wissen gibt.“[71]

Hier kann ich daher nur ausgewählte Elemente neurobiologischer Grundlagen skizzieren. Wer sich gezielt in die moderne Neurobiologie einlesen will, dem empfehle ich die hier zitierte Literatur sowie die Literaturliste in Teil X und daraus insbesondere die Bücher von Robert Sapolsky, Gerhard Roth und Jaak Panksepp. Daneben gehen insbesondere die Teile XVIII und XIX tiefer auf neurobiologische Grundlagen sowie auf Emotion und Motivation ein.

Baustein 6: Das „Neuronale“ und das „Psychische“ bilden eine untrennbare Einheit: Alle unsere geistigen Prozesse werden aus dem Gehirn vermittelt

Zu jedem psychischen Vorgang existiert ein bestimmtes neuronales Korrelat, das sich im Rahmen naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten beschreiben lässt.[72] Geistige Vorgänge sind also biochemische und neuronale Regelkreise (incl. Hormonsystem) und damit kausal an Hirnprozesse gebunden.[73] Das Gehirn baut mithilfe unbewusster und bewusster Prozesse eine innere Repräsentation der Außenwelt auf, die dann unser Verhalten und unsere Gedanken lenkt.[74] Zum Psychischen zählen Neurowissenschaftler:

  1. Alle bewussten kognitiven Leistungen wie Wahrnehmen, Erkennen, Denken, Vorstellen, Erinnern und Planen;
  2. alle emotionalen, als intentional verstandenen Zustände wie Freude/Glück, Furcht, Ärger, Furcht, Ekel usw. und
  3. alle Stimmungen, die als affektiver Hintergrund des Erlebens verstanden werden können und dann ebenfalls einen intentionalen Charakter („affektive Intentionalität“) aufweisen, auch wenn sie nicht auf einzelne Sachverhalte, sondern auf die allgemeine Befindlichkeit in der Welt gerichtet sind. [75]

Die Vorgänge, die wir Gedanken und Gefühle nennen und andere Formen der Verarbeitung basieren auf biochemischen und bioelektrischen Verarbeitungsprozesse unter Beteiligung verschiedener Hirnregionen innerhalb des menschlichen Organismus.[76] Gefühle, Gedanken wie rationales Denken oder andere Reaktionen sind damit aus Sicht des Gehirns gleichwertig. Daher ist es auch problematisch gefühlsmäßige Reaktionen mit „irrational“ eine negative Konnotation mitzugeben. Dazu schreibt Damasio

„Hätte der Mensch nicht die Möglichkeit, Körperzustände zu empfinden, die … als unangenehm oder angenehm definiert sind, gäbe es in seinem Leben kein Leid und keine Seligkeit, keine Sehnsucht und kein Erbarmen, keine Tragödie und keinen Ruhm.“[77] Der Mangel an Gefühlen gilt daher ebenso als eine wichtige Ursache für „irrationales“ Verhalten. [78]

Die Hirnforschung geht also davon aus, „dass sich die Persönlichkeit und die Psyche eines Menschen in unauflöslicher Einheit zusammen mit dem Gehirn entwickeln, genauso wie dies für den Bereich der Wahrnehmung, der kognitiven Leistungen wie Denken, Vorstellen und Erinnern, der sprachlichen und nichtsprachlichen Kommunikation, der Motorik und Verhaltenssteuerung zutrifft. Diese Zustände und Vorgänge werden durch Aktivitäten in kleineren und größeren Netzwerken im Gehirn hervorgebracht, die– wenn entwickelt– auf diese Netzwerke zurückwirken und diese möglicherweise längerfristig verändern.“[79]

Baustein 7: Evolutionär jüngere Bestandteile des Gehirns ergänzen alte Bestandteile, die biologische Ziele Überleben und Reproduktion realisieren.

Nach den neurobiologischen Erkenntnissen steuern Menschen ihr Verhalten nicht allein durch ihr Bewusstsein. Unser über Millionen Jahre evolvierte Gehirn hat eine Reihe arterhaltender Verhaltensweisen bzw. „biologischer Programme“ verankert. Menschen können daher nur solche Verhaltensweisen „wählen“, die das Motivationssystem „absegnet“. Dies hat sich in der Vergangenheit als evolutionär erfolgreich erwiesen.[80] Dabei geht die Beziehung angeborener Überlebensfunktionen zu Emotionen schon auf Charles Darwin zurück. Neurowissenschaftler gehen seit langem davon aus, dass bestimmte emotionale Motivationsaktivitäten mit dem Gehirn verdrahtet sind, und dass diese Funktionen zum Überleben und Wohlbefinden des Organismus beitragen.[81]

Das menschliche Gehirn hat im Laufe der Evolution verschiedene Entwicklungsebenen[82] herausgebildet. Sie sorgen mit unterschiedlichen Subsystemen über neurobiologische Prozesse für die Erfüllung der Metaziele Überleben und Fortpflanzung. Die neuronalen Subsysteme sorgen z. B. mit ihrem bewusst und unbewusst ausgelösten Verhalten dafür, dass auch in kritischen Situationen überlebenssichernde Reaktionen gewählt werden können.

Eine zentrale Erkenntnis ist, dass das „Denksystem“ das eher „automatisch“ funktionierende Gefühlssystems ergänzt.[83] Dazu hat die Evolution im menschlichen Gehirn alte Bestandteile nicht durch neuer ersetzt, sondern ergänzt und weiterentwickelt. Dazu gehören insbesondere die limbische und kognitive Ebene.[84] Die evolutionär älteren Teile des menschlichen Gehirns steuern wichtige Funktionen für Nahrung, Zuflucht und Fortpflanzung. Neuere Hirnstrukturen können nur sinnvoll arbeiten, wenn die alten Basisstrukturen des Gehirns (Hypothalamus, Gehirnstamm) intakt und kooperativ sind.[85] Wenn nämlich unser Denken und Bewusstsein das Überleben sichern sollen, dann müssen sich die evolutionär neueren Hirnsysteme den Funktionen unterwerfen, die für den Fortbestand des Organismus notwendig sind.[86]

Gehirne werden wie alle biologischen Strukturen über Gene aufgebaut und reguliert.[87] Das bedeutet nicht, dass alles Verhalten genetisch bedingt ist. Wenn die grundlegende biologische Regulation das persönliche und soziale Verhalten so nachdrücklich beeinflusst, dann, so die These von Damasio, hat sich im Zuge der Evolution wahrscheinlich eine Gehirnstruktur durchgesetzt, in der die für die Denk- und Entscheidungsprozesse zuständige Teilsysteme aufs engste mit den Subsystemen verknüpft sind, die sich mit der biologischen Regulation befassen und so gemeinsam bestrebt sind, das Überleben zu sichern.[88]

Das menschliche Verhalten wird mindestens beeinflusst durch:

  • verschiedenen Funktionen der Zellen im Gehirn und des Nervensystems,
  • den Neuromodulatoren und Neurotransmittern, die als chemische Substanzen die Arbeitsweise desNervensystems beeinflussen,
  • (epi-)genetische Systeme,
  • (kulturelle) Außeneinflüsse bzw. Lebensbedingungen,
  • kognitive Leistungsfähigkeit und
  • emotionalen und motivationalen Faktoren.

Das Gehirn verbraucht mit begrenzten Ressourcen bei ca. 2% der Körpermasse mit 20 Prozent relativ viel Energie.[89] Ein durchschnittlicher Gedanke schreitet in der Geschwindigkeit von 0,3 bis 3 bis Sekunden voran.[90] Das Gehirn versucht daher Energie und Zeit zu sparen und vereinfacht Wahrnehmungsvorgänge[91], also

  • selektiert bewusste Wahrnehmung,
  • vereinfacht Erkenntnisvorgänge auf ihren Kern,
  • routiniert Abläufe,
  • reagiert auf ankommende Reize möglichst standardisiert.

Entscheidungen beruhen auf einer Vielzahl unterschiedlicher, stark vereinfachender Mechanismen.

Weil die Verarbeitung im menschlichen Gehirn durch begrenzte Zeit- und Energieressourcen gekennzeichnet ist,[92] kann die vollständige und umfassende Auswertung von Informationen nicht das primäre Ziel des Gehirns sein. Die Lösung für die begrenzten Zeit- und Energieressourcen ist daher vereinfachtes und schnelles Erkennen und Interpretieren von Sachverhalten aufgrund von auch unterbewusst gespeicherten Erfahrungen[93] und die Anwendung von Faustregeln. Das umfasst auch die Aufmerksamkeitssteuerung. „Wie komplex diese Aufmerksamkeitssteuerung ist, merken wir daran, dass wir nicht beliebig viele verschiedene Dinge mit derselben hohen Aufmerksamkeit verfolgen können.“[94]

Baustein 8: Verschiedene neuronale Systeme prägen über bewusste und unbewusste Emotionen und Motivation fluide das menschliche (Entscheidungs-)Verhalten

Neurowissenschaftler haben herausgearbeitet, dass der großen Vielfalt positiver und negativer Wünsche, Ziele, Erlebnisse und Erwartungen zwei Grundzustände zugrunde liegen: Appetenz und Aversion[95]. Diese können unterschiedlich ausgeprägt sein, wie etwa bei einem positiven Zustand von ruhiger Zufriedenheit bis hin zu rauschhafter Freude mit der Ausschüttung eines Cocktails endogener Opioide und Cannabinoiden, Serotonin und Dopamin.[96] Den Menschen treibt daher ganz allgemein nach Roth die Affektoptimierung an, also 1. Das Streben nach der Herbeiführung von Ereignissen, die positive (appetitive) Gefühlszustände anregen, und 2. solche zu vermeiden, die zu negativen (aversiven) Gefühlszuständen führen.“ [97] Die Ökonomie und andere Sozialwissenschaften neigen dazu Emotionen als einen verzerrenden „Zusatz“ von Verhaltensprozessen zu betrachten. Die Neurowissenschaft hält dagegen die biologische Basis für Emotionen als Kern der Psychologie. Nicht einmal „logisches Denken“ wäre ohne ihren Beitrag sinnvoll ist.[98]

Gefühle gehören nach Kandell zum Frühwarnsystem des Gehirns und sind als solche eng mit den uralten Überlebensmechanismen unseres Körpers verknüpft. Sie gehören zu einem vorsprachlichen System der sozialen Kommunikation, das wir mit anderen Säugetieren gemeinsam haben.[99] Emotionale Systeme sind die primären kausalen Mechanismen, die unserer Persönlichkeit zugrunde liegen und emotionale und andere motivierte Handlungen steuern. [100] Es gibt keine Verarbeitung von Sinneseindrücken ohne affektive Bewertung. Dies ist bereits angelegt seit Beginn der Stammesgeschichte der Wirbeltiere.[101]

Emotionen sind damit eine Voraussetzung dafür, dass der Mensch sich überhaupt verhalten kann. Ohne die Emotionen Angst und Gier könnten nicht einmal ökonomische Entscheidungen getroffen werden[102]. Zur Emotion gehört ein subjektives, innere Gefühlserlebnis, „mit dem wir bewusst wahrnehmen, wie wir uns fühlen.“ In Anlehnung an Antonio Damasio wird das Wort »Emotion« nur für die beobachtbare, unbewusste Verhaltenskomponente verwendet, während das subjektive Erlebnis dieser Emotion als »Gefühl« bezeichnet wird.[103]

Dabei verändert sich unser subjektives emotionales Erleben ständig, „weil unser Gehirn die Chancen und Risiken eines wandelbaren sozialen Umfeldes überwacht und uns signalisiert, mit welchen Reaktionen wir sie am besten bewältigen. Ohne solche emotionalen Beurteilungen würden wir die Welt ohne Bezugspunkt als Abfolge zufälliger Ereignisse wahrnehmen – das heißt, ohne Ichgefühl.“ [104]

Baustein 9: Gehirne statten Menschen mit Basisemotionen aus, die das Überleben sichern und soziale Eigenschaften fördern[105]:

Emotionen helfen das neurobiologische Belohnungs- und Bestrafungssystem zu steuern, damit aus Sicht der persönlichen Neurobiologie ein vorteilhaftes Verhalten entsteht. Menschen verhalten sich entlang ihrer Motivationssysteme, die bedingt durch die neurobiologischen Prozesse starken Schwankungen unterliegen kann, also fluide sind. „Allen diesen Motiven liegt das universelle Prinzip zugrunde, das anzustreben, was in irgendeiner Weise angenehm oder vorteilhaft erscheint, und das zu meiden oder zu beenden, was schmerzhaft oder nachteilig ist.“[106]

Mit den neurobiologische fundierte Persönlichkeitsmerkmalen nach Roth und Strüber (sie nennen das psychoneuronale Grundsysteme) sowie den Motivationssystemen nach Panksepp lassen sich die neurobiologischen Aktivitäten hinreichend vereinfachen auf verhaltensbeeinflussenden Aktivitäten des Gehirns[107]. Sie werden neurobiologisch ausgelöst über das Nerven- und Hormonsystem. Die Ausprägungen sind durch Gene und über epigenetische Einflüsse auch durch Kultur und Umwelt beeinflusst. Manche Forscher sprechen hier auch von Basisemotionen, also den Emotionen, die bei Menschen in der ganzen Welt universell vorkommen und ebenfalls bei unseren uns nahestehenden tierischen Vorfahren zu finden sind.[108]

Psychoneuronale Grundsysteme (nach Roth und Strüber):

  1. Stressverarbeitungssystem: „soll dem Organismus möglich machen, körperliche wie psychische Belastungen und Herausforderungen zu bewältigen. Hierzu gehört, wie schnell und genau er potenziell negative und bedrohliche Dinge erkennt und das Stresssystem Körper und Gehirn aktivieren und die Aufregung dann wieder dämpfen kann. Dies ist Aufgabe des Stressverarbeitungssystems.“[109]
  2. Internes Beruhigungssystem (Emotionale Selbstkontrolle und Selbstberuhigung)[110]
  3. Internes Bewertungs- und Belohnungssystem (Belohnung und Belohnungserwartung, Motivation bestehend aus dem eigentlichen Belohnungssystem und dem Belohnungserwartungssystem[111]
  4. Impulshemmsystem (Impulskontrolle), um eigene Bedürfnisse für das soziale Leben zurückzuhalten[112]
  5. Bindungsverhalten: Hier „werden soziale Emotionen und Verhaltensweisen aller Art begünstigt, einschließlich Vertrauen und Empathie gegenüber angenehmen Sozialkontakten, elterliches Verhalten und viele weitere. … Das Oxytocin-Bindungssystem hängt zudem eng mit dem Belohnungs- und dem Belohnungserwartungssystem zusammen. Die Wirkung von Oxytocin geht häufig einher mit der Ausschüttung endogener Opioide, die das Wohlgefühl bei sozialen Kontakten vermittelt.“ [113]
  6. System des Realitätssinns und der Risikowahrnehmung: „Hier wird die Wahrscheinlichkeit eingeschätzt, dass ein bestimmtes Verhalten mit negativen Folgen verbunden ist.“ [114]

Eine ausführlichere Beschreibung findet sich im Beitrag XIX dieser Reihe Neurobiologische Emotions- und Motivationssysteme.

Panksepp hat sieben basisemotionalen Systeme neurobiologisch identifiziert,

  1. SEEKING: Erkunden, Suche nach Ressourcen, insbesondere über Dopamin gesteuerte Belohnungssystem
  2. RAGE/Anger: um diese Ressourcen zu konkurrieren und sie zu verteidigen,
  3. FEAR: vor körperlichen Gefahren zu fliehen und ihnen auszuweichen,
  4. LUST potenzielle Partner zu identifizieren und sich fortzupflanzen.
  5. CARE: Soziale Orientierung,
  6. PANIC/Sadness: das mächtige Trennungsnotsystem zur Aufrechterhaltung sozialer Kontakte und sozialer Bindungen
  7. PLAY/Social: das komplexe System, das zu regelmäßigen körperlichen Aktivitäten wie Ringen, Laufen und Jagen anregt und hilft, sich sozial zu binden und soziale Grenzen zu lernen und sich anscheinend auf das „Aufziehen“ und Scherzen überträgt, das auch im Erwachsenenalter noch Spaß macht.

Eine ausführlichere Beschreibung findet sich im Beitrag XIX dieser Reihe Neurobiologische Emotions- und Motivationssysteme

Jedes dieser Motivationssysteme hat entweder einen angenehmen Affekt (SEEKING, LUST, CARE und PLAY) oder einen, den man vermeiden möchte (RAGE, FEAR und PANIC) [115].

Diese Faktoren beeinflussen mit variablen Gewichtungen das Verhalten und sind außerdem fluide, das heißt sie schwanken ständig. Umgesetzt werden die Motivationssysteme über die Handlungssteuerung, die nicht über das kognitive System, sondern über das limbische System läuft. Die emotionale Bewertung dominiert damit also das rationale Handeln (siehe Baustein 11).[116] Die Basisemotionen können auch miteinander kombiniert werden. „Es gibt zwar Zustände, in denen ein intensives Gefühl dominiert oder ein Gedanke oder Gedankengang subjektiv emotionsfrei gedacht wird. Meistens wird aber in der Backstube ein Konglomerat hergestellt, das verschiedene Anteile enthält.“[117]

Wie alle Modelle vereinfachen die vorgenannten die Komplexität, hier also die verhaltensbeeinflussenden Aktivitäten des Gehirns. Es findet damit quasi ein Mapping zwischen den verbundenen neuronalen Systemen und Motivationen und Emotionen statt.[118] Die Vereinfachung mit Hilfe solcher Modelle ist notwendig, weil sich nicht von einer einzelnen Gehirnfunktion, etwa einer Zelle in der Amygdala oder einen Neurotransmitter wie Dopamin auf eine Emotion, Motivation oder Handeln schließen lässt. Erst aus der emergenten Betrachtung[119] lassen sich Verhaltensannahmen ableiten. Dazu sind die Modelle von Roth/Strüber und Panksepp sehr hilfreich.

Die Aufzählung der Basisemotionen ist nicht abschließend. Gestritten wird außerdem über die lokale Zuordnung zu bestimmten Gehirnbereichen. Eine globale interdisziplinäre Forschungsgemeinschaft arbeitet in einem Projekt zusammen, um verschiedene Forschungsbereiche zu vereinen und funktionelle neuronale Modelle für Emotionen, Motivation und verwandte Gefühle umfassend abzubilden. Das Projekt wird als „The Human Affectome Project“ bezeichnet) und hat verschiedene Arbeitsgruppen für Forscher aus Psychologie, Neuropsychiatrie, Neurowissenschaften, Ökonomie und Informatik.[120]

Baustein 10: Neurobiologische Systeme und Kognition fördern Gruppenzugehörigkeit/Kooperation sowie Konfrontation/Ausgrenzung

Für all unsere Entscheidungen, von den einfachsten bis zu den kompliziertesten, sind also Emotionen eine mächtige Triebfeder sind.[121] Eine wichtige emotionale Eigenschaft, sich an veränderte Umwelten anzupassen, verdanken Menschen ihren Fähigkeiten, zwischenmenschliche Netzwerke zu knüpfen.[122] Dieses Potenzial für Kooperation ist dadurch gekennzeichnet, dass „eigene Bedürfnisse und Ansprüche zumindest teilweise gegenüber legitimen Bedürfnissen und Ansprüchen anderer Menschen/Lebewesen“ relativiert werden. Das Potenzial für Kooperationen des Menschen basiert vor allem auf seiner Bindungsfähigkeit, für die es biologische Korrelate gibt.[123] Dazu gehört die Fähigkeit, Gefühle und Perspektiven anderer Lebewesen zu erkennen und nachzufühlen (auch als Theory of Mind bezeichnet und umgangssprachlich Empathie).

Die neurobiologischen Basissysteme (Baustein 9) zeigen bereits den Bezug zur Zugehörigkeit zu Gruppen[124] (CARE, PLAY, LUST bei Panksepp, Bindungssystem bei Roth). Die neurobiologischen Systeme sorgen für angenehme Empfindungen, wenn wir in Gruppen “angenommen” und anerkannt werden. Das Motivationssystem ist also auch auf die Erlangung von Vertrauen, Zugehörigkeit und Kooperation ausgerichtet. Der Aggressionsapparat erweist sich dabei als ein Hilfssystem:

Bindung, Akzeptanz und Zugehörigkeit sind überlebenswichtig. Sind sie bedroht, reagieren die Alarmsysteme des menschlichen Gehirns[125]

Gruppenzugehörigkeit wird geprägt durch Kultur und kann sich auch auf die Entwicklung und den Ausdruck von intrinsischer und extrinsischer Motivation auswirken. Kulturelle Skripte prägen dabei die täglichen Aktivitäten, Entscheidungen und Verhaltensskripte der Menschen. Die wiederholte Ausführung dieser Skripte verändert wiederum die Gehirnstruktur und -verarbeitung.[126]

Als eine Voraussetzung für die hohe Kooperationsbereitschaft gilt die Fähigkeit des Menschen zu höherem kognitivem Denken. Unsere ausgeprägten kognitiven Fähigkeiten helfen emotionale Reaktionen zu hemmen, zu regulieren und zu modifizieren, um den sozialen Zusammenhalt innerhalb unserer Gruppen zu fördern[127].

Antonio Damasio bestätigt, dass die meisten Motivationen und Emotionen von ihrem Wesen her in größerem oder kleinerem Maßstab sozial sind, ihr Einflussbereich sich also weit über das Individuum hinaus erstreckt.[128] In der biologischen Regulation sind Mechanismen verankert, die auf kulturelle Regeln (etwa bezogen auf bezogen auf die sozialen Konventionen und Moralvorstellungen) abgestimmt und dazu gedacht sind, das Überleben in einer bestimmten Gesellschaft zu sichern.[129]

Neuronale Korrelate der sozialen Motivation unterstützen das Streben nach sozialer Belohnung und die Vermeidung von sozialer Bestrafung.[130] Interessant dabei ist, dass die neuronalen Grundlagen der Antizipation materieller Belohnung sich mit denen der sozialen Belohnung überschneiden. Dies bedeutet, soziale Belohnungen und wirken ähnlich positiv wie materielle Belohnungen.[131] Das prosoziale Verhalten wird durch die Hormone Oxytocin[132] und Vasopressin zusammen mit bestimmten Hirnregionen gefördert. Oxytocin „intensiviert die positiven zwischenmenschlichen Beziehungen, weil es Gefühle von Entspannung, Vertrauen, Mitgefühl und Altruismus verstärkt: „Das Hormon verstärkt das Vertrauen und die Bereitschaft, Risiken einzugehen – unentbehrliche Voraussetzungen für Freundschaft, Liebe und den Aufbau einer Familie.“[133]

Das starke Antriebssystem, damit Individuen Gruppen aufsuchen und dort verbleiben erzeugt ein subjektives Unwohlsein bis hin zu Angst, wenn man den Gruppenzugang nicht hat oder droht zu verlieren. Ist jemand akzeptierter Teil einer Gruppe, zu der er sich auch zugehörig fühlt, stellt sich ein positiv-ruhiges Gefühl ein. Dies erhöht die Bereitschaft, in der Gruppe zu bleiben und sich mit ihr zu synchronisieren. Das Bindungssystem “entwickelte sich aus einer mentalen Repräsentation des Bindungspartners sowie einer physiologischen Komponente um das Bindungshormon Oxytocin.“[134] Aber die neuronalen Faktoren, die die Gruppenbindung stärken und erhöhen, verstärken auch die Abgrenzung zu Nicht-Gruppenmitgliedern. Experimente zeigen, dass Vertrauen und Kooperation im Spiel gegen Fremde reduziert werden. Menschen verhalten sich gegenüber der eigenen Gruppe prosozialer aber abstoßender (Sapolsky schreibt niederträchtig) gegen andere, die außen stehen oder eine Bedrohung darstellen könnten. Die Wirkungsweise von Oxytocin und Vasopressin ist also in hohem Maße kontextabhängig und verstärkt auch die Zunahme von Vorurteilen gegen Fremdgruppen.[135]

Bosworth, Singer und der Ökonom Snower haben ebenfalls herausgearbeitet, dass Handlungsmotive durch verschiedene soziale Umgebungen aktiviert und verändert werden.[136] Unsere Präferenzen sind also nicht nur abhängig von unseren individuellen Einstellungen, sondern sind auch das Ergebnis des Zusammenspiels zwischen dem Individuum und ihrem jeweiligen sozialen Umfeld. Veränderungen des “social settings” führen unter sonst gleichen Bedingungen zu einem Motivwechsel.[137]

Baustein 11: Emotionssysteme filtern „rationales“ Handeln

In traditionellen ökonomischen Modellen steht „rationales“ Verhalten im Sinne von „ökonomisch rational“ im Zentrum der Betrachtung. Neurowissenschaftler haben im menschlichen Hirn dazu Regionen und Aktivitäten ausgemacht, die dem zugeordnet werden können. So gilt der im Frontallappen der Großhirnrinde verortete präfrontale Cortex[138] als das Denkzentrum des Menschen. Dieses Gehirnareal ist aber eng mit dem limbischen System, dem Sitz der Gefühle, verschaltet und wird wahrscheinlich durch Körpersignale beeinflusst und geprägt.[139]

Eine rationale Entscheidung aus evolutionsbiologischer Sicht ist diejenige, die für das Überleben des Organismus oder die Qualität dieses Überlebens sich letztlich als vorteilhaft erweist. Das beinhaltet auch, dass rasch entschieden wird, besonders wenn Zeit eine Rolle spielt.[140]

Das Faktenwissen, das für Denken und Entscheiden erforderlich ist, wird nach Damasio in Form von Vorstellungsbildern in verschiedenen Spielarten wie Wahrnehmungsbilder, Erinnerungsbilder einer realen Vergangenheit und Erinnerungsbilder von Plänen für die Zukunft gebildet. Sie sind „Konstruktionen, die das Gehirn vornimmt. … Vorstellungsbilder beruhen unmittelbar und ausschließlich auf jenen neuronalen Repräsentationen.“[141] Wenn wir uns an einen bestimmten Gegenstand, ein Gesicht oder ein Ereignis ins Gedächtnis rufen, machen wird das nicht mit einer exakten Reproduktion, sondern eine Interpretation, eine Rekonstruktion des Originals. [142]

Die affektiven Areale des Gehirns in den verschiedenen limbischen Ebenen werden ergänzt durch eine kognitiv-sprachliche Ebene, die in der Großhirnrinde im Neocortex, angesiedelt ist. „Diese Ebene umfasst exekutive, d.h. mit der Handlungsplanung befasste Areale sowie das für Grammatik und Syntax zuständige Sprachareal. Diese Ebene bezeichnet Roth als diejenige des rationalen Ich, des Verstandes und der Intelligenz.

„Diese Instanzen sind am Erfassen der »realen Gegebenheiten« beteiligt sowie am Problemlösen und an der zweckrationalen Handlungsplanung. Auch geht es hier um die Darstellung und Rechtfertigung des bewussten Ich vor sich selbst und vor den anderen und damit um das Bild einer Person von sich selbst.“ [143]

Roth betont, dass die kognitiv-sprachlichen Areale nur wenige direkte Verbindungen zu den limbischen Zentren haben, diese sie aber umgekehrt stark kontrollieren. „Das obere Stirnhirn als Sitz von Intelligenz und Verstand hat entsprechend nur geringen Einflusses auf das untere Stirnhirn als Instanz für moralisch-ethische Kontrolle, Risikobewertung und Gefühlskontrolle, während der umgekehrte Einfluss massiv sein kann.“ Danach hat die obere limbische Ebene einen direkten Zugriff auf Amygdala und Hypothalamus, welche ihrerseits verhaltensrelevante Zentren im Hirnstamm und Rückenmark steuern.[144]

Damit erklären Roth und Ryba, „warum vernünftige Ratschläge und Einsichten allein nicht in der Lage sind, Menschen nachhaltig zu beeinflussen, während unsere Emotionen, besonders auch in Form von Stress, Furcht und Schmerz, starken Einfluss auf unser Denken und Handeln haben können.“ Sie halten die teilweise Unabhängigkeit vom präfrontalen Cortex (PFC) nicht für eine Fehlkonstruktion des Gehirns, sondern für „eine biologisch sinnvolle Einrichtung. Der kognitiv ausgerichtete dorsolaterale PFC (dlPFC) soll Entwürfe zu möglichem Handeln liefern sowie (zusammen mit dem ventro-medialer präfrontaler Cortex (vmPFC) und dem oberen Teil des anterioren cingulären Cortex (ACC), Alternativen und ihre jeweiligen Konsequenzen und Risiken aufzeigen, aber ohne eine Tendenz zu sofortigem Handeln hervorzubringen. Die Entscheidung darüber, was tatsächlich getan wird, fällt dann in den corticalen und subcorticalen limbischen Arealen. Insofern ist der dlPFC ein intelligenter, aber neutraler Berater, der uns sagt: Wenn du das und das tun willst, dann wird das die und die Folgen haben – willst du diese Folgen? Entscheiden müssen wir, nicht der Berater.“ [145]Rationales“ Handeln wird also durch Emotionssysteme gefiltert.

Affekte sind die Antriebe, mit denen Individuen aller Arten ihre evolutionären Strategien und Taktiken verfolgen. Um evolutionär zu funktionieren, dürfen diese nicht bewusst zugänglich sein.[146] Neuropsychologisch gesehen scheint es so zu sein, dass die Funktion der Vernunft im Gehirn darin besteht, Emotionen zu hemmen und zu rationalisieren. [147] Damit lässt sich sagen, das Gehirn trifft keine rationalen Entscheidungen, sondern nur rationale Abwägungen.

Dass die Evolution beim Menschen in einen leistungsfähigeren Verstand und in ein ausgeprägtes Bewusstsein investiert hat, war nach Auffassung von Frank Urbanik ein Risiko, denn dies erhöht den Energiebedarf des Gehirns und die Fehlermöglichkeiten.[148]

In dem vereinfachten Modell von Kahneman ist der evolutionär jüngste Hirnbereich ein wesentlicher Bestandteil von “System 2”[149]. Aber auch das „rationale System 2“ arbeitet alles andere als »objektiv«, sondern neigt ebenfalls zu Verzerrungen und Fehlleistungen.[150] „Das System 2 bewertet eine Situation mithilfe fester Überzeugungen und einer vernünftigen Abwägung von Alternativen. Kahneman vertritt die Ansicht, dass wir mit dem System 2 das bewusste, vernünftige Ich gleichsetzen, das auswählt und entscheidet, was wir denken und tun, während unser Leben in Wirklichkeit vom System 1 gelenkt wird.“[151] Eric Kandel ist der Überzeugung, dass die Denkweise des schnellen, unbewussten Systems 1 in der Evolution überlebt hat: „Sie ist unter manchen Bedingungen vielleicht fehleranfällig, unter anderen dient sie aber stark der Anpassung.“ [152]

4. Graben zwischen Ökonomie und Naturwissenschaften überwinden

Die Einbeziehung von Gruppen, ihrer evolutionären Dynamik und neurowissenschaftliche Erkenntnisse in Modelle wirtschaftlichen Verhaltens kann die Untersuchung einer Reihe ökonomisch relevanter Themen bereichern, wie Jeroen C.J.M. van den Bergh und John M. Gowdy ausführen:[153]

  1. Die Einbeziehung von Gruppen kann Auswirkungen klären, die sie auf die Zusammenarbeit, die Struktur von Institutionen und Konflikte über die wirtschaftliche Verteilung haben.
  2. Sie kann dazu beitragen, angemessene Institutionen oder öffentliche Regelungen für den Umgang mit Dilemmata des kollektiven Handelns zu entwerfen. Viele Standardlösungen der öffentlichen Politik basieren auf Modellen, die von persönlichen Präferenzen ausgehen und nicht auf Situationen der realen Welt, die durch Gruppennormen gekennzeichnet sind, die ihrerseits individuelle Präferenzen und Interaktionen beeinflussen.
  3. Die Kombination von Gruppen- und individuellen Beschreibungsebenen ermöglicht die Analyse der Gegenkräfte von Prozessen innerhalb und zwischen Gruppen.
  4. Schließlich beleuchtet die Gruppenentwicklung die komplexe Organisationsstruktur menschlicher Ökonomien, die verschachtelte Strukturen, Konflikte zwischen Gruppen und die Koevolution verschiedener Gruppen und Individuen umfasst.

Es mag einigen Sozialwissenschaftlern noch ungewöhnlich erscheinen, eine naturwissenschaftliche Grundlage für einen ökonomischen Ansatz zu suchen. Der Evolutionsbiologe David Sloan Wilson erkennt an, dass die Wirtschaftswissenschaften eine der sehr wenigen Disziplinen in den Sozial- und Geisteswissenschaften sind, „die sogar vorgibt, einen vereinheitlichenden theoretischen Rahmen zu haben. Die meisten anderen Disziplinen wie Politikwissenschaft, Soziologie, Geschichte, Psychologie und Pädagogik sind nichts weiter als eine Konstellation von Denkschulen, die wenig miteinander, geschweige denn mit der Evolutionstheorie verwandt sind.“[154] Bisher sind die Wirtschaftswissenschaften wie andere Sozialwissenschaften ohne einen naturwissenschaftlichen Anker ausgekommen, haben aber dafür mit dem neoklassischen Modell einen einheitlichen theoretischen Rahmen.

Ökonomen und andere Sozialwissenschaftler haben mit immer zahlreicher werdenden Ausnahmen die Erkenntnisse der modernen Evolutions- und Neurobiologie bisher nicht so ernsthaft zur Kenntnis genommen, dass sie diese konkret in ihre Überlegungen einbauen.

Wenn die Ökonomie aber den Anspruch hat, das Faktische zu erklären und Handlungsalternativen und Gestaltungsoptionen für volks- und betriebswirtschaftliche Zwecke aufzeigen möchte, sollte sie konstruktiv ihre Modelle auf Basis der neuen Erkenntnisse überarbeiten,[155] wenn sie Akzeptanz und Einfluss wiedergewinnen möchte. Das gilt insbesondere für betriebswirtschaftliche Fragestellungen, weil der Betriebswirtschaftslehre als anwendungsbezogene Disziplin ihre wesentliche Aufgabe darin sieht, der betrieblichen Praxis Lösungshilfen anzubieten.[156] Sofern diese Lösungshilfen die Analyse von Verhalten und Maßnahmen zur Verhaltensänderungen erfordern, können ohne Berücksichtigung neurowissenschaftliche Erkenntnisse nur suboptimale Ergebnisse erzielt werden.

Weil die traditionelle Theorie zur ökonomischen Entscheidungsfindung nicht präzise mit Blick auf das Verhalten des Menschen ist, ist es problematisch von diesen Modellen abweichende menschliche Entscheidungen als irrational zu bezeichnen. Armando da Rocha leitet daraus ab, dass eine Theorie, die biologisch rationale Entscheidung als irrational einstuft, eher ein klarer Hinweis darauf ist, wie begrenzt die bisherige Theorie zur Modellierung des menschlichen Verhaltens ist. Die Diskussion über Rationalität in der Wirtschafts- und Finanzliteratur müsse daher neu adressiert werden.[157]

Ich hatte bereits in der Einleitung zu diesem Beitrag darauf hingewiesen, dass es immer mehr Ökonomen versuchen, diese neuen Ansätze zu berücksichtigen. So versucht etwa Andrew Lo in seinem Buch Adaptive Markets die Weiterentwicklung der Kapitalmarkttheorie hin zu einem evolutionsbiologisch gestützten Modell. Brendan Markey-Towler versucht biologische Verhaltensvariablen in Formeln zu modellieren.[158] Die Behavioural Economics sind ohnehin schon dicht an den neuen Entwicklungen und berücksichtigen neurobiologische Erkenntnisse, sie müssen sich nur noch trauen, ihre Referenz zur Neoklassik abzulegen. Auch die Werke der Ökonomie-Nobelpreiseträger Robert Shiller, Daniel Kahneman oder Richard Thaler nähern sich den neuen Erkenntnissen, sie meiden jedoch den Bezug auf evolutions- und neurobiologische Fundamente. Andrew Lo prägte die Aussage “It takes a theory to beat a theory”. Das Fundament für eine neue Theorie ist vorhanden. Ökonomen müssen nun bereit sein, dieses Fundament zu akzeptieren und darauf ihre Modelle zu bauen. Diesen Umbau leistet sich derzeit bereits die Psychologie, die davon sehr zu profitieren scheint.[159]

Bisher erschienen in dieser Reihe “Moderne Evolutionstheorie schlägt Ökonomie[160]

  1. Prolog
  2. Wilsons Buch “Die soziale Eroberung der Erde”
  3. Exkurs Evolutionsforschung
  4. Fehlinterpretation der Formel “Survival of the fittest”
  5. Gruppenselektion und Multilevel-Selektion
  6. Annäherung an die Multilevel-Selektion
  7. Multilevel-Selektion tiefer gebohrt
  8. Mensch und Multilevel-Selektion
  9. Wird sich Multilevel-Selektion gegen ökonomische Neoklassik etablieren?
  10. Grundlagen einer neurobiologischen Fundierung
  11. Neuronale Sprache und Hormone
  12. Das “Stammeshormon” Oxytocin und Bindung an Gruppen
  13. Emergenz und komplexe Systeme
  14. Kooperation schlägt Defektion, aber nicht immer
  15. Ökonomie von Gut und Böse
  16. Abenddämmerung – “It Takes a Theory to Beat a Theory.”
  17. Neurobiologie, Genetik und Verhalten
  18. Hirn zwischen Emotion und Verstand
  19. Neurobiologische Emotions- und Motivationssysteme
  20. Die Biologie erklärt das “Muppet-Problem
  21. Kooperation und Konfrontation

Im nächsten Beitrag werde ich näher auf die Entscheidungsfindung eingehen.


[1] Zur Abgrenzung zwischen Volks- und Betriebswirtschaftslehre und zur Frage Ökonomie – Wissenschaft oder Kunst? siehe Oliver Siemoneit, Eine Wissenschaftstheorie der Betriebswirtschaftslehre, Dissertation Uni Stuttgart 2010, S. 13 ff.

[2] Paul Engelkamp u. Friedrich L. Sell, Einführung in die Volkswirtschaftslehre, 7., ergänzte und aktualisierte Auflage 2017, Kindle-Edition, S. 2.

[3] Die Kritik erfasst in abgeschwächter Form auch die bisher in meiner ökonomischen Denke favorisierten „Neue Institutionenökonomik“, die ebenfalls auf dem methodologischen Individualismus und individueller Nutzenmaximierung basiert. Immerhin berücksichtigt sie die begrenzte Rationalität und beschränkte Informationen. Vgl. zu einer Zusammenfassung der Neue Institutionenökonomik Arnold Picot et al., Organisation: Theorie und Praxis aus ökonomischer Sicht, 8. Auflage 2020, S. 80 ff.

[4] Vgl. Dirk Elsner, Sammlung Krise der wissenschaftlichen Ökonomie, Blicklog, abrufbar unter http://www.blicklog.com/okonomie/krise-der-wissenschaftlichen-okonomie/

[5] Ausführlichere Details finden sich in den bisherigen zum Teil bereits aktualisierten Beiträgen. Eine Übersicht der bisher erschienenen Beiträge befindet sich am Ende dieses Beitrags.

[6] Wobei es hervorragende und unbedingte lesenswerte Bücher zu Evolution, Neurobiologie und Verhalten gibt. Dazu gehört etwa Robert Sapolsky, der sich in „Gewalt und Mitgefühl“ die Mühe macht, die sehr kurzfristigen neurobiologischen und auch in der Evolution sehr lange zurück liegenden Einflüsse auf unser heutiges Handeln darzustellen.

[7] Dabei habe ich mich bei der Wahl zwischen fokussiert und unvollständig oder niemals fertig und unübersichtlich für die fokussierte Variante entschieden. Im Vergleich zu abgeschlossenen ökonomischen Modellen bleiben evolutions- und neurobiologische wie generell naturwissenschaftliche Darstellungen, unvollständig.

[8] Minimum Viable Model (MVM) orientiert sich dabei an einem Begriff aus dem Innovationsmanagement, dem „Minimum Viable Product“.

[9] Feedback bitte über den Kommentarbereich oder gern auch als Mail über die im Impressum genannte Mail-Adresse.

[10] Siehe z. B. Eric Kandel, der die neue Biologie des Geistes als letzten Schritt in einer intellektuellen Entwicklung sieht, die 1859 mit Darwins Erkenntnissen über die Evolution unserer körperlichen Gestalt begann. Eric Kandel, Was ist der Mensch? Kindle-Edition 2018, Pos. 72.

[11] Oliver Siemoneit, Eine Wissenschaftstheorie der Betriebswirtschaftslehre, Dissertation Uni Stuttgart 2010, S. 16.

[12] Owen D. Jones, Why Behavioral Economics Isn’t Better, and How it Could Be, in: Research Handbook on Behavioral Law and Economics (J.C. Teitelbaum & K. Zeiler eds, 2019), last revised 2020, S. 2.

[13] Frank Urbaniok, Darwin schlägt Kant: Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und deren fatale Folgen, Kindle-Version 2020, S. 294.

[14] Vgl. grundlegend dazu David Sloan Wilson, John Malcolm Gowdy, Barkley Rosser, Rethinking economics from an evolutionary perspective, in: Journal of Economic Behavior & Organization 90: June 2013 und David Sloan Wilson, John Malcolm Gowdy, Evolution as a general theoretical framework for economics and public policy, in: Journal of Economic Behavior & Organization 90: S3-S10 June 2013 sowie das Sammelwerk David S. Wilson, Alan Kirman, Complexity and Evolution: Toward a New Synthesis for Economics, 2016.

[15] Vgl. Georg Toepfer, Evolution, Reclam 2013, Kindle Edition, Pos. 115. Siehe ebd. Pos. 126 f. zu den verschiedenen Bedeutungen, die mit dem Begriff Evolution verbunden werden. Allerdings streiten Evolutionsbiologen im Detail heftig über Darwins Erbe, das erheblich weiterentwickelt wurde. Vgl. ausführlich Axel Lange, Evolutionstheorie im Wandel: Ist Darwin überholt? 2020.

[16] Georg Toepfer weist darauf hin, dass für die an die natürliche Evolution anschließende »kulturelle Evolution« dabei ein ähnlicher Mechanismus angenommen wird, „der ebenfalls trotz seiner klaren Struktur eine nicht vorhersehbare Dynamik bewirkt. »Evolution« ist also ein Konzept, das die traditionell getrennten Bereiche der Natur und Kultur – für die verschiedenen Wissenschaften zuständig sind – miteinander verbinden könnte.” Georg Toepfer, Evolution, Reclam 2013, Vorwort.

[17] Siehe dazu Beitrag IVdieser Reihe: Fehlinterpretation der Formel “Survival of the fittest”

[18] Auch die Evolutionstheorie selbst unterliegt einem ständigen Prozess der Weiterentwicklung, über die Wissenschaftler intensiv streiten. Vgl. dazu Wikipedia Eintrag zur Erweiterten Synthese und Nature, Does evolutionary theory need a rethink?, 8.10.2014. Außerdem ausführlich Axel Lange. Evolutionstheorie im Wandel: Ist Darwin überholt? 2020 sowie Joachim Bauer, Das kooperative Gen: Evolution als kreativer Prozess, Taschenbucherstausgabe 2010, Kindle-Version.

[19] Aktuellere Veröffentlichungen betonen, dass epigenetische Effekte sogar die Regel und nicht die Ausnahme sind. Vgl. Steven C. Hertler, Aurelio José Figueredo u.

Mateo Peñaherrera-Aguirre, Multilevel Selection Theoretical Foundations, Historical Examples, and Empirical Evidence, eBook-Edition 2020, S. XXIII.

[20] Eric D Beinhocker, Die Entstehung des Wohlstands. Wie Evolution die Wirtschaft antreibt, 2007, S. 138.

[21] Für eine ausführliche Darstellung in deutscher Sprache empfehle ich Axel Lange. Evolutionstheorie im Wandel: Ist Darwin überholt, 2020?

[22] Eine sehr ausführliche Darstellung mit Review von Literatur und Forschungsergebnissen findet sich in Steven C. Hertler, Aurelio José Figueredo u. Mateo Peñaherrera-Aguirre, Multilevel Selection Theoretical Foundations, Historical Examples, and Empirical Evidence, eBook-Edition 2020.

[23] Axel Lange, Darwins Erbe im Umbau – Die Säulen der Erweiterten Synthese in der Evolutionstheorie, Würzburg 2012, S. 250.

[24] David Sloan Wilson, Reaching a New Plateau for the Acceptance of Multilevel Selection, Evolution Institute, veröffentlicht online im September 2017.

[25] Bruce J. Ellis, The Evolutionary Basis of Risky Adolescent Behavior, in: David Sloan Wilson, Steven C. Hayes; Evolution and Contextual Behavioral Science: An Integrated Framework for Understanding, Predicting, and Influencing Human Behavior, Kindle Edition Pos 2.158.

[26] Gerhard Roth und Nicole Strüber, Emotion, Motivation, Persönlichkeit und ihre neurobiologischen Grundlagen, in: Psychoneurowissenschaften (German Edition), Berlin Heidelberg, 2020 Kindle-Version, Pos. 6.439.

[27] Dies ist an anderer Stelle ausführlich beschrieben. Siehe Teil III und insbesondere Axel Lange, Evolutionstheorie im Wandel, 2020.

[28] Antonio Damasio, Im Anfang war das Gefühl: Der biologische Ursprung menschlicher Kultur, Kindle-Version Pos. 579. Siehe dort auch zur Entstehung des Lebens, über das es verschiedenste Theorien gibt.

[29] Ulrich C. Schreiber. Das Geheimnis um die erste Zelle: Dem Ursprung des Lebens auf der Spur, Kindle-Version 2019, Pos. 217. Siehe dort auch für eine umfassende Darstellung zu verschiedenen Modellen zur Entstehung des Lebens.

[30] Jeroen C. J. M. van den Bergh, Human Evolution beyond Biology and Culture: Evolutionary Social, Environmental and Policy Sciences, Kindle-Version 2018, Pos. 928.

[31] Der Zufall als alleinige Erklärung für Artenvielfallt und Variationen wird heute kritisch gesehen. Jochen Bauer schreibt dazu: „Dass das Auftreten eines Phänomens nicht dem reinen Zufall unterliegt, zugleich aber auch nicht strenger Determination, ist in der Biologie keine Ausnahme, sondern die Regel. Biologische Prozesse sind einerseits Gesetzmäßigkeiten unterworfen, die sich aus natürlichen Wechselwirkungen zwischen den Komponenten eines lebenden Systems ergeben. Andererseits weisen alle biologischen Systeme – innerhalb der durch die Struktur des jeweiligen Systems begrenzten Bandbreite – erhebliche Spielräume auf, so dass Prozesse im Einzelfall unterschiedlich ablaufen können.“ Joachim Bauer, Das kooperative Gen: Evolution als kreativer Prozess, Taschenbucherstausgabe 2010, Kindle-Version, Pos. 903 f.

[32] Jeroen C. J. M. van den Bergh, Human Evolution beyond Biology and Culture: Evolutionary Social, Environmental and Policy Sciences, Kindle-Version 2018, Pos. 952.

[33] Angelehnt an Davids Brooks “Emergente Systeme liegen vor, wenn verschiedene Elemente zusammenkommen und ein Ganzes bilden, das größer ist als die Summe seiner Teile. Oder, um es anders auszudrücken, die Bestandteile eines Systems beeinflussen sich gegenseitig und aus ihrer Interaktion geht etwas völlig Neues hervor.” Davids Brooks, Das soziale Tier, 2012, Pos. 2539.

[34] David Brooks, Das soziale Tier, 2012, Kindle Edition Pos. 2.540.

[35] David Brooks, Das soziale Tier, 2012, Kindle Edition Pos. 2.549.

[36] Joachim Bauer, Das kooperative Gen: Evolution als kreativer Prozess, Taschenbucherstausgabe 2010, Kindle-Version, Pos. 2.543.

[37] Shelly Xiaonan Wu u. Wolfgang Banzhaf, Evolutionary Transition through a New Multilevel Selection Model, Working Paper, Conference Proceedings, ECAL 2011, S. 1.

[38] Kurt Kotrschal, Mensch: Woher wir kommen, wer wir sind, wohin wir gehen, Kindle-Version 2019, Pos. 167.

[39] Ulrich C. Schreiber. Das Geheimnis um die erste Zelle: Dem Ursprung des Lebens auf der Spur, Kindle-Version 2019, Pos. 1.111.

[40] Friedrich-Wilhelm Deneke, Psychodynamik und Neurobiologie: Dynamische Persönlichkeitstheorie und psychische Krankheit – Eine Revision psychoanalytischer Basiskonzepte, Kindle-Version 2013, S. 53.

[41] Vgl. Regina Schwegler, Moralisches Handeln von Unternehmen, 2009, S. 56 f.

[42] David Brooks, Das soziale Tier, 2012, Kindle Edition Pos. 2.622.

[43] Nassim Nicholas Taleb, Das Risiko und sein Preis – Skin in the Game, Kindle Edition 2018, Pos. 729.

[44] Eric Kandel weist z. B. darauf hin, dass die Sinne zwar die Informationen liefern, die wir brauchen, um zu handeln, „sie präsentieren dem Gehirn aber keine objektive Realität. Vielmehr liefern sie dem Gehirn die Information, die es braucht, um die Realität zu konstruieren. … Das Gehirn analysiert die Eindrücke, zieht einschlägige Emotionen und Erinnerungen an frühere Erfahrungen hinzu und konstruiert aus alledem eine innere Abbildung der Außenwelt. Diese – teils unbewusst, teils bewusst – selbst erzeugte Realität bildet den Leitfaden für unsere Gedanken und unser Verhalten.“ Eric Kandel, Was ist der Mensch?: Kindle-Edition 2018, Pos. 149 f.

[45] Ausführlich beschrieben in Daniel Kahneman, Schnelles Denken, langsames Denken, 2012.

[46] Frank Urbaniok, Darwin schlägt Kant: Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und deren fatale Folgen, Kindle-Version 2020, S. 31. Daneben ist zu berücksichtigen, dass eine immer höhere kognitive Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns mehr Masse und mehr Energie benötigt.

[47] Frank Urbaniok, Darwin schlägt Kant: Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und deren fatale Folgen, Kindle-Version 2020, S. 74.

[48] Frank Urbaniok, Darwin schlägt Kant: Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und deren fatale Folgen, Kindle-Version 2020, S. 153 f.

[49] Vgl. Steven Pinker, Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit, 2011, Pos. 16834.

[50] Kurt Kotrschal schreibt: „Schon im Erdaltertum entwickelte sich Gruppenleben als zentrale Strategie gegen Fressfeinde: Frühe strahlflossige Fische mit reichlich gepanzerten Körpern schwammen heringsartig im Schwarm und bildeten so eine Art Superorganismus mit viel mehr Augen und Sinnen als ein Einzeltier zur Verfügung hat. Zudem sinkt das Risiko des Individuums, bei einem Angriff erbeutet zu werden, linear mit steigender Gruppengröße.” Kurt Kotrschal, Mensch: Woher wir kommen, wer wir sind, wohin wir gehen, Kindle-Version 2019, Pos. 1.080.

[51] Die soziale Steuerung erwuchs aus bescheidenen Anfängen als es weder den Geist des Homo sapiens noch den anderer Säugetierarten gab. „Sehr einfache, einzellige Lebewesen bedienten sich chemischer Moleküle, um zu spüren und zu reagieren oder, mit anderen Worten, um bestimmte Verhältnisse in ihrer Umwelt einschließlich der Gegenwart anderer Lebewesen wahrzunehmen und die Handlungen zu steuern, die notwendig waren, um ihr Leben in einem sozialen Umfeld zu organisieren und aufrechtzuerhalten. Antonio Damasio, Im Anfang war das Gefühl: Der biologische Ursprung menschlicher Kultur, Kindle-Version Pos. 316. Siehe auch ebda. Pos. 934 ff. zur Kooperation von Bakterien und Mehrzellern.

[52] Antonio Damasio, Im Anfang war das Gefühl: Der biologische Ursprung menschlicher Kultur, Kindle-Version Pos. 3.740.

[53] Antonio Damasio, Im Anfang war das Gefühl: Der biologische Ursprung menschlicher Kultur, Kindle-Version Pos. 3.950.

[54] Kurt Kotrschal bezeichnet dabei die Kooperation als infamste Art der Konkurrenz: „Man arbeitet mit Verbündeten zum eigenen Wohl, aber auf Kosten anderer zusammen.“ Kurt Kotrschal, Mensch: Woher wir kommen, wer wir sind, wohin wir gehen, Kindle-Version 2019, Pos. 797.

[55] Pascal Molenberghs and Samantha Morrison, The role of the medial prefrontal cortex insocial categorization, in: Social Cognitive Affect Neurosciecne, Mär. 2014, S. 292.

[56] Shelly Xiaonan Wu u. Wolfgang Banzhaf, Evolutionary Transition through a New Multilevel Selection Model, Working Papier, Conference Proceedings, ECAL 2011, S. 2.

[57] Vgl. Brendan Markey-Towler, Psychology of evolutionary economic behaviour, SSRN-Working Paper v. 8.1.2020, S. 7.

[58] Jeroen C. J. M. van den Bergh, Human Evolution beyond Biology and Culture: Evolutionary Social, Environmental and Policy Sciences, Kindle-Version 2018, Pos. 5431.

[59] Vgl. Frank Urbaniok, Darwin schlägt Kant: Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und deren fatale Folgen, Kindle-Version 2020, S. 77.

[60] Frank Urbaniok, Darwin schlägt Kant: Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und deren fatale Folgen, Kindle-Version 2020, S. 77.

[61] Hier geht es auch nicht darum, wie es sein sollte oder gewünscht ist (normative Theorie), sondern darum, ein realitätsnahes Modell für menschlichen Verhalten zu entwickeln.

[62] Frank Urbaniok, Darwin schlägt Kant: Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und deren fatale Folgen, Kindle-Version 2020, S. 171.

[63] Frank Urbaniok, Darwin schlägt Kant: Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und deren fatale Folgen, Kindle-Version 2020, S. 152.

[64] Jeroen C.J.M. van den Bergha and John M. Gowdy, A group selection perspective on economic behavior, institutionsand organizations, in: Journal of Economic Behavior & Organization, Vol. 72 (2009), S. 11.

[65] Dennis J. Snower, Toward global paradigm change: beyond the crisis of the liberal world order, ZBW Working Paper, 2019, S. 9.

[66] Andrew W. Lo, It Takes a Theory to Beat a Theory: The Adaptive Markets Hypothesis, Evonomics, 2017, Pos. 2180.

[67] Shiller, Robert J., Narrative Wirtschaft: Wie Geschichten die Wirtschaft beeinflussen – ein revolutionärer Erklärungsansatz, Kindle-Version 2020, Pos. 100.

[68] Shiller, Robert J., Narrative Wirtschaft: Wie Geschichten die Wirtschaft beeinflussen – ein revolutionärer Erklärungsansatz, Kindle-Version 2020, Pos. 132.

[69] Eric Kandel, Was ist der Mensch? Kindle-Edition 2018, Pos. 90.

[70] Mir ist bewusst, dass ich die Bezeichnung Neurobiologie möglicherweise nicht korrekt verwende. Siehe zur Abgrenzung verschiedener Teilgebiete der Neurowissenschaften Rainer Schandry, Biologische Psychologie, 4. überarbeitete Aufl. 2016, S. 21.

[71] Marc Dingman, Das Gehirn, Kindle-Edition 2020, S. 18.

[72] Gerhard Roth, Andreas Heinz, Henrik Walter, Vorwort in: Psychoneurowissenschaften (German Edition), Berlin Heidelberg, 2020 Kindle-Version, Pos. 48. Vgl. auch Eric Kandel, Was ist der Mensch? Kindle-Edition 2018, Pos. 379. Siehe ebda. auch zu den wissenschaftlichen Fortschritten, die zu dieser Erkenntnis führten.

[73] Diese Position bezeichnet Denke als schwachen neurobiologischen Reduktionismus. Friedrich-Wilhelm Deneke, Psychodynamik und Neurobiologie: Dynamische Persönlichkeitstheorie und psychische Krankheit – Eine Revision psychoanalytischer Basiskonzepte, Kindle-Version 2013, S. 56.

[74] Eric Kandel, Was ist der Mensch? Kindle-Edition 2018, Pos. 3.972. Es existiert somit kein körperloser Geist. Vgl. ausführlich Antonio R. Damasio, Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn, Kindle-Edition Neuausgabe 2004.

[75] Gerhard Roth, Andreas Heinz, Henrik Walter, Die Suche nach der Natur der Seele, in: Psychoneurowissenschaften (German Edition), Berlin Heidelberg, 2020 Kindle-Version, Pos. 797.

[76] Vgl. Frank Urbaniok, Darwin schlägt Kant: Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und deren fatale Folgen, Kindle-Version 2020, S. 222.

[77] Antonio R. Damasio, Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn, Kindle-Edition Neuausgabe 2004, Pos. 281.

[78] Antonio R. Damasio, Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn, Kindle-Edition Neuausgabe 2004, Pos. 1.190.

[79] Gerhard Roth, Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern: Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten, 2020, Kindle-Version, Pos. 230.

[80] Vgl. [80] Friedrich Thießen, Die Evolution von Gut und Böse in Marktwirtschaften: Theorie und Praxis, 2014, S. 81 f.

[81] Joseph LeDoux, Rethinking the Emotional Brain, published in final edited form as: Neuron. 2012 February 23; Version NIH-PA Author Manuscript, S. 3 mit vielen Nachweisen.

[82] Siehe Vier-Ebenen-Modell in: Psychoneurowissenschaften (German Edition) (S.135). Springer Berlin Heidelberg. Kindle-Version, S. 135 ff.

[83] Antonio R. Damasio, Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn, Kindle-Edition Neuausgabe 2004, Pos. 146.

[84] Nicole Strüber u. Gerhard Roth, Entwicklungsneurobiologie, in: Psychoneurowissenschaften (German Edition), Berlin Heidelberg, 2020 Kindle-Version, Pos. 5.109

[85] Antonio R. Damasio, Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn, Kindle-Edition Neuausgabe 2004, Pos. 2.133.

[86] Antonio R. Damasio, Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn, Kindle-Edition Neuausgabe 2004, Pos. 2.140.

[87] Eric Kandel, Was ist der Mensch? Kindle-Edition 2018, Pos. 394.

[88] Antonio R. Damasio, Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn, Kindle-Edition Neuausgabe 2004, Pos. 1.677.

[89] Friedrich Thießen, Die Evolution von Gut und Böse in Marktwirtschaften: Theorie und Praxis, 2014, S. 90.

[90] Friedrich Thießen, Die Evolution von Gut und Böse in Marktwirtschaften: Theorie und Praxis, 2014, S. 91.

[91] Friedrich Thießen, Die Evolution von Gut und Böse in Marktwirtschaften: Theorie und Praxis, 2014, S. 92.

[92] Friedrich Thießen, Die Evolution von Gut und Böse in Marktwirtschaften: Theorie und Praxis, 2014, S. 96.

[93] Friedrich Thießen, Die Evolution von Gut und Böse in Marktwirtschaften: Theorie und Praxis, 2014, S. 93.

[94] Friedrich Thießen, Die Evolution von Gut und Böse in Marktwirtschaften: Theorie und Praxis, 2014, S. 93.

[95] ”Es ist eine Grundregel für alle Tiere einschließlich Einzeller, unter förderlichen Bedingungen zu verweilen, sich unter ungünstigen Bedingungen wegzubewegen. Dafür braucht es Motivationssysteme. Die „negativen“, also jene, die beim präkambrischen Wurm bis zum modernen Menschen Flucht und Vermeidung bewirken, sind in ihrer Bauart und Funktion mit uralten Stress-Systemen verbunden. Sie machen Körper und Geist aktionsbereit.“ Kurt Kotrschal, Mensch: Woher wir kommen, wer wir sind, wohin wir gehen, Kindle-Version 2019, Pos. 1.049.

[96] Wobei die jeweiligen Anteile die Unterschiede freudiger bzw. lusthafter Zustände ausmachen. Gerhard Roth, Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern: Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten, 2020, Kindle-Version, Pos. 5.089. So streben die einen „nach Sex, Suff und Drogen, die anderen nach köstlichem Essen, nach Geld, Macht und Anerkennung, wieder andere nach dem Beisammensein mit Freunden oder nach hochgeistigen Genüssen wie einem wunderbaren Konzert oder einem aufregenden Krimi oder einfach nach Ruhe. Ebda., Ps. 5.106 f.

[97] Eine ausführlichere Darstellung findet sich in Gerhard Roth, Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern: Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten, 2020, Kindle-Version, Pos. 4.779.

[98] Vgl. Brendan Markey-Towler, Psychology of evolutionary economic behaviour, SSRN-Working Paper v. 8.1.2020, S. 5. Deutlich mach das Antonio R. Damasio am Beispiel von Phineas P. Gage, bei dem infolge einer Hirnschädigung soziale Konventionen und moralische Regeln ihre Verbindlichkeit verloren haben, ohne daß grundlegende geistige und sprachliche Fertigkeiten beeinträchtigt waren. Ausführlich dazu Antonio R. Damasio, Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn, Kindle-Edition Neuausgabe 2004, Pos. 351 ff.

Damasio, Antonio R.. Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn (German Edition) (S.33). Ullstein eBooks. Kindle-Version.

[99] Eric Kandel, Was ist der Mensch? Kindle-Edition 2018, Pos. 1.003 f.

[100] L. Davis u. Jaak Panksepp, The Emotional Foundations of Personality“, New York 2017, Kindl Edition, Pos. 162.

[101] Die ersten Wirbeltiere „brauchten Antriebssysteme für ihr Verhalten, die es ihnen erlaubten, ungünstigen Bedingungen auszuweichen und dort zu verweilen, wo es ihnen in Bezug auf Nahrung, Temperatur, Sauerstoff und Wasserqualität gut ging. Sehr früh entwickelten sich die entsprechenden Stress-Systeme, die uns heute noch begleiten, aber auch die Belohnungssysteme.“

Kurt Kotrschal, Mensch: Woher wir kommen, wer wir sind, wohin wir gehen, Kindle-Version 2019, Pos. 1.049.

[102] Vgl. Andrew W. Lo, Adaptive Markets: Financial Evolution at the Speed of Thought, 2017, Pos. 2256.

[103] Eric Kandel, Was ist der Mensch? Kindle-Edition 2018, Pos. 3.086.

[104] Eric Kandel, Was ist der Mensch? Kindle-Edition 2018, Pos. 1.003 f.

[105] Vgl. Kenneth L. Davis u. Christian Montag, Selected Principles of Pankseppian Affective Neuroscience, Front. Neurosci., 17 January 2019.

[106] Gerhard Roth und Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele, 1. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018, Kindle Edition, Pos. 3.767. Ähnlich Eric Kandell, der schreibt: „Unser Gehirn besitzt ein Annäherungs- und Vermeidungssystem, das uns nach Erlebnissen streben lässt, die angenehme Gefühle auslösen, und solche zu vermeiden sucht, die schmerzhafte oder beängstigende Emotionen verursachen.“ Eric Kandel, Was ist der Mensch? Kindle-Edition 2018, Pos. 3.049 f.

[107] Ich lasse die Merkmale bewusst nebeneinanderstehen. Sie überschneiden sich aber. Wünschenswert wäre, diese für eine spätere Fassung dieses Beitrags zusammenzufassen.

[108] Joseph LeDoux, Rethinking the Emotional Brain, published in final edited form in: Neuron. 2012 February 23; Version NIH-PA Author Manuscript, S. 3 mit Nachweisen. Siehe ebda. auch zur kritischen Diskussion des Konzepts der Basisemotionen.

[109] Gerhard Roth u. Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele macht, Neuauflage 2018, Kindle-Edition, Pos. 3.652 ff.

[110] Gerhard Roth u. Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele macht, Neuauflage 2018, Kindle-Edition, Pos. 3.712 ff.

[111] Gerhard Roth u. Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele macht, Neuauflage 2018, Kindle-Edition, Pos. 3.761 ff.

[112] Gerhard Roth u. Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele macht, Neuauflage 2018, Kindle-Edition, Pos. 3.821 ff.

[113] Gerhard Roth u. Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele macht, Neuauflage 2018, Kindle-Edition, Pos. 3.856 ff.

[114] Gerhard Roth u. Nicole Strüber, Wie das Gehirn die Seele macht, Neuauflage 2018, Kindle-Edition, Pos. 3.904 ff.

[115] Vgl. Kenneth L. Davis u. Christian Montag, Selected Principles of Pankseppian Affective Neuroscience, Front. Neurosci., 17 January 2019.

[116] Gerhard Roth, Aus Sicht des Gehirns, vollständig überarbeitete Neuauflage 2008, Kindle-Version, S. 175

[117] Frank Urbaniok, Darwin schlägt Kant: Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und deren fatale Folgen, Kindle-Version 2020, S. 225.

[118] Siehe Howard C. Cromwell et al., Mapping the interconnected neural systems underlying motivation and emotion: A key step toward understanding the human affectome, in: Neuroscience & Biobehavioral Reviews, Volume 113, Junie 2020, Pages 204-226.

[119] Vgl. zur notwendigen emergenten Betrachtung Abschnitt 13: Emergenz und komplexe Systeme

[120] Vgl. Howard C.Cromwell et al., Mapping the interconnected neural systems underlying motivation and emotion: A key step toward understanding the human affectome, in: Neuroscience & Biobehavioral Reviews, Vol. 113, June 2020, Pages 204-226.

[121] Eric Kandel, Was ist der Mensch? Kindle-Edition 2018, Pos. 3.059.

[122] Eric Kandel, Was ist der Mensch?: Kindle-Edition 2018, Pos. 578.

[123] Frank Urbaniok, Darwin schlägt Kant: Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und deren fatale Folgen, Kindle-Version 2020, S. 71.

[124] Solche Gruppen müssen nicht zwingend die eigene Familie sein. Das neurobiologische System sorgt für angenehme Empfindungen, wenn wir in Gruppen “angenommen” und anerkannt werden. Freilich ist das keine strenge deterministische Regel, die für alle Menschen gleich wirkt.

[125] Joachim Bauer, Schmerzgrenze: Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt, 2013, S. 61.

[126] C. Cromwell et al., Mapping the interconnected neural systems underlying motivation and emotion: A key step toward understanding the human affectome, in: Neuroscience & Biobehavioral Reviews, Volume 113, Juni 2020, S. 219.

[127] Brendan Markey-Towler, Psychology of evolutionary economic behaviour, SSRN-Working Paper v. 8.1.2020, S. 7.

[128] Antonio Damasio, Im Anfang war das Gefühl: Der biologische Ursprung menschlicher Kultur, Kindle-Version Pos. 1.897.

[129] Antonio R. Damasio, Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn, Kindle-Edition Neuausgabe 2004, Pos. 3.707.

[130] C. Cromwell et al., Mapping the interconnected neural systems underlying motivation and emotion: A key step toward understanding the human affectome, in: Neuroscience & Biobehavioral Reviews, Volume 113, Juni 2020, S. 212.

[131] C. Cromwell et al., Mapping the interconnected neural systems underlying motivation and emotion: A key step toward understanding the human affectome, in: Neuroscience & Biobehavioral Reviews, Volume 113, Juni 2020, S. 212 mit Verweisen auf mehrere Studien.

[132] Oxytocin ist ein Peptidhormon, das im Hypothalamus produziert und vom Hypophysenhinterlappen ins Blut ausgeschüttet wird. Eric Kandel, Was ist der Mensch?: Kindle-Edition 2018, Pos. 932. Sie außerdem Beitrag XII Das “Stammeshormon” Oxytocin und Bindung an Gruppen.

[133] Vgl. Eric Kandel, Was ist der Mensch?: Kindle-Edition 2018, Pos. 932 sowie ausführlich Teil XII dieser Reihe Das “Stammeshormon” Oxytocin und Bindung an Gruppen

[134] Kurt Kotrschal, Mensch: Woher wir kommen, wer wir sind, wohin wir gehen, Kindle-Version 2019, Pos. 1.080.

[135] Robert Sapolsky: „Gewalt und Mitgefühl“, Regensburg 2017, S. 156 f. mit Nachweisen für Studien.

[136] Steven J. Bosworth, Tania Singer and Dennis J. Snower, Cooperation, Motivation and Social Balance, Working Paper Tilburg University v. 10.7.2015, S. 1

[137] Steven J. Bosworth, Tania Singer and Dennis J. Snower, Cooperation, Motivation and Social Balance, Working Paper Tilburg University v. 10.7.2015, S. 1 f.

[138] Der äußerste Teil des Gehirns, geschützt vom Schädelknochen und der darunterliegenden Hirnhaut, wird als Cortex cerebri bzw. als Großhirnrinde bezeichnet, bestehend aus stammesgeschichtlich alten Bestandteilen (Palaeocortex) und etwa 90 Prozent neueren Arealen (Neocortex). Karl Zilles, Der Cortex, in: dasGehirn.info v. 3.9.2011.

[139] Antonio R. Damasio, Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn, Kindle-Edition Neuausgabe 2004, Pos. 3.707 f.

[140] Antonio R. Damasio, Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn, Kindle-Edition Neuausgabe 2004, Pos. 3.143.

[141] Antonio R. Damasio, Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn, Kindle-Edition Neuausgabe 2004, Pos. 1.896 ff.

[142] Antonio R. Damasio, Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn, Kindle-Edition Neuausgabe 2004, Pos. 1.935.

[143] Gerhard Roth, Alica Ryba, Coaching, Beratung und Gehirn, 2016, Kindle Edition, Pos. 3.575.

[144] Gerhard Roth, Alica Ryba, Coaching, Beratung und Gehirn, 2016, Kindle Edition, Pos. 3.593.

[145] Gerhard Roth, Alica Ryba, Coaching, Beratung und Gehirn, 2016, Kindle Edition, Pos. 3.593 f.

[146] Kurt Kotrschal, Mensch: Woher wir kommen, wer wir sind, wohin wir gehen, Kindle-Version 2019, Pos. 1.022

[147] Vgl. Brendan Markey-Towler, Psychology of evolutionary economic behaviour, SSRN-Working Paper v. 8.1.2020, S. 6. Dies deckt sich gut mit den Erkenntnissen, dass „rationale Argumente“ offenbar auch dann benutzt werden, um bereits bestehende emotionale Reaktionen zu rechtfertigen.

[148] Frank Urbaniok, Darwin schlägt Kant: Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und deren fatale Folgen, Kindle-Version 2020, S. 67.

[149] „Das System 1 ist im Wesentlichen unbewusst, schnell, automatisch und intuitiv – ganz ähnlich wie das adaptive Unbewusste oder das »heiße« Denken, wie Walter Mischel, ein führender Kognitionspsychologe, es nennt. Das System 1 nutzt ganz allgemein weniger Assoziationen oder Metaphern und erzeugt einen schnellen Rohentwurf für eine Antwort auf ein Problem oder eine Situation.“ Eric Kandel, Was ist der Mensch? Kindle-Edition 2018, Pos. 4.275.

[150] Frank Urbaniok, Darwin schlägt Kant: Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und deren fatale Folgen, Kindle-Version 2020, S. 32.

[151] Eric Kandel, Was ist der Mensch? Kindle-Edition 2018, Pos. 4.275.

[152] Eric Kandel, Was ist der Mensch? Kindle-Edition 2018, Pos. 4.329.

[153] Jeroen C.J.M. van den Bergh and John M. Gowdy, A group selection perspective on economic behavior, institutionsand organizations, in: Journal of Economic Behavior & Organization, Vol. 72 (2009), S. 2.

[154] David Sloan Wilson, The View of Life, 2019, Kindle-Edition Pos. 253. Siehe auch Friedrich-

[155] Vgl. Analog den Rat von Eric Kandel an die Psychoanalyse: Eric Kandel, Was ist der Mensch? Kindle-Edition 2018, Pos. 4.348.

[156] Vgl. zum Anspruch der Betriebswirtschaftslehre Oliver Siemoneit, Eine Wissenschaftstheorie der Betriebswirtschaftslehre, Dissertation Uni Stuttgart 2010, S. 23.

[157] Armando da Rocha, Why Economic Psychology and Behavioral Finances needs Neurosciences knowledge to develop a strong and general theory of economic decision making? SSRN Working Paper, Mai 2020, S. 4.

[158] Siehe Brendan Markey‐Towler, Psychology of Evolutionary Economic Behaviour und Brendan Markey-Towler sowie Modelling behavioural systemsIntegrating psychology and complex systems science für formale Modellierungsansätze.

[159] Vgl. etwa :Marianne Leuzinger-Bohleber et al., Psychoanalyse und Neurowissenschaften: Chancen – Grenzen – Kontroversen (Psychoanalyse im 21. Jahrhundert), Kindle-Version 2015 sowie Nina Romanczuk-Seiferth, in: Neuropsychotherapie – Psychotherapieverfahren und ihre Wirkung, in: Psychoneurowissenschaften, Berlin Heidelberg, 2020 und Gerhard Roth et al., Psychoneurowissenschaften, Berlin Heidelberg, 2020.

[160] Ich habe diese Reihe nicht zu Beginn so geplant, wie sie hier vorliegt. Sie hat sich vielmehr entwickelt durch neue Erkenntnisse, die ich aus Nachdenken und vor allem der Literatur aus Biologie und Neurowissenschaften gewonnen habe.


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