Bundesbank: Wertberichtigungen haben sich von tatsächlichen Ausfallerwartungen entfernt

by Dirk Elsner on 27. Februar 2009

Seit Wochen, nein seit Monaten beschäftigt mich die Frage, ob die toxischen Wertpapiere, die die Bewertungen der Banken derzeit so stark in die Knie zwingen, tatsächlich so wenig wert sind, wie vielfach behauptet wird. Erst am Mittwoch hatte ich einen ausführlichen Beitrag zu dem Thema geschrieben. Allein die Deutsche Bank hat im Kreditderivatebereich durch Marktwertanpassungen 1,7 Mrd € Verlust gemacht, die vor allem den Bewertungsregeln (vor allem IFRS 39)  zu verdanken sind.

Nun habe ich heute zur Vorbereitung auf das Aktiencamp einen Vortrag des Vizepräsidenten der Deutschen Bundesbank, Professor Dr. Franz-Christoph Zeitler, gefunden, in dem auch er sieht, dass sich die Wertberichtigungen von den tatsächlichen Ausfallerwartungen weit entfernt haben. Konkret sagte er am:

“Um diesen Teufelskreis aus fallenden Kursen und immer höheren Wertberichtigungen zu durchbrechen, der sich von den tatsächlichen Ausfallerwartungen weit entfernt, hat der für die IFRS zuständige standard setter IASB bereits Ende letzten Jahres eine Reihe von Modifikationen vorgesehen, die vor allem eine Umklassifizierung von Finanzinstrumenten aus dem Handelsbuch oder der Kategorie „available for sale“ in andere Bewertungskategorien erleichtern sollen.” Hervorhebung durch mich.

Auch dies bestätigt mich eher in der Vermutung, dass die “toxischen” Papiere derzeit aufgrund der Marktbewertungen zu stark abgeschrieben werden. Den mathematischen Zusammenhang zwischen Abwertung aufgrund hoher Risikoprämien und tatsächlichen Ausfallquoten habe ich in diesem Beitrag beschrieben. Benedikt Fehr hat übrigens vergangenen Mittwoch eine Studie von Standard & Poor’s in der FAZ sich angesehen und schrieb dazu: 

In der Studie wird “durchgespielt, wie sich der abgezinste Barwert mehrerer Tranchen eines hypothetischen Wertpapiers unter unterschiedlichen Annahmen entwickelt. In Szenario 1 ist unterstellt, dass in den nächsten zwölf Monaten 5 Prozent des Kreditvolumens ausfallen und der Verlust im Durchschnitt 20 Prozent beträgt; das heißt: nach allen Kosten erhält der Gläubiger 80 Prozent des Kreditbetrags zurück.

Die Studie zeigt auf, wie vergleichsweise kleine Änderungen der Annahmen zu enormen Wertverlusten führen. So hat zum Beispiel die „AA+“Tranche unter Szenario 4 noch einen rechnerischen Barwert von 75,76 Prozent, im Szenario 5 aber nur noch von 8,85 Prozent. Ähnlich fällt auch der Wert anderer Tranchen plötzlich wie ein Stein.

Das wiederum ist der Grund, weshalb Investoren diese Wertpapiere derzeit scheuen, so dass die Märkte völlig illiquide sind und keine Marktpreise zustande kommen. Das spiegelt sich im Verfall der ABX-Indizes, welche aus den Kursen von Subprime-Tranchen unterschiedlicher Bonität berechnet werden. An der Bewertungsfrage sind bislang auch alle Konzepte gescheitert, denen zufolge der Staat den Banken ihre toxischen Papiere abkaufen soll, um die Kreditinstitute zu entlasten.”

Im Klartext bedeutet dies und das zuvor gesagte, die Bewertung findet zwar aufgrund von Marktdaten statt, entfernt sich damit aber immer weiter von den tatsächlichen Kreditausfällen insbesondere in den USA. Diese sind zwar gestiegen, wie diese Tabelle der mit Delinquency Rates zeigt, aber sie lagen im 4. Quartal gerade mal bei 4,59%. Wer jetzt sagt, die Ausfallquoten können ja noch deutlich steigen, der übersieht die Programme, die auch zur Stabilisierung des Hypothekenmarktes in den USA ergriffen werden. Es könnten sich damit die Vermutungen verstärken, dass wir so etwas wie eine “inverse Blasenbildung” sehen und damit im Sinne von Robert Shiller eine  “Irrational Exuberance” vorliegen haben.

Natürlich sind das von meiner Seite nur Vermutungen, weil die Banken sich eingemauert haben mit ihren Informationen. Sie könnten uns ja mal die Fragen 3. und 4., die ich hier formuliert habe, beantworten und damit für Klarheit sorgen. Es bleibt auf jeden Fall sehr spannend.

 

Beiträge im Blick Log zu den “toxischen” Assets

“Gigantische” Ausfallquoten bei US-Krediten: 98,45% der Verbindlichkeiten werden gezahlt

Bad Bank und toxische Wertpapiere: Kritische Fragen an die Banken

Das Gift für die schlechten Banken (Teil 1): Was steckt in den Bilanzen

Das Gift für die schlechten Banken (Teil 2): Wie giftig ist das Gift?

Der “Giftmüll” der Finanzkrise: Collateralized Debt Obligation

Einmaleins der Kreditderivate

Das Fieberthermometer der Finanzkrise: Credit Default Swaps

Bankenkrise entdramatisieren durch Veröffentlichung von Credit Spreads

Warum die angekündigten Horrorabschlüsse der Banken uns nicht schrecken sollten

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